Müllerstraße Stadt schreibt Asylprojekt aus

Die Initiative "Bellevue di Monaco" möchte in den städtischen Anwesen Müllerstrasse 2-6 ein Willkommenszentrum für junge Flüchtlinge einrichten.

(Foto: Stephan Rumpf)
  • Der Stadtrat hat eine öffentliche Ausschreibung des Flüchtlingsprojekts an der Müllerstraße beschlossen.
  • Dort soll ein Begegnungszentrum für Flüchtlinge sowie eine Beratungsstelle eingerichtet werden.
Von Melanie Staudinger

Die Idee eines neuartigen Flüchtlingsprojekts an der Müllerstraße, das Asylsuchende schneller in die Gesellschaft integrieren soll, stößt mittlerweile auf einen breiten Konsens. Ob aber die im März gegründete "Gemeinnützige Sozialgenossenschaft Bellevue di Monaco", die treibende Kraft hinter dem Vorhaben, das Projekt betreiben wird, bleibt weiter offen. Mit großer Mehrheit stimmte der Stadtrat am Mittwoch einer öffentlichen Ausschreibung zur Erbpacht der Häuser zu. Da auch andere Unternehmen sowie karitative oder gemeinnützige Organisationen Interesse haben könnten, ein solches Angebot zu realisieren, kommen die Kommunalpolitiker um einen solchen Schritt nicht herum.

Als Grundlage der Ausschreibung dient ein federführend vom Sozialreferat entwickeltes Konzept, das auf drei Säulen basiert und das weitgehend den Vorstellungen der Bellevue-Initiatoren folgt. An der Müllerstraße 2 sind im Erdgeschoss Büros vorgesehen, die von Sozialpädagogen, Kulturschaffenden und Bildungsträgern, etwa von Sprachkursen, benutzt werden können. Die beiden Obergeschosse stehen für kostenfreie Kunst- und Kulturprojekte von und mit Flüchtlingen zur Verfügung.

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Im Gebäude an der Müllerstraße 4 sollen Familien und Alleinerziehende mit Fluchthintergrund untergebracht und betreut werden. Die derzeitigen Mieter - vier Haushalte in den Hausnummern 4 und 6 - sollen ebenso dort leben wie unbegleitete heranwachsende Flüchtlinge. Derjenige, der die Gebäude am Ende übernimmt, muss laut Stadt auch dafür sorgen, dass die Bestandsmieter während der Bauarbeiten eine Wohnung haben. An der Müllerstraße 6 sollen unbegleitete minderjährige und heranwachsende Flüchtlinge in Gemeinschaften wohnen und von pädagogischem Fachpersonal betreut werden. Aus dem bisherigen Fahrradladen soll ein Beratungscafé werden, das sich ebenfalls speziell an junge Asylsuchende wendet.

Die Stadt stellt einmalig einen Renovierungskostenzuschuss von bis zu 1,7 Millionen Euro für das Projekt zur Verfügung. Zusätzlich kann sich der Anbieter über eine jährliche Zuwendung von 380 000 Euro freuen. Dafür muss er aber auch Einschränkungen in Kauf nehmen. So muss die Kaltmiete in den ersten drei Jahren bei sieben Euro pro Quadratmeter liegen. Bei der Modernisierung ist der übliche ökologische und baubiologische Kriterienkatalog der Stadt dennoch einzuhalten. Der Erbbauzins beträgt anfänglich gut 25 000 Euro im Jahr. Das Projekt soll bereits im August ausgeschrieben werden, Ende 2015 will der Stadtrat dann endgültig über den Betreiber befinden.

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