Moosach:Einzug der Talente

Moosach: Starke Sache: Daniela Boboc, die Leiterin der Jugend-Einrichtung, und Judoka Kilian Kappelmeier vor dem neuen Haus der Athleten in Milbertshofen.

Starke Sache: Daniela Boboc, die Leiterin der Jugend-Einrichtung, und Judoka Kilian Kappelmeier vor dem neuen Haus der Athleten in Milbertshofen.

(Foto: Robert Haas)

Im Haus der Athleten werden junge Spitzensportler gefördert

Von Joachim Mölter

Rein äußerlich fällt der Neubau kaum auf, der seit Kurzem in der Bischof-Adalbert-Straße in Milbertshofen steht: Er ist mit seinen drei Stockwerken nur ein wenig höher als die umliegenden Ein- und Mehrfamilienhäuser, fügt sich ansonsten aber reibungslos in der Nachbarschaft ein mit seiner weißen Vorderfassade. In der dient allenfalls ein Holzeinsprengsel zwischen den unteren Fenstern als Blickfang. Außergewöhnlich an dem Haus ist das Konstrukt, das dahinter steht: Getragen wird es vom Katholischen Jugendsozialwerk München (KJSM), einem gemeinnützigen Verein. Und gefüllt wird es vom Olympiastützpunkt Bayern - mit begabten Sportlern.

Bereits zum Schuljahresbeginn sind dort 30 Talente eingezogen, offiziell eingeweiht und gesegnet wurde das "Haus der Athleten" dann am Dienstag vom Domkapitular Klaus Peter Franzl, dem Vereinsratsvorsitzenden des KJSM. Der erinnerte bei der Gelegenheit daran, wie die Verbindung von kirchlich-sozialer Einrichtung und Sport zustande kam: Ein früherer Leiter des von der KJSM im Münchner Norden betriebenen Jugendwohn- und Gästehauses war einst Zehnkämpfer und holte quasi seine Sportfreunde ins Haus. Was ja durchaus Sinn ergab: Der Häuser-Komplex war in erster Linie für Auszubildende und Blockschüler gedacht, deren Heimatort zu weit von München weg ist, um jeden Tag zu pendeln. Und das ist auch ein Problem, mit dem junge Sportler kämpfen.

"Nicht jedes Talent wohnt in München", sagt Klaus Sarsky, der am hiesigen Olympiastützpunkt für die Laufbahnberatung von Athleten zuständig ist: "Wir versuchen, auch solche aus der Provinz zu fördern und gegebenenfalls zu uns zu holen." Für die ist das Haus der Athleten als Internat gedacht. Zur Sportförderung gehören ja nicht nur Trainer und Trainingsstätten, sondern auch Schulen, die bereit sind, auf die Erfordernisse der Talente Rücksicht zu nehmen. In München tut das zum Beispiel das Gymnasium München-Nord in der Knorrstraße, zehn Minuten mit dem Fahrrad vom Haus der Athleten entfernt.

Diese Nähe sei schon "eine große Zeitersparnis", findet der aus Schweitenkirchen in der Hallertau stammende Judoka Kilian Kappelmeier: "Für mich ist so was wie das Haus der Athleten essenziell, sonst könnte ich keinen Spitzensport betreiben." Er zog bereits 2018 ein, da war er noch 14. Jünger sollten die Talente nicht sein, sagt Klaus Sarsky, der auf Vorschlag der jeweiligen Fachverbände mitentscheidet, wer einen der begehrten Plätze bekommt. Für Kappelmeier hat sich der Wechsel nach München bislang gelohnt: Er wird am Internat rundumbetreut, bekommt in der Schule einen Stundenplan maßgeschneidert und kann beim TSV Großhadern an einem Bundesstützpunkt mit den Besten seiner Branche üben. Obwohl Kappelmeier noch keine 18 ist, ist er in der Gewichtsklasse bis 100 Kilogramm in diesem Jahr schon Zweiter bei den deutschen Männer-Meisterschaften geworden. Und am Montag kam er als Fünfter der U21-WM aus Italien zurück in sein Zimmer im Hauptgebäude.

Beim Rundgang durch die Räumlichkeiten im Neubau - bis auf zwei Doppel-Appartements überwiegend Einzelzimmer - fallen die überlangen Betten auf, die nicht nur für einen Zwei-Meter-Judoka wie Kappelmeier gedacht sind, sondern vor allem für Basket- und Volleyballer, die ebenfalls Plätze im KJSM-Gebäude belegen.

Das neue Haus der Athleten ist in zwei Jahren Bauzeit an der Stelle errichtet worden, wo seit den Fünfzigerjahren ein sogenanntes "Mädchenhaus" stand. 4,3 Millionen Euro war der Neubau teuer, und weil gleichzeitig das Haupthaus renoviert wurde, summieren sich die Kosten für das KJSM auf rund fünf Millionen Euro. Bezuschusst wird das Projekt vor allem von der Erzdiözese, mit rund 1,3 Millionen. Kultusministerium und Stadt unterstützen die Einrichtung ebenfalls. Die kann nun insgesamt 115 junge Menschen beherbergen, darunter sind aktuell 47 Sportler. Das neue Haus mit seinen 30 Plätzen ist komplett für sie reserviert. Aus Sicht von Laufbahnberater Klaus Sarsky ist das die "Optimierung des Standorts".

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