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"Moni's Grill":Je weniger Persönlichkeit, desto protziger der Auftritt

Filmdreh von "Moni's Grill", der neuen Mini-Serie von Franz Xaver Bogner im "Josef", Klenzestraße 99. Mit Monika Gruber und Christine Neubauer.

(Foto: Alessandra Schellnegger)

Der Regisseur Franz Xaver Bogner betrachtet in seiner neuen Serie die Münchner Gesellschaft - und durchschaut sie. Ein Setbesuch.

"Ofenkartoffel! Kaiserschmarrn!" plärrt Christine Neubauer durch die Küche, dass Monika Gruber kurz verstummt. Die eine, Neubauer, ist gerade in ihrer Rolle als Toni in der Filmküche und probt mit Regisseur Franz Xaver Bogner die nächste Szene. Die andere, Gruber, ist gerade sie selbst, steht ein wenig abseits und spricht über Neubauer, also den Menschen, nicht die Filmfigur.

"Sie ist schon auch wirklich eine starke Persönlichkeit", sagt Gruber. Da seien sich Figur und Schauspielerin, Toni und Christine, ganz ähnlich. Und genau darum geht es auch am Montag am Set im Glockenbachviertel: Wie viel vom realen Schauspieler steckt in einer Rolle, und vor allem: Wie viel Rolle spielt ein Mensch eigentlich im wirklichen Leben den ganzen Tag über, gerade in einer Stadt wie München?

Bogner hat mit seinen Serien oft das Gefühl für einen Ort zu einer bestimmten Zeit erfasst und so verdichtet, dass man beim Zusehen verstand, worum es eigentlich geht. Das Gefühl der jugendlichen Verlorenheit auf dem Land in "Irgendwie und Sowieso", die wahren Machtverhältnisse Ende der 1980er Jahre im Schlachthofviertel mit seinen archaisch regierenden Viehbesitzern in "Zur Freiheit" oder zuletzt die liebenswerte Münchner Dörflichkeit in "München 7".

Da lief Andreas Giebel als hemdsärmeliger Sheriff über den Viktualienmarkt, regelte Konflikte im Gespräch und jeder konnte sehen, was die Stadt ausmacht: ihre Bewohner, die kleinstädtisch familiär fühlen, aber weltstädtisch abgezockt handeln. Und jetzt also "Moni's Grill".

"Im Prinzip ist die ganze Stadt eine Bühne"

"Drei Kameras, drei starke Frauen, 30 Minuten", sagt Bogner. Neubauer als Köchin, Gruber als Wirtin und die gemeinsame Mutter Christa, gespielt von Sarah Camp, bilden den Kern des Grills, einem feinen Münchner Lokal mit Lüstern an der Decke, wo man gerne einkehrt und sich präsentiert. "Ein Restaurant ist ja immer eine Bühne", sagt der Regisseur. Wobei, "im Prinzip ist die ganze Stadt eine Bühne", sagt Bogner und lächelt bei dem Gedanken.

Monika Gruber und Christine Neubauer spielen die Betreiber eines Lokals, während Gruber zwischendrin immer mal wieder eine Talkrunde moderiert.

(Foto: Alessandra Schellnegger)

Für den 67-Jährigen ist diese Serie auch ein Experiment. "Mut zum Freiflug" nennt Bogner das. Denn anders als in seinen bisherigen Projekten gibt es zwei völlig unterschiedliche Teile in jeder der sieben Folgen, die im Herbst in der ARD und im BR laufen werden.

Zum einen das fiktive Restaurant, zum anderen einen zehnminütigen Talk-Teil, bei dem Gruber in ihrer Rolle als Wirtin bekannte Persönlichkeiten interviewt. Die allerdings kommen als sie selbst. Schauspieler, Künstler, Sportler, die Namen der Gäste werden noch nicht verraten. Es kann also passieren, dass Gruber als Moni Elmar Wepper als Elmar Wepper interviewt. Rollen und Realität verschwimmen, sollen verschwimmen.

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