Mitten in Pasing Das kurze Glück ohne Glotze

Wie einem Bauarbeiter ein Stück Freiheit schenken

Kolumne von Jutta Czeguhn

Dann ist ja alles bestens. Ein grünes Häkchen und der Text "Keine Netzstörung. In Ihrem Gebiet ist uns noch keine Störung bekannt." Das Störungshilfe-Portal des Kabelnetzbetreibers wirkt wahlweise provozierend oder deeskalierend. Das kommt drauf an, ob man zu den Menschen gehört, die, bevor sie ihren Fernseher zertrümmern, noch versuchen, bei der Störungshotline durchzukommen und dort dann im Mörderton mit dem Anwalt drohen. Doch gibt es auch jene, die schulterzuckend beidrehen und sich mal wieder selbst alle Schuld dafür geben, dass das TV-Gerät nun schon seit zwei Tagen beharrlich schweigt. Bis auf die Dauerbotschaft "Kein Empfang". Die Technik halt, schon bei der Digitalumstellung im Kabel hatte man sich furchtbar dämlich angestellt. Der Mitarbeiter im Pasinger Elektromarkt nahm schon Reißaus und versteckte sich hinter den Riesen-LED-Schirmen, wenn man in Demutshaltung mit einer weiteren Problemstellung angekrochen kam.

Jetzt also die endgültige Kapitulation. Nie mehr fernsehen - und es fühlt sich verdammt gut an. Allenfalls die alten DVDs könnte man sich noch ab und an gönnen. Das Glück ohne Glotze, Medienfreiheit! Abende mit einem guten Buch, ein ganzes Plattenregal wartet darauf, mal wieder aufgelegt zu werden. Aus den gardinenlosen Fenstern werden die Passanten in der Straße nicht mehr das grelle Flimmern des Fernsehers sehen, sondern womöglich echten, flackernden Kerzenschein.

In unserer Straße werden derzeit diese dicken, orangefarbenen Kabel für das Glasfasernetz verlegt. Alle paar Meter ist das Pflaster aufgerissen, und es werkeln Männer in tiefen Gruben. Einer, er muss so etwas wie der Bestimmer der Truppe sein, beißt in seine Wurstsemmel, als man vorbeikommt und ruft einem schmatzend hinterher. "Schtzngrmm! Wenn bei Ihnen auch der Fernseher nicht geht? Die Kollegen hier haben das Kabel aus Versehen erwischt. Schtzngrmm! Keine Sorge, wenn ich meine Semmel aufgegessen hab', mach' ich den Brüdern von der Kabelgesellschaft Dampf!"