Mitten in  Fürstenried:Schulsport auf Abwegen

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Zu schnell verlegt, zu  schnell verputzt:  Weil die Fluchttüren und Rettungswege zu schmal gebaut worden sind, dauerte es, bis die Dreifachsporthalle mal wieder von den  Schülerinnen und Schülern genutzt werden konnte

Glosse Von Jürgen Wolfram

Der Schulstart im Herbst ist und bleibt eine Herausforderung. Vor allem in Corona-Zeiten braucht es ein hohes Maß an Koordinationsvermögen. Doch alle Umsicht nützt wenig, wenn bauliche Probleme den geordneten Start ins neue Unterrichtsjahr behindern. So wie am Staatlichen Gymnasium Fürstenried und seiner benachbarten Realschule.

Zurück aus den Ferien, mussten Lehrer und Schüler gleich mal feststellen, dass ihre Dreifachsporthalle nicht zur Verfügung stand. Denn Sanierungsarbeiten, die in der Sommerpause hätten erledigt werden sollen, zogen sich bis weit in den Herbst hinein. Nach dem Einbau von Türen seien noch "verschiedene Anpassungsarbeiten" vonnöten gewesen, teilt das Referat für Bildung und Sport mit, nachdem es eine Weile gebraucht hatte, in Abstimmung mit dem Baureferat eine halbwegs plausible Erklärung auszubrüten.

Geschwurbel-bereinigt war es wohl so, dass Fluchttüren und Rettungswege schmaler gebaut worden sind, als die Bauaufsicht erlaubt. Und der Stadt deshalb nichts anderes übrig blieb, als die Sportstätte vorübergehend zu sperren. Das hatte missliche Folgen. Mal musste der Sportunterricht im Freien oder in der Aula stattfinden, mal wichen die Kinder und Jugendlichen auf externe Hallen in der ganzen Stadt aus.

Nutzungsberechtigten Vereinen mit Handball- oder Turnabteilung erging's nicht besser. Eine Mutter berichtet, nicht frei von Ironie: "Immerhin lernten so schon unsere Jüngsten, sich im Münchner U-Bahn-Verkehr zurecht zu finden. Denn welche Eltern können sie schon dauernd in der Gegend herumkutschieren." Wo Großhadern liegt oder Obersendling, das braucht der Schul- und Vereinsjugend in Fürstenried dank der exotischen Fächermischung aus Geografie und Sport jedenfalls niemand mehr beizubringen. Im Fach Flexibilität zeichnen sich gleichfalls Lernerfolge ab.

Das Malheur wirft Fragen auf, vor allem eine: Wie verschusselt man den termingerechten, vorschriftskonformen Bau von Flucht- und Rettungswegen? Der Vorgang erinnert an die großen Baustellen-Satiriker Ephraim Kishon ("Der Blaumilchkanal") und Herbert Rosendorfer ("Der Ruinenbaumeister").

Wie auf deren fiktiven Schauplätzen, so wurde offenbar auch in Fürstenried presslufthammerartig verlegt und verputzt und gemalert. Als gehe es um sportliche Höchstleistungen, bei denen penible Berechnungen nur stören. Beruhigend zu wissen, dass die Sporthalle mittlerweile wieder benutzbar, eine "Auslagerung" der Leibeserziehung nicht mehr erforderlich ist.

Gut so, denn jetzt können sich Gymnasium und Realschule an der Engadiner Straße in Fürstenried ganz und gar auf die Sanierung ihrer Tiefgarage konzentrieren. Die soll seit anderthalb Jahren im Gange sein.

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