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Maxvorstadt:Labor für Kunst

Im ehemaligen Gesundheitshaus an der Dachauer Straße will das Museum of Urban and Contemporary Art Kreativen ein neues Forum bieten. Doch der Umbau zieht sich hin, die Eröffnung ist auf Sommer verschoben

Von Lea Kramer, Maxvorstadt

Sie gehören zum Bild der Großstadt. Gesprühte Namen, Bilder und Figuren, mit denen manch ein Bewohner sein Viertel markiert. Über Qualität und Daseinsberechtigung der einzelnen Wandbilder wird seit jeher gestritten. Die einen sprechen von "Schmierereien", die anderen von "urbaner Kunst". Wie Graffiti, Stencils und Co. von der Straße ins Museum gebracht werden können, zeigt das Museum of Urban and Contemporary Art (Muca) in der Altstadt seit einigen Jahre erfolgreich. Mit ihrem neuen Projekt an der Dachauer Straße wollen die Macher neue Impulse in der Münchner Kunstszene setzen. Im März hätte das "Kunstlabor 2.0" eröffnet werden sollen, doch die Umbauarbeiten dauern länger als gedacht.

Sein genreübergreifendes Konzept hat das Muca schon 2018 an der Landsberger Straße in Laim erprobt.

(Foto: Alessandra Schellnegger)

"Mittwoch und Donnerstag ist immer Baustellentag", sagt Stephanie Utz. Die Mitgründerin des Muca hatte sich den Weg zum neuen Kunstforum in der Maxvorstadt einfacher vorgestellt, als sie mit ihrem Team 2019 den Zuschlag für die Zwischennutzung im ehemaligen Gesundheitshaus an der Dachauer Straße 90 erhalten hat. "Der sehr lange Leerstand hat dem Gebäude nicht gutgetan", sagt sie. Der frühere städtische Bürokomplex sei in einem schlechten Zustand gewesen. Viele Wände mussten eingerissen und neu eingezogen werden. Elektrik, Wasserleitungen und Sanitäreinrichtungen wurden ebenfalls erneuert. Obendrauf kam noch der Lockdown. Der brachte einerseits den Museumsbetrieb im Haupthaus in der Altstadt zum Erliegen und führte andererseits zu erheblichen Verzögerungen im Bauablauf an der Dachauer Straße.

Muca Maxvorstadt

Das alte Gesundheitshaus an der Dachauer Straße ist mit 9000 Quadratmetern deutlich größer als die bisherigen Räumlichkeiten.

(Foto: Isabell Kloss/Muca)

Auf der Baustelle in der Maxvorstadt seien sie gerade dabei, die Laufwege zu optimieren. Der Monat Mai sei ein wichtiger Meilenstein im Baustellenplan. "Wir haben uns den Sommer als Ziel gesetzt. Da wollen wir mit der Ertüchtigung des Gebäudes fertig sein", sagt Utz. Im Rahmen eines Sommerfests Mitte Juli sollen dann die ersten Besucher ins Kunstlabor kommen können. "Für uns, aber auch für die Maxvorstadt wäre das ein wichtiges Signal, um zu zeigen, dass die Tristesse an der Dachauer Straße vorbei ist", sagt Utz. Ein Termin für die offizielle Eröffnungsfeier steht noch nicht fest. Im nächsten Schritt wird die Außenfassade des Gebäudes gestaltet. Ein großflächiges Kunstwerk wird dann auf das künftige Kunstlabor hinweisen.

Die Stadt hatte das 9000 Quadratmeter große, abbruchreife alte Gesundheitshaus vor zwei Jahren zur Zwischennutzung ausgeschrieben. Muca setzte sich mit seinem genreübergreifenden Konzept gegen die anderen elf Mitbewerber durch. Das Kunstlabor soll fortführen, was Muca 2018 bereits an der Landsberger Straße in Laim erprobt hat. Nur dieses Mal in einer größeren Dimension - "eine andere Hausnummer", wie Stephanie Utz sagt.

Statt 50 Künstlern in 50 Räumen wird es im Gesundheitshaus auf sechs Etagen 100 Ateliers, diverse Ausstellungsflächen, Werkstätten, Arbeitsräume, Büros für Agenturen, eine Gastronomie und Platz für Veranstaltungen geben. Zudem kann ein 6800 Quadratmeter großes Außengelände bespielt werden. Dort sind ein Skulpturenpark sowie ein Fitness-Parcours angedacht, um Kunst möglichst niederschwellig an die Münchner heranzutragen. Utz: "Wir sehen das Haus als Begegnungsstätte. Unser Wunsch ist, dass sich eine Riesen-WG bildet, die vielen kreativen Köpfen Platz gibt, sich zu vernetzen." Das darf dann auch gerne länger andauern als die fünf Jahre, auf die die Zwischennutzung angelegt ist. "Darauf haben wir große Lust", sagt Utz. Im Museum an der Hotterstraße hat das geklappt. Da haben die Stadtwerke den Vertrag mit Muca gerade verlängert.

© SZ vom 18.05.2021
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