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Ludwigsvorstadt/Isarvorstadt:Stadt unter Spannung

Am Montag eröffnet Oberbürgermeister Dieter Reiter eine Mobilitätsstation am Zenettiplatz, eine zweite geht am Glockenbach in Betrieb. Beide Einrichtungen sind Teil des Forschungsprojekts City2Share

Vor rund eineinhalb Jahren, die Mobilitätsstation an der Münchner Freiheit stand bereits, kündigten die Stadt und die MVG (Münchner Verkehrsgesellschaft) ebensolche, aber besser ausgestattete, in Innenstadtnähe für 2018 an. Sie sollten als Teil des Forschungsprojekts City2Share, an dem die Stadt und BMW, aber auch viele andere Unternehmen und einige Forschungseinrichtungen beteiligt sind, auf öffentlichem Grund gebaut werden. Die ersten zwei werden nun kommende Woche in Betrieb gehen. Am Montag will OB Dieter Reiter die Mobilitätsstation am Zenettiplatz beim Schlachthof der Öffentlichkeit übergeben.

Zwei E-Ladestationen sollen zunächst dort installiert werden - jeweils eine Ladesäule für zwei Privatautos, eine für zwei Carsharing-Wagen. Dazu werden vier E-Bikes aufgestellt und sieben Parkplätze für Car-Sharer und "Free-Floater" eingerichtet. Ersterer ist vor allem der Verein Stattauto, bei dem man das Fahrzeug reservieren kann. Unter Free-Floatern versteht man stationsunabhängige Anbieter wie Drive Now oder Car2Go für Spontannutzer. Bucht man bei diesen, muss man zwar ein Auto eigens suchen, muss es aber auch nicht zum Ausgangsort zurückbringen.

Bald fließt hier Strom: Am Zenettiplatz - das Bild zeigt ihn kurz vor seiner Umgestaltung - nimmt Oberbürgermeister Dieter Reiter am kommenden Montag eine sogenannte Mobilitätsstation in Betrieb.

(Foto: Catherina Hess)

Im Rahmen von City2Share werden seit vergangenem Jahr in Sendling und in der Ludwigs- und Isarvorstadt neue Mobilitätskonzepte getestet. Auch die Station am Glockenbach, derzeit ein Paketumschlagplatz für UPS, die von dort aus mit Lasten-Fahrrädern ins Viertel starten, soll am Montag in Betrieb gehen. Verzögerungen gibt es bei den geplanten Mobilitätsstationen am Goetheplatz und am Kidlerplatz in Sendling. Am Goetheplatz wird man erst nach dem Oktoberfest-Abbau im November E-Fahrzeuge leihen und laden können. Der Kidlerplatz ist derzeit noch von der Baustelle für einen Kindergarten belegt.

Dass E-Fahrräder auf öffentlichem Grund ausgeliehen werden können, ist in der Innenstadt neu, aber nicht ganz neu in München: Das EU-Projekt "Smarter Together" hat im Juli am S-Bahnhof Westkreuz eine erste Mobilitätsstation mit E-Bikes ermöglicht. Ausgeliehen werden die E-Bikes und Autos über die MVG-More-App. Siemens testet im City2Share-Projekt neue Sensorik, mit der über die MVG-App Informationen darüber eingespeist werden, wo Ladestationen frei sind und welche Fahrzeuge zu Ausleihen bereitstehen.

Rund um die Ladesäule

In München wurden etwa 1250 Parkvignetten für Carsharing-Fahrzeuge ausgestellt, größtenteils an Drive Now und Car2Go, aber auch Flinkster, Stattauto und Oply erhalten solche Vignetten für jedes Fahrzeug, welches keinen eigenen Stellplatz auf Privatgrund hat. Das heißt: Es gibt 1250 Carsharing-Fahrzeuge im öffentlichen Raum. Dazu kommt die Flotte von Stattauto auf Privatgrund, die mit etwa 450 Fahrzeugen angegeben wird. Zum Vergleich: Bei der Münchner Zulassungsstelle sind derzeit mehr als 700 000 Autos gemeldet. Ein Mittelklassewagen nimmt einen Platz von durchschnittlich 7,6 Quadratmetern ein. In München werden nach einer Studie der Mobilitätsplattform ubeeqo mehr als zwölf Prozent der Verkehrsfläche von parkenden Autos eingenommen. Im Ranking der zugeparkten Städte nimmt München den zweiten Platz hinter Hannover ein.

34 E-Bikes, eigentlich Pedelecs, sollen in den Modellquartieren der zwei Forschungsprojekte "City2Share" (Zenettiplatz, Kidlerplatz, Goetheplatz, Straße Am Glockenbach) und "Smarter Together" (Aubing, Wiesentfelser Straße, Westkreuz, Neuaubing) aufgestellt werden.

Derzeit gibt es 250 Ladesäulen für E-Autos in München. Bis Ende 2019 wollen die Stadtwerke München und ihre Tochter MVG in München 550 Ladesäulen am Netz haben. Im Projekt City2Share stellen sie jeweils zwei an ihren Stationen bereit - mit zwei Stellplätzen für private E-Fahrzeuge und zwei für E-Autos, die man mieten kann. lo

E-Lastenräder kann man nicht an den Stationen ausleihen. Ein einziges stellt die Stadt seit Kurzem kostenfrei zur Verfügung. Es steht im Fahrradladen Espresso Cycling an der Jean-Paul-Richter-Straße südlich vom U-Bahnhof Partnachplatz in Sendling-Westpark. Das E-Lastenrad kann über die Freien Lastenradler, eine Verleih-Plattform, gebucht werden.

Die Besonderheit von City2Share ist, dass neuen Mobilitätsformen eine Chance gegeben werden soll, die, sofern sie gut angenommen werden, dann Platz schaffen für andere Aktivitäten. Im Klartext: Man will Menschen dazu bewegen, auf das Auto zu verzichten. Wer das macht, tut nicht nur etwas für die Umwelt, sondern auch für die Nachbarn. "Je mehr Sharing desto mehr Nutzung von öffentlichem Grund ist möglich", sagt die Stadtplanerin Merle Breyer, die für die Landeshauptstadt das Projekt leitet. Der öffentliche Raum, den die Autos bislang zugestellt hätten, könne dann von Anliegern genutzt werden, die Wohnqualität steige.

Dementsprechend werden bei dem Forschungsprojekt auch immer wieder Anwohner nach ihren Wünschen und Erfahrungen gefragt - entweder online oder bei Veranstaltungen. Der Zenettiplatz wird deshalb für die kommenden Wochen zur "Piazza Zenetti", der einen vielfältig nutzbaren Raum im Schlachthofviertel bieten soll. Wo sonst Autos parken, gibt es in dieser Zeit - etwa für fünf Wochen - mehr Grün und Sitzgelegenheiten. Damit will die Stadt die Diskussion anregen, wie öffentlicher Raum attraktiver gemacht und mit mehr Aufenthaltsqualität ausgestattet werden kann. Neben Infoveranstaltungen und Lesungen ist ein Mitmach-Programm geplant. Die Nachbarschaft ist darin eingebunden, um die Piazza Zenetti eventuell im Viertel zu etablieren - auch nach Ende des City2Share-Projekts im Jahr 2020.