bedeckt München 17°
vgwortpixel

LMU-Präsident Bernd Huber:Universität ohne Opposition

Denn ganz so einflusslos ist der Senat gar nicht. Bei den externen Posten im Hochschulrat zum Beispiel muss er den Vorschlägen des Präsidiums zustimmen. Einige Senatsmitglieder haben - jeweils für sich - mit der Personalie Schavan gehadert, wie sie im Nachhinein zugeben. Sie fürchteten einerseits einen Schaden für die akademische Reputation der LMU und wollten andererseits gern, dass die Uni von hochschulpolitischem Wissen profitiert. Eine spannende Frage, über die man in der entscheidenden Sitzung hätte diskutieren und streiten können.

Man hätte Huber auch fragen können, ob es nicht andere fähige Kandidaten gebe. Doch all das blieb aus. Der Senat winkte den Vorschlag Schavan zusammen mit dem ebenfalls nominierten Physiker Hilbert von Löhneysen per Akklamation durch - wie eine Konsensmaschine. Und nun tut sich LMU-Präsident Huber leicht, auf die "einstimmige" Bestätigung Schavans zu verweisen. Inzwischen ist aus dem Senat zu hören, das bundesweite Echo sei "natürlich Mist". Man habe "das Ganze unterschätzt". Und auf die Frage, ob man Schavan noch einmal wählen würde, ist die ausweichende Antwort zu hören: Die Frage stelle sich ja nicht.

Ein Professor, der seit vielen Jahren an der LMU ist und der auch schon leitende Funktionen übernommen hat, sagt: Das Agieren des Senats zeige, wie abgehoben die Gremien in der LMU arbeiteten, "da funktionieren einige Sicherungen nicht". Aber es könnte doch jedes Institut einen Protest gegen Schavans Berufung formulieren, warum ist da nichts passiert bisher? Der Professor seufzt. Es gebe nun einmal "eine relativ große Anzahl von Kollegen, denen solche Fragen nicht so wichtig sind". In den Gremien seiner Fakultät seien übergeordnete Fragen nie diskutiert worden.

Es herrsche eine "enorme Konfliktscheu, Zumutungen der Uni-Leitungen werden einfach so geschluckt". Früher habe es Gruppen von Professoren gegeben, die für eine gemeinsame politische Idee einstanden, sei sie konservativ, liberal oder sonst wie gewesen. Vorbei. Trotz ihrer großen geisteswissenschaftlichen Tradition ist die LMU entpolitisiert und atomisiert - so, wie man es immer den Technischen Universitäten nachsagt, auf die stolze LMUler gerne hinabschauen. Obwohl verbeamtete Professoren so unabhängig sind wie kaum eine andere Berufsgruppe in Deutschland, schauen auch in der LMU viele nur auf ihre Karriere und ihren Lehrstuhl.

So lange sich der Widerstand gegen Schavan in öffentlichen Äußerungen Einzelner und Schimpfkanonaden unter dem Siegel der Anonymität erschöpft, kann Huber leicht behaupten, eine Mehrheit der LMU stehe hinter der Berufung. Er regiert eine Universität ohne Opposition - mit großem Selbstbewusstsein, erst recht nach den Erfolgen, die die Uni unter seiner Führung in der Exzellenzinitiative erreicht hat. Manche, die sein Wirken seit Langem beobachten, finden ihn auch zu selbstbewusst.

"Verstoß gegen den akademischen Comment"

Was Außenstehende von den Entscheidungen der LMU halten, das ist für Huber jedenfalls sekundär. Das zeigt sich etwa an seinem Agieren im Verein Uni Bayern, dem Zusammenschluss der Universitäten des Freistaats. Der hat an den neuen Wissenschaftsminister Ludwig Spaenle (CSU) ein forsches Papier geschrieben, in dem er Milliardeninvestitionen anmahnte und davor warnte, die Unis könnten im Wettbewerb zurückfallen. Das Papier erschien auch im Namen der LMU. Huber aber sah sein Haus plötzlich in schlechtes Licht gerückt und distanzierte sich von der Veröffentlichung ("ein Schuss, der völlig nach hinten losging") und dem Verein ("hat das Thema unglücklich kommuniziert"). Es war ein Affront. Auf die Frage, ob die LMU nun Mitglied bleibe, antwortet Huber kühl: "Schauen wir einmal, wie die Sache sich entwickelt." Die LMU-Spitze, so nehmen es andere bei Uni Bayern wahr, halte ihre Uni für so groß und so gut, dass sie glaube, auch ohne die anderen zurechtzukommen.

Der Deutsche Hochschulverband, die Vertretung der Universitätslehrer, sieht in Schavans Berufung einen "Verstoß gegen den akademischen Comment" und einen "Affront gegenüber der Uni Düsseldorf", die Schavan den Titel aberkannt hatte. Huber lässt das an sich abtropfen. Den Verstoß sehe er nicht, und er habe von der Uni Düsseldorf keine Klagen gehört. Die Hochschule aus dem Rheinland erklärt auf Anfrage, man gebe keinen Kommentar zum Agieren der Kollegen aus München ab.

Mit Spannung wird nun auch in München erwartet, ob Schavan mit ihrer Klage durchkommt. Nur wenige halten das für realistisch. Eine Niederlage vor Gericht wäre für sie eine Demütigung und würde noch einmal die Debatte anheizen, ob eine "Plagiatorin" als Hochschulrätin tragbar ist. Bernd Huber und Martin Hose äußern sich dazu nicht. Aber es ist anzunehmen, dass sie auch dann an Schavan festhalten wollen. Von den bisherigen Erfahrungen dürfen sie sich ermutigt fühlen.

© SZ vom 31.10.2013/segi

Lesen Sie mehr zum Thema

Zur SZ-Startseite