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Live-Musik:Über dem Regenbogen

Gärtnerplatzorchester spielt draußen vor Altenheim

Ein großes Glück: Am Muttertag spielen Musiker des Gärtnerplatztheaters ein Ständchen vor dem Seniorenheim Augustinum.

(Foto: Privat)

Das Gärtnerplatzorchester spielt spontan draußen

Die listige alte Dame hat überhaupt keine Lust, auf ihr Zimmer zu gehen, sie wolle doch dabei sein, wenn die hier unten anfangen. Als ihr freundlich beschieden wird, dass hier unten niemand anfangen werde, solange sich noch jemand außer den Verantwortlichen auf der Wiese befinde, hat sie ein Einsehen mit dem um Ordnung bemühten "bösen Kerl", grinst dabei aber wie ein kleines Lausmädchen.

Vor sieben Jahren ging Susanne Heyng in den Ruhestand und zog ins Augustinum-Altenheim im Münchner Norden, davor sang sie mehr als drei Jahrzehnte am Gärtnerplatztheater, stets brillant und gut gelaunt. Zum Muttertag beschlossen nun elf ihrer Kollegen, ihr und ihren Mitbewohnerinnen und Mitbewohnern ein Ständchen zu bringen. Auf der Wiese vor dem Haus, weil ins Altenheim darf ja niemand.

Es ist eine fabelhafte Kulisse. Das Augustinum verwandelt sich in eine Wand mit zehn Rängen, von den Balkonen winken fröhliche Alte, nach jedem Stück gibt es echten Applaus. Die Darbietungen sind von kompromissloser Qualität, man merkt den Musikern die Freude darüber an, endlich wieder öffentlich das tun zu können, was sie tun müssen. Manche haben eine gesunde Bräune im Gesicht, einer hinkt ein wenig nach einem Malheur als Erntehelfer, alle haben beste Laune. Das Konzert, drei Mal aus verschiedenen Richtungen gegeben, soll zur festen, reisenden Einrichtung werden, überall wo derzeit nötig.

Nach 30 Minuten bittet Andreas Kowalewitz nach Posaunenchorälen, Strauss-Lied und erlesener Salonmusik vom Klavier aus zur Zugabe, Jennifer O'Loughlin und Frances Lucey singen "Somewhere Over The Rainbow" und eine begeisterte Amsel steuert pfeifend eine Girlande dazu bei. Beglückter Applaus kommt nun auch von jenseits des Parks.

© SZ vom 12.05.2020

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