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Literatur:Schreckensteins Schöpfer

Oliver Hassencamp

Sinn für Wortwitz: Autor Oliver Hassencamp.

(Foto: Georg Goebel/picture-alliance/dpa)

Dem Autor und Kabarettisten Oliver Hassencamp zum 100. Geburtstag

Von Antje Weber

"Ich will auf Schreckenstein allzeit fair und ehrlich sein" - das ist nicht nur einfach ein Satz, der immer wieder in den Büchern der berühmten Kinderbuchreihe "Burg Schreckenstein" von Oliver Hassencamp vorkommt. Es ist vielmehr der Ehrenkodex, den die als Ritter zusammengeschlossenen Jungs in diesem Internat für sich beschließen - und dem sie in 27 Bänden gerecht zu werden versuchen.

Der Münchner Autor und Kabarettist, der an diesem Montag 100 Jahre alt geworden wäre, ist einem großen Publikum heute noch vor allem durch diese Jugendbücher ein Begriff. Die 27 Bestseller-Bände, die er zwischen 1959 und 1988 für den Franz Schneider Verlag verfasste, wurden in viele Sprachen, vom Englischen bis zum Chinesischen, übersetzt. Sie wurden zu Hörspielen umgearbeitet und von Schauspieler Rufus Beck später auch als Hörbücher eingelesen; erst vor wenigen Jahren, 2016 und 2017, verschafften zwei Verfilmungen dem Stoff weitere Popularität - die Rätsel um Burg Schreckenstein faszinieren bis heute.

Doch die Bandbreite Hassencamps und sein Wirkungskreis waren noch sehr viel größer. Bereits während seiner eigenen Schulzeit in einem berühmten Internat, auf Schloss Salem, inszenierte der Jugendliche selbst geschriebene Theaterstücke, dichtete und spielte diverse Instrumente vom Saxofon bis zum Klavier, die er in einer eigenen Jazzband zum Einsatz brachte. Die frühen Erfolge endeten jäh mit der Einberufung des 18-Jährigen als Soldat in den Zweiten Weltkrieg; schwer verletzt kehrte er aus Russland zurück.

Hassencamp ging 1945 in das vom Krieg zerstörte München; er wurde Schauspieler und trat an den Münchner Kammerspielen sowie im Kabarett "Die Schaubude" auf. Und er war nicht nur 1950 neben Erich Kästner einer der Mitgründer des Kabaretts "Die Kleine Freiheit", sondern gehörte sechs Jahre später auch zu den Gründern der Lach- und Schießgesellschaft - er inspirierte sogar deren Namen. Hassencamp begann in diesen Jahren auch, Drehbücher für das Fernsehen zu schreiben; seine Lust an Wortspielen zeigte sich in Titeln wie "Der Widerspenstigen Lähmung". Und er spielte in zahlreichen Filmen mit, wie zum Beispiel der Verfilmung von Ludwig Thomas "Lausbubengeschichten" 1964.

Und er schrieb und schrieb - beileibe nicht nur eine Schreckenstein-Episode nach der anderen, sondern auch Bestseller wie den Roman "Bekenntnisse eines möblierten Herrn" von 1959. Die Stadt München ehrte den vielseitigen Autor und Kabarettisten mit dem Tukan- und dem Ernst-Hoferichter-Preis. So heiter sich die Aufzählung seiner Erfolge auch ausnimmt, so tragisch endete das Leben Hassencamps; er starb 1988 im Alter von 66 Jahren bei einem Unfall.

© SZ vom 10.05.2021
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