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Literatur:Live-Cam-Lesung in den Kammerspielen

"Ich habe zu diesem Zeitpunkt vierzig Tage hinter mir" - als Behrouz Boochani zu Beginn seiner Flucht diese Zeilen per Textnachricht versendet, ahnt er wohl kaum, dass sein Martyrium noch ewig dauern wird. Dass er eines Tages von Elend, Kindesmissbrauch und Sadismus berichten wird, von Flüchtenden, die ihr einziges Mittel zum Widerstand im Suizid sehen. Mehr als sechs Jahre war der junge kurdischstämmige Dichter im Internierungslager auf der Insel Manus inhaftiert, wo Australien Asylsuchende unter grausamen Bedingungen festhielt. Tag für Tag schrieb er ein Buch - auf seinem Smartphone mittels Textnachrichten. Im März kam es auf Deutsch unter dem Titel "Kein Freund außer den Bergen - Nachrichten aus dem Niemandsland" heraus. Es ist das Zeugnis einer Welt, die niemand sehen sollte. Mit einer Live-Cam-Lesung bringen die Münchner Kammerspiele "Kein Freund außer den Bergen" am Donnerstag auf die (virtuelle) Bühne und in unsere Köpfe.

Live-Cam-Lesung: "Kein Freund außer den Bergen", Donnerstag, 26. März, 18 Uhr, Stream unter muenchner-kammerspiele.de/kammer-4

© SZ vom 25.03.2020 / isas

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