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Unverzichtbare Darstellung

Leserbrief zu "Bergwerk auf der Kippe" vom 2. Juli:

Mit Erstaunen lasen wir, dass der Fortbestand des historischen Bergwerks im Deutschen Museum in München in seiner bisherigen Form in Frage steht. Als Gründe werden in diesem Beitrag genannt: "überalterte Technik", "Gesteinsdarstellungen nur aus Pappmaché", "Holzverbauungen der Bergbau-Stollen bestehen aus normalem Fichtenholz der 1930er Jahre ohne archäologischen Wert". Nun steht nach komplettem Rückbau der Abteilung Erdöl/Erdgas und der jahrelangen Sperrung des Bereichs "Westdeutscher Steinkohlebergbau" auch das Weiterbestehen des historischen Bergbaus auf der Kippe.

Weil wir uns mit allen drei Bereichen näher befasst haben, möchten wir uns zu den Um- oder Rückbauplänen äußern. Unseres Erachtens kann wegen der globalen Entwicklung der Rohstoffsituation auf museale Darstellungen dieser Art immer weniger verzichtet werden. Sie gehören dann, wenn sie technisch restauriert, inhaltlich aktualisiert und mit der Jetzt-Zeit in Beziehung gesetzt sind, zum Interessantesten, Wertvollsten und Lehrreichsten, was das Deutsche Museum zu bieten hat. In diesen Abteilungen wird dargelegt, woher Metalle und Baustoffe stammen, aus denen viele der in den anderen Museumsabteilungen ausgestellten Objekte bestehen und wo die Energierohstoffe gewonnen werden, die notwendig waren zum Betrieb der ausgestellten Maschinen.

Schon in den heutigen Dioramen wird der Besucher gründlich geerdet, indem er erfährt, woher die Rohstoffe stammen, aus denen viele der Objekte aufgebaut sind, mit denen er alltäglich hantiert. Wir kennen keinen anderen Ort in München, an dem geologische Formen im Maßstab 1:1 besser nachgebildet worden wären und im wörtlichen Sinn begreifbar gemacht worden sind. Hier bekommt der Bürger einen plastischen, dreidimensionalen Einblick in Aufbau und Zusammensetzung des Untergrundes: Schichtung und Klüftung in Sand- und Kalkstein, geschiefertes Tongestein, Fließfalten und Störungen im Salzgebirge, Pechkohleflöze in den Sandsteinen der Faltenmolasse. Auch wenn diese Gebilde nur aus Pappmaché bestehen: Besser kann man sie kaum imitieren. Bestens gelungen sind die Nachbildungen der engen und dunklen Bergwerks-Stollen samt ihren Förderstellen, Füllorten, Transportstrecken und Grubenwasserhalteeinrichtungen. Wir sind der Meinung, dass hier das Denkmalschutzrecht greift.

Auch wenn dem Bürger der westlichen Industriestaaten die Welt der Lagerstätten und Montanindustrie normalerweise verborgen bleibt, so ist er wegen seines immer wiederkehrenden Bedarfs doch von ihr direkt und essenziell abhängig. Im Museum wird er in komprimierter Folge mit großer Hingabe zum Detail über die technischen Entwicklungen informiert. Dieser bergbau-geschichtliche Überblick befähigt den Verbraucher, seine existenzielle Abhängigkeit von den Versorgungsketten und die Wirkungen seines materiellen und energetischen Fußabdrucks besser einzuordnen.

Restauration, Erhalt, Aktualisierung und Ergänzung der Ausstellung ehrt die Künstler und Wissenschaftler, die diese in den 1930er Jahren geschaffen haben sowie die geistigen Pioniere und zahllosen Kumpel, die den Bergbau vorangebracht haben.

Helga Pfoertner, Hubert Engelbrecht, München

Teil der Zeitgeschichte

Leserbrief zu "Bergwerk auf der Kippe" vom 2. Juli:

Beim Lesen des Einspalters "Bergwerk auf der Kippe" bin ich sehr, sehr traurig geworden. Ich war als Sechsjähriger mit meinem Vater 1941 in München und er zeigte mir unter anderem stolz das Deutsche Museum und natürlich die Attraktion: das Bergwerk. Ich war begeistert und konnte fast mitleiden mit den Arbeitsbedingungen der Bergleute. Damals mitten im Krieg war Kohle das Material zum Heizen.

Mein Vater, von Beruf Diplomlandwirt, erklärte mir, was man aus Kohle alles noch machen kann. Es gebe Benzin und viele andere Stoffe aus Kohle. Kohle kannte ich damals nur als Briketts, die wir, mein Bruder und ich, aufschichten mussten, wenn sie der Kohlenmann per Pferdefuhrwerk geliefert und durch den Fensterschacht in den Keller geschüttet hatte. Wir bekamen zehn Pfennig für die Stunde Aufschichten. Man musste exakt sein, sonst fiel der Stapel einfach wieder um. Gedacht haben wir aber nur, dass das nächste Eis gesichert war. Eine Kugel Eis kostete damals, wenn ich mich recht erinnere, zehn Pfennige.

Jetzt war ich mit meinen Enkeln einige Male wieder im Bergwerk. Auch sie staunten, wie Kohle damals abgebaut wurde und wie erfinderisch man war, um Probleme zu bewältigen. Als Kinder aus dem Fernsehzeitalter, kannten sie nur riesige Maschinen und elektrische Förderbänder statt einer üblichen Lore zum Abtransport der Kohle und des Abraums. Das Bergwerk im Deutschen Museum ist wichtiger Teil der Zeitgeschichte und darf nicht abgerissen werden! Joachim Hospe, München

© SZ vom 27.07.2020
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