Meine Woche:Die innere Uhr der Wiederkäuer

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Meine Woche: Valérie Hendriock achtet darauf, dass ihre Tiere auf dem Hof zur rechten Zeit ihr Futter bekommen - auch wenn sie im Stall stehen.

Valérie Hendriock achtet darauf, dass ihre Tiere auf dem Hof zur rechten Zeit ihr Futter bekommen - auch wenn sie im Stall stehen.

(Foto: Claus Schunk)

Landwirtin Valérie Hendriock achtet darauf, dass die Zeitumstellung auf ihrem Hof nichts durcheinanderbringt.

Von Anna-Maria Salmen, Straßlach-Dingharting

Wenn kommendes Wochenende in der Nacht von Samstag auf Sonntag die Uhren um eine Stunde zurückgedreht werden, geht das an vielen nicht spurlos vorbei: Rund ein Drittel der Deutschen hatte einer Studie der DAK zufolge aufgrund der Zeitumstellung schon einmal gesundheitliche Probleme. Für Tiere macht sich der Wechsel hingegen vor allem bei der Fütterung bemerkbar. Eine Stunde Verzögerung kann durchaus für Hunger sorgen, das wissen Haustierbesitzer.

Auch Rinder sind oft an feste Fütterungszeiten gewöhnt. "Die regelmäßige Futteraufnahme ist für einen Wiederkäuer sehr wichtig, damit die Mägen immer was zu tun haben", sagt die Straßlacher Landwirtin Valérie Hendriock. "Eine hungrige Herde würde auf jeden Fall unruhig und unzufrieden werden, was es unbedingt zu vermeiden gilt." Schon seit 20 Jahren betreibt Hendriock gemeinsam mit ihrem Mann das Gut Ingold im Straßlacher Ortsteil Beigarten. Neben der 55-köpfigen Mutterkuhherde leben sechs Schweine, 25 Legehennen und Hund Lisa auf dem Hof, in den Sommermonaten auch Wachteln und Enten.

Rinder schätzen geregelte Abläufe

Für ihre Tiere auf Gut Ingold kann Hendriock bezüglich der Zeitumstellung Entwarnung geben: Hungern muss niemand. Manche Landwirte versuchen zwar, jeden Tag nur ein paar Minuten versetzt zu füttern, bis der ursprüngliche Rhythmus wieder erreicht ist. So sollen die Tiere langsam an die Umstellung gewöhnt werden. "Von den Kollegen, die einen Milchviehbetrieb führen, kenne ich das auch", sagt Hendriock. Sie selbst ist auf diese Methode allerdings nicht angewiesen.

Denn die Kälber dürfen ohnehin selbstständig bei ihren Müttern trinken. Außerdem genießen die Rinder auf Gut Ingold von Mai bis Ende Oktober einen ganztägigen Weidegang - "in dieser Zeit gibt es keine täglich wiederkehrenden Stallarbeiten". Erst nach der Zeitumstellung kommen die Rinder in den Stall, dann füttert Hendriock sie je morgens und abends ungefähr zur gleichen Zeit. Ein fester Stalldienstablauf im Winter tue den Tieren in jedem Fall gut, beobachtet Hendriock: "Sie schätzen wie wir Menschen einen geregelten Tagesablauf." Die Zeitumstellung im Frühjahr mildert die 47-Jährige dann ab, indem sie ihren Tieren am Abend etwas mehr Futter vorlegt.

Auch für die restlichen Arbeiten auf dem Hof wäre eine gleichbleibende Zeit das ganze Jahr über sinnvoller, sagt Hendriock. Bei der Heuernte im Sommer etwa könnte man bereits eine Stunde früher am Tag beginnen. "Das würde die Arbeitsabläufe definitiv optimieren." Die Landwirtin ist eigenen Worten nach bereits seit vielen Jahren der Meinung, dass die Zeitumstellung abgeschafft werden könnte. "Es bringt nur Unruhe in eine gewohnte Rhythmik."

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