Erneuerbare Energien:Vorurteile gegen Windräder ausgeräumt

Erneuerbare Energien: Die Tour führte zu den geplanten Windradstandorten.

Die Tour führte zu den geplanten Windradstandorten.

(Foto: Ingenieurbüro Sing/oh)

Bei einer Fahrradtour zu den Standorten von drei geplanten Anlagen zeigen Experten, dass sich die Rotoren naturverträglich in den Höhenkirchner Forst einfügen.

Von Angela Boschert, Höhenkirchen-Siegertsbrunn

Wo sollen dereinst die Windräder stehen? Wie hoch werden sie über dem Höhenkirchner Forst aufragen? Diese Fragen beschäftigen viele Menschen rund um das große Waldgebiet im Südosten Münchens. Entsprechend groß war das Interesse an der Informationstour, welche die Gemeinde Höhenkirchen-Siegertsbrunn am Wochenende zu den Standorten der geplanten drei Windräder anbot.

Die Nachbargemeinden Höhenkirchen-Siegertsbrunn, Oberpframmern und Egmating verfolgen in interkommunaler Zusammenarbeit den Bau von drei Windenergieanlagen im Höhenkirchner Forst. Innerhalb der drei Konzentrationsflächen, die festgesetzt wurden und in denen grundsätzlich Windräder gebaut werden dürfen, könnte an drei Standorten rechts und links des Weges Theresien-Geräumt jeweils ein Windrad errichtet werden. Alle drei lägen außerhalb des sogenannten 10-H-Bereichs, halten also den gesetzlichen Mindestabstand zu Wohnhäusern ein. Eine Entscheidung, ob die Windräder gebaut werden, ist bisher nicht gefallen.

Hinter Bürgermeisterin Mindy Konwitschny (SPD) radelten etwa 50 Teilnehmer vom Treffpunkt an der Leonhardikirche in Siegertsbrunn gen Harthausen bis zum Prinz-Karl-Geräumt, wo Karl Martin Einwanger vom Forstrevier Brunnthal über den Zustand des Waldes und die Auswirkungen des Klimawandels informierte. Das Orkantief Niklas hatte an dieser Stelle im März 2015 etwa 500 Hektar Wald vernichtet, danach setzte der Borkenkäfer den Bäumen zu. Pro Jahr gingen etwa 150 bis 200 Hektar Waldfläche verloren. Ein Windrad benötige dagegen gerade einmal 0,6 Hektar Fläche, zudem werde zum Ausgleich ein Drittel mehr wieder angepflanzt.

Beim Stopp an der Kreuzung mit dem Grasbrunner Geräumt zeigte Einwanger, dass aus dem Wald heraus die Windräder nicht zu bemerken sein werden. Tatsächlich ist der Himmel nur in einem steilen Winkel frei zu sehen, sonst bleibt der Blick an den Wipfeln der Bäume hängen. Auch die Sorgen einiger Teilnehmer um die Tiere des Waldes zerstreute der Förster. Geräusche von Windrädern mit ihren maximal 13 Umdrehungen pro Minute machten ihnen nichts aus. Stromleitungen seien für Vögel viel gefährlicher als Windräder. Inzwischen gebe es Anlagen mit Sensoren an den Rotoren, die das Windrad abstellten, sobald Vögel im Anflug seien oder sich im Winter Eis zu bilden drohe. Auch die Warnlichter könnten mittels Sensoren so gesteuert werden, dass sie nur blinken, wenn sich ein Flugzeug nähert.

Erneuerbare Energien: Rund 50 Interessierte schlossen sich der Informationstour mit Bürgermeisterin Mindy Konwitschny an.

Rund 50 Interessierte schlossen sich der Informationstour mit Bürgermeisterin Mindy Konwitschny an.

(Foto: Claus Schunk)

Zum Erstaunen aller berichtete Einwanger, dass das Baumaterial zu allen Anlagen auf den vorhandenen Kieswegen transportiert werden könne. "Ein voll beladenes Holzfuhrwerk mit Anhänger wiegt gerne mal 40 Tonnen und dafür sind die Wege ausgelegt", sagte der Revierförster. Für die Anlieferung der Einzelteile einer Windenenergieanlage müssten allenfalls "einige Äste" abgeschnitten werden, ergänzte Hans Gröbmayr von der Energieagentur Ebersberg-München.

Gröbmayr erklärte gemeinsam mit seinem Mitarbeiter Manuel Knecht die technischen Fragen der Windkraftskeptiker. So war zu erfahren, dass eine Windenergieanlage auf 20 Jahre Laufzeit kalkuliert ist, aber auch 30 Jahre laufen könne. Für ihren kompletten Rückbau, einschließlich des 3,5 Meter tief in den Boden ragenden Fundaments, müsse schon für die Genehmigung ein Finanzierungsplan vorgelegt werden. Die erforderliche Summe ist über die Laufzeit des Windrades anzusparen. Auch seien die geplanten Anlagen im Höhenkirchner Forst sehr wirtschaftlich zu betreiben, das hätten Berechnungen ergeben. Nur Photovoltaikanlagen seien billiger. Kohlestrom koste dagegen das Drei- bis Vierfache. Zur Finanzierung ergänzte Bürgermeisterin Konwitschny, die auch aktuelle Vorsitzende der Windkraft-Arbeitsgemeinschaft ist, es solle ein Bürgerbeteiligungsmodell geben, etwa wie in Bruck am Starnberger See.

© SZ vom 13.07.2021/hilb
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