Vorreiter Landratsamt:Das ganz normale Unikum

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Oliver Kahl, stellvertretender Gleichstellungsbeauftragter im Landratsamt München

Oliver Kahl ist es zu verdanken, dass Veranstaltungen zur Gleichberechtigung im Landratsamt beiden Geschlechtern offen stehen. Seit 2014 ist er dort stellvertretender Beauftragter.

(Foto: oh)

Oliver Kahl ist einer der wenigen männlichen Gleichstellungsbeauftragten.

Von Daniela Bode

Er sieht aus wie so viele Männer, mit seiner dezenten Brille, dem Dreitagebart und seinem sympathischen lächeln. Aber auf eine gewisse Art und Weise ist Oliver Kahl ein Unikum. Er ist einer der ganz wenigen männlichen Gleichstellungsbeauftragten im Bereich des Landkreises München; und zwar als Stellvertreter dieser Funktion im Landratsamt.

Eine "gewisse soziale Ader" habe ihn 2014 dazu bewogen, sich auf eine interne Stellenausschreibung für das Amt des stellvertretenden Gleichstellungsbeauftragten zu bewerben, sagt Kahl. Er bekam den Job und leitete sogleich kommissarisch das Amt, bis er vor gut einem Jahr wieder fest auf den Posten des Stellvertreters wechselte. Zudem ist er auch in der neu geschaffenen Stabsstelle Asyl tätig.

Bis zu seiner Berufung als Gleichstellungsbeauftragter hätten er und auch Kollegen im Amt "immer ein bisschen gegrinst", wenn es um das Thema Gleichbehandlung ging. "Wir Männer haben uns nicht richtig wiedergefunden", sagt er. Veranstaltungen hätten sich oft nur an Frauen gerichtet. Er wollte auch Themen ansprechen, die Männer berühren. Als Beispiel nennt er die Elternzeit. "Die meisten Männer bleiben ein oder zwei Monate zu Hause, es gibt nur einen Kollegen, der sich getraut hat, zwei Jahre zu Hause zu bleiben", sagt Kahl. "Er fand die Zeit sehr wertvoll, die er mit seinem Kind hatte."

"Ich finde es wichtig, dass Gleichstellungsthemen aus beiden Blickwinkeln betrachtet werden, also aus Sicht der Männer und der Frauen", sagt er. So hat er etwa eingeführt, dass die Veranstaltungen nun für beide Geschlechter geöffnet sind. Er freut sich, dass die jetzige Gleichstellungsbeauftragte Teresa Howorka das übernommen hat. Derweil geht es Kahl längst nicht nur darum, die Männer mehr in den Fokus zu rücken. So hat er genauso einen Workshop für Auszubildende zum Thema sexuelle Belästigung initiiert, den Howorka ebenfalls weiterführt.

Dass immer mehr Männer Gleichstellungsbeauftragte werden, beobachtet Kahl nicht. Er ist einer unter wenigen, in Neubiberg hatte Bibliotheksmitarbeiter Marco Becker dieses Amt bis zum Jahreswechsel ebenfalls inne. Gut fände Kahl es aber schon, wenn sich die Zahl der Männer in dem Bereich erhöhen würde. Zumal er bei gemischten Veranstaltungen im Landratsamt am Mariahilfplatz und bei Treffen für Gleichstellungsbeauftragte als einziger Mann unter Frauen von allen positive Rückmeldungen bekommen habe.

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