Unzureichende Kinderbetreuung Das große Nachmittagsloch

Was tun wenn das Kind aus der Schule kommt, die Eltern aber noch arbeiten müssen? Immer mehr Schulkinder nutzen Hortplätze und Mittagsbetreuung - die städtischen Angebote reichen dennoch nicht aus.

Von Tina Baier

Mit Beginn des neuen Schuljahrs am kommenden Dienstag müssen sich viele berufstätige Eltern in München wieder mit einem altbekannten Problem herumschlagen: Wohin mit den Kindern, wenn die Schule mittags aus ist, die Arbeit aber noch lange nicht? Speziell für Grundschulkinder gibt es in der Stadt zwar von der Mittagsbetreuung über Horte zu Tagesheimen die verschiedensten Möglichkeiten. Doch sie haben alle eines gemeinsam: Es sind viel zu wenige.

Die Ranzen fürs neue Schuljahr sind gepackt, die Bleistifte gespitzt, doch was passiert, wenn der Unterricht mittags vorbei ist?

(Foto: dpa)

Bürgermeisterin Christine Strobl und Stadtschulrat Rainer Schweppe haben am Donnerstag über die aktuelle Situation in München informiert. Demnach wird es für Grundschüler im kommenden Schuljahr 10 866 Plätze in Horten und 3913 Plätze in städtischen Tagesheimen geben. Neu dazugekommen sind 25 Hortplätze in der Evereststraße, 25 Plätze am Schubinweg, 150 in der Rotbuchenstraße, 50 in der Dientzenhoferstraße und 100 in der Berg-am-Laim-Straße. An der Schäferwiese in Obermenzing gibt es nun 100 Tagesheimplätze.

Trotzdem können derzeit nur 63 Prozent der Münchner Schulkinder zwischen sechs und zehn Jahren am Nachmittag betreut werden. "Wir werden weiter ausbauen, bis wir einen Versorgungsgrad von 80 Prozent erreicht haben", sagt Christine Strobl.

Die Situation ist in den einzelnen Stadtvierteln sehr unterschiedlich. Am schlechtesten ist die Lage in Pasing-Obermenzing (45 Prozent Versorgungsgrad), dicht gefolgt vom benachbarten Bezirk Aubing-Lochhausen-Langwied (50 Prozent) und Allach-Untermenzing (51 Prozent). Im Vergleich dazu geradezu rosig ist die Lage in Schwabing-West (97 Prozent) und im Bezirk Altstadt-Lehel (85 Prozent).

In diese Zahlen mit eingerechnet ist allerdings die so genannte Mittagsbetreuung. Die ursprüngliche Notlösung, bei der die Kinder nach der Schule von Müttern betreut werden, macht im kommenden Schuljahr 8600 Plätze aus. Das sind mehr als doppelt so viele wie es in den städtischen Tagesheime gibt. Für voll berufstätige Eltern scheidet diese Form der Betreuung, die finanziell von der Stadt gefördert wird, von vorneherein aus. Die Betreuung geht maximal bis halb vier, oft aber auch nur bis zwei oder drei.

"Die Zukunft liegt in der Ganztagsschule"

Dazu kommt, dass man vielen Mittagsbetreuungen die Notlösung nach wie vor anmerkt: Oft gibt es für die Kinder dort nicht einmal ein warmes Essen, sondern nur eine Brotzeit, die Eltern von zu Hause mitbringen. Die Kinder werden zwar bei den Hausaufgaben und beim Spielen beaufsichtigt, aber Angebote etwa in Musik oder Sport wie in städtischen Tagesheimen oder einer Ganztagsschule, gibt es nicht.

"Die Zukunft liegt in der Ganztagsschule", sagt Stadtschulrat Rainer Schweppe. Doch die existiert in München praktisch nicht: Lediglich ein Prozent der Grundschüler besuchen eine Ganztagsklasse.

Eine Umfrage des Schulreferats hat ergeben, dass auch kaum eine Grundschule beabsichtigt, Ganztagsklassen einzurichten und den Antrag beim Freistaat zu stellen. "Ich werde in den kommenden Wochen Münchner Grundschulen besuchen, um herauszufinden, woran das liegt", sagt Schweppe. Möglicherweise bräuchten die Schulen Hilfe der zuständigen Referate, etwa bei der Raumplanung.