Unterhaching Was uns Hunde mit gelben Halstüchern sagen wollen

Komm mir nicht zu nahe: Hündin Filo ist traumatisiert. Ihr gelbes Halstuch soll Artgenossen und Menschen auf Abstand halten.

(Foto: Claus Schunk)

Grob übersetzt: Ich tu nix, ich will nur nicht spielen. Die Halstücher sind ein Trend aus Schweden, der sich langsam auch hier durchsetzt.

Von Marie Ludwig, Unterhaching

Filo sieht gelb! Jedenfalls, wenn es um andere Hunde geht. Denn die kleine Mischlingshündin wurde in einer Mülltonne in Griechenland von Tierschützern gefunden und reagiert noch heute in vielen Situationen ängstlich und hysterisch. "Andere können das Abwehrverhalten von Filo nicht verstehen", sagt Besitzerin Daniela Pastusiak. Mit ihrer Hündin gerät sie oft in problematische Situationen. Insbesondere mit anderen Hunden und ihren Besitzern. Um das zu ändern, trägt Filo ein gelbes Tuch um den Hals. Denn Filo ist ein gelber Hund - sie braucht Abstand.

"Gulahund" - zu deutsch gelber Hund - ist eine Kampagne, die aus Schweden stammt und für Hunde entwickelt wurde, die Freiraum brauchen. Ein gelbes Schleifchen an der Leine oder ein gelbes Tuch um den Hals soll anderen Hundebesitzern mitteilen: Achtung, dieser Hund braucht Abstand zu anderen Hunden und Menschen! Doch nicht nur ängstliche Hunde wie Filo können zu den gelben Hunden gehören. "Es gibt verschiedene Gründe", erklärt Ramona Noack.

Auch im Training kann das Zeichen eingesetzt werden

Sie ist im Sommer 2012 über Facebook auf die schwedische Bewegung aufmerksam geworden und hat darauf begonnen, auch in Deutschland den gelben Hund zu etablieren. "Beispielsweise wenn eine Hündin läufig ist oder das Tier zu alt zum Spielen und vielleicht sogar krank und ansteckend ist, kann das gelbe Signal helfen", sagt Noack. Ebenso können die gelben Markierungen auch in der Ausbildung zum Therapiehund oder einfach im täglichen Training genutzt werden. "Dann signalisiert es: Der Hund darf jetzt nicht abgelenkt werden."

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Kerstin Lehmann ist Hundetrainerin und Kooperationspartnerin von Gulahund. "Ich halte das Konzept für absolut unterstützenswert, weil schon auf Distanz gesehen werden kann, dass der Hund Abstand braucht", sagt Lehmann. Mit ihrer Hundeschule Train for Union ist sie die einzige in der Region München, die die Idee des gelben Hundes aktiv umsetzt. Sie war es auch, die Daniela Pastusiak das gelbe Halstuch für Filo nahegelegt hat. "Doch das kennt in München noch keiner", beklagt Pastusiak.

Bei Spaziergängen zu erklären, was das gelbe Tuch bedeute, sei nicht immer möglich. Denn oft werde es gar nicht als Signal erkannt. "Die anderen denken eh nur: Mensch, kann die ihre Kläfftöle nicht mal bändigen?", sagt Pastusiak resigniert. Genau deshalb möchte Lehmann das Zeichen etablieren: "Wenn mehr Leute davon wüssten, könnten viele brenzlige Situationen vermieden werden."

Wenn Filo andere Hunde sieht, flippt sie aus

Auch Filo wünscht sich diesen Abstand. Viele Hundebesitzer könnten das jedoch nicht verstehen: "Der tut nichts - der will nur spielen", beten Pastusiak und Lehmann im Chor herunter. "Das ist ja schön - aber meine Hündin will es eben nicht!", sagt die Pastusiak und lacht freudlos. Die meisten Halter würden ihre Hunde immer frei laufen lassen. Und das obwohl sie ihnen nicht aufs Wort gehorchen. "Ich bin dann immer schweißgebadet", sagt sie. Denn wenn Filo andere Hunde sieht, flippt sie aus. "Sie beißt nicht, aber blufft vor anderen Hunden, dass sie die Stärkere ist", weiß Hundetrainerin Lehmann.

Die 29-Jährige kennt sich mit den Techniken zur Hundeerziehung aus. Rund 50 Hunde trainiert sie in ihrer Schule in Gauting. Vor allem im Training mit ängstlichen Hunden sei es wichtig, dass der Hund lernt, sich auf seinen Besitzer zu verlassen. Und das gehe nicht von heute auf morgen.

Das Halstuch ist keine Entschuldigung für schlechte Erziehung

Die gelben Symbole seien deshalb eine gute Überbrückung beim Training. "Auch bei kranken oder alten Hunden sind die gelben Schleifen oder Tücher optimal", findet sie. Ebenso wichtig ist ihr jedoch auch, dass die gelbe Markierung nicht zur Entschuldigung wird, dass ein Hund schlecht erzogen ist. "Das Training ist unerlässlich - insbesondere bei ängstlichen gelben Hunden", sagt sie. Vor allem ist ihr wichtig, dass die gelbe Markierung nicht zur Kennzeichnung aggressiver Hunde verwendet wird.

Inzwischen sind die gelben Hunde in über zehn Nationen vertreten. Ramona Noack hat seit vergangenem Jahr über tausend gelbe Schleifen und Halstücher von ihrem Heimatort aus Brandenburg quer durch Deutschland verschickt. Ihr Ziel ist es, dass in Kombination mit gezieltem Training, Hund und Besitzer durch die gelben Markierungen entlastet werden. Denn ob läufig, krank oder ängstlich - das gelbe Signal soll Freiraum geben. Daniela Pastusiaks Filo soll das Tuch tragen, bis sie gelernt hat, andere Hunde nicht mehr als Bedrohung zusehen. Bis dahin ist sie ein gelber Hund.

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