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Musikschule Unterföhring:Es läuft wieder

Jetzt freut sich Musikschulleiter Johannes Mecke nicht nur über das neue Tonstudio, sondern alle wieder bespielbaren Kursräume.

(Foto: Robert Haas)

Ein Jahr nach dem Wasserschaden zur Eröffnung des Bildungszentrums in Unterföhring hat die Musikschule ihren Betrieb am neuen Standort aufgenommen. Am Ende war alles weniger schlimm als befürchtet

Von Sabine Wejsada, Unterföhring

Jetzt freut sich Musikschulleiter Johannes Mecke nicht nur über das neue Tonstudio, sondern alle wieder bespielbaren Kursräume.

(Foto: Robert Haas)

Es war ein beispielloses Malheur, als sich das Wasser kurz vor der Eröffnung des Neubaus für die Volkshoch- und Musikschule in Unterföhring seinen Weg durch die Räume suchte. Und vor allem Haus 3 und 4, wo der Instrumentalunterricht hätte stattfinden sollen, vollkommen verwüstete. Der kapitale Wasserschaden vom August 2019, verursacht von einem geplatzten Ventil, ist mittlerweile behoben. Sehr zur Freude von Musikschulleiter Johannes Mecke und seinem Team.

Mecke, der auch Dritter Bürgermeister und Grünen-Gemeinderat ist, sitzt in seinem modernen Büro am Schreibtisch und kann seine Erleichterung über den Abschluss der Sanierungsarbeiten kaum in Worte fassen. Nach fast einem Jahr im provisorischen Exil, das die Musikschule im Hortgebäude an der Schulstraße gefunden hatte, und der Nutzung von einigen der vom Wasser unberührten Räumen der Volkshochschule ist nun endlich alles an seinem Platz. "Was für ein Glück, dass nicht alles kaputt war", sagt Mecke beim Rundgang durch den sanierten Neubau unter Einhaltung von Maskenpflicht und Abstandsregeln. Man habe alle Instrumente sichern können, die Computer und alle Gerätschaften aus dem Tonstudio. Jetzt sei die Musikschule endlich da angekommen, wo sie sich so lange hingesehnt hat.

Bis auf den Rohbauzustand mussten große Teile des neuen Bildungszentrums zurückgebaut werden, um die Feuchtigkeitsschäden zu beheben.

(Foto: privat)

Mecke platzt fast vor Stolz, wenn er die Türen zu den hellen, freundlichen Räumen seiner Musikschule öffnet. In den mit großen Fenstern ausgestatteten Zimmern und Sälen erinnert nichts mehr an den Wasserschaden. Nur hier und da fehlt noch eine Türzarge; der kostbare Terrazzoboden, in den die Gutachter Löcher hatten bohren müssen, um das Ausmaß der Zerstörung durch die 30 000 Liter Wasser erfassen zu können, ist wieder eben und braucht an manchen Stellen nur eine kleine Politur. Die Elektrik ist rundum erneuert, große Lüfter haben die feuchte Luft längst nach draußen gepustet und alles getrocknet. Die Decken, sagt Mecke, hätten anders als anfangs gedacht nicht erneuert werden müssen. "Das war unsere größte Angst, dann hätte alles noch länger gedauert." Nur drei Räume der Musikschule und das Büro seien vom Wassereinbruch nicht betroffen gewesen, überall sonst hätten die Handwerker das Haus bis zum Rohbaustand zurückbauen müssen.

In der Nacht von 4. auf 5. August des vergangenen Jahres hatte das Unglück seinen Lauf genommen. Im ersten Stock des Hauses 3 war der Ventilkopf eines Rohres geplatzt und schon strömten Tausende von Litern Wasser aus. Der Hausmeister hatte den Schaden erst bei seinem Rundgang am Morgen bemerkt, da war schon das Meiste kaputt. Das Wasser lief vom ersten Stock bis in die Tiefgarage. Die Wände hatten sich vollgesogen und auch das Haus 4 wurde deswegen arg in Mitleidenschaft gezogen. In allen Etagen waren Wände, Parkett und Estrich von der Flut betroffen. In fast allen Räumen musste der Boden raus.

Der kapitale Wasserschaden vom August 2019, verursacht von einem geplatzten Ventil, ist mittlerweile behoben.

(Foto: privat)

Die Kommune war gegen den Schaden an dem mehr als 31 Millionen Euro teuren Bauwerk versichert und der Schuldige schnell gefunden: Nach Angaben von Bürgermeister Andreas Kemmelmeyer (Parteifreie Wählerschaft, PWU) ist eine Charge von Ventilköpfen offenbar fehlerhaft gewesen. Ursprünglich hatte das Unterföhringer Rathaus angenommen, dass der entstandene Schaden in die Millionen gehen würde; heute weiß man, dass ein Betrag wohl zwischen 800 000 und einer Million Euro ausreichend sein dürfte, auch wenn die Schlussrechnung noch nicht vorliege, sagt Bauamtsleiter Lothar Kapfenberger.

Seit Mitte Juni residiert die Musikschule nun an ihrem Sehnsuchtsort. Der Unterricht läuft, natürlich unter den geltenden Corona-Auflagen. Die Folgen des Lockdowns aber sind nach wie vor zu spüren, wie Leiter Johannes Mecke berichtet. Lehrer und Schüler sowie Eltern hätten in den Monaten ohne Präsenzunterricht ihr Bestes gegeben. Der Online-Unterricht sei die Rettung gewesen, jetzt aber freuten sich alle, dass es wieder analoge Angebote gibt. Einziges Sorgenkind ist Meckes Worten zufolge die musikalische Früherziehung, die wegen der Pandemie weder in den örtlichen Kitas noch im Haus selbst stattfinden kann. Einnahmen in Höhe von 6000 Euro im Monat fallen dadurch aus.

Inklusive der ganz Kleinen zählt die Musikschule in Unterföhring 556 Schüler, die von 24 Lehrern angeleitet werden. Für das am 8. September beginnende Musikschuljahr planen Mecke und sein Team "ganz normal", wie er sagt. Der Musikschulleiter hofft freilich wie alle anderen, "dass keine zweite Welle kommt" und die Stunden im Elementarbereich im Herbst wieder angeboten werden können. Anmeldungen für den Instrumentalunterricht sind derzeit noch möglich, vor allem im Bläser- und Streicherbereich gibt es freie Plätze. Bis Ende August können Eltern ihre Kinder für die musikalische Früherziehung einschreiben, die voraussichtlich im Oktober in den einzelnen Kitas am Ort starten soll.

Unterföhring

Sanierungsarbeiten am Neubau der VHS-/Musikschule.

(Foto: Florian Peljak)

Das 31,4 Millionen Euro teure Bildungszentrum gegenüber dem Unterföhringer Bahnhof für VHS und Musikschule wurde von den Münchner Architekten und Stadtplanern Martin Hirner und Martin Riehl entworfen. Es bietet eine Vielzahl an Möglichkeiten: einen großen Vortragssaal, großzügige Kurs-, Turn- und Gymnastikräume, eine Lehrküche und ein Audio- und Videostudio. Herzstück des autofreien Außenbereichs ist eine Brunnenanlage des Münchner Künstlers Kai Winkler. Sie trägt ausgerechnet den Namen "Wasser für Alle". Mit allem, was fließt, aber tun sich die Unterföhringer offenbar schwer: Derzeit sprudelt das kühle Nass nur aus zwei der insgesamt drei Gefäße. Wahrscheinlich tut wieder ein Ventil nicht das, was es soll.

© SZ vom 20.07.2020/lb

Kultur- und Bildungszentrum
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