Unterföhring:Weg frei für Neuanfang der Musikschule

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Dritter Bürgermeister Johannes Mecke kündigt Verzicht auf Vorsitz an der finanziell angeschlagenen Einrichtung an. Diese strebt eine Aufnahme in den Verband der Bayerischer Sing- und Musikschulen an.

Von Sabine Wejsada, Unterföhring

Kurz bevor der Unterföhringer Gemeinderat am Donnerstagabend über die Zukunft der in finanzielle Schieflage geratenen Musikschule entscheiden wird, hat sich der Vorstand des Trägervereins am Dienstag bei einer Pressekonferenz zum ersten Mal nach sechs Monaten öffentlich zu Wort gemeldet. Erster Vorsitzender Johannes Mecke erklärte dabei, dass er bei der nächsten anstehenden Mitgliederversammlung nicht mehr als Vorstand zur Verfügung stehe. Seine Stellvertreterin Miriam Merz-Hildenbrand will nach eigenen Worten die Mitgliederversammlung abwarten. Zugleich kündigten beide an, dass die Musikschule dem Verband Bayerischer Sing- und Musikschulen beitreten werde.

Dies hatte der Gemeinderat schon nach dem Bekanntwerden des enormen Fehlbetrages im Sommer verlangt. Seitdem beherrschen Dissonanzen um die Musikschule die Diskussion am Ort. So forderten Kommunalpolitiker verschiedener Parteien eine lückenlose Aufklärung und eine schärfere Kontrolle; einig war man sich in einem: Die Musikschule soll erhalten bleiben und eine Insolvenz abgewendet werden.

Doch die geplante Rettung gestaltete sich schwieriger als von Bürgermeister Andreas Kemmelmeyer (Parteifreie Wählerschaft), der Verwaltung und dem Gemeinderat erhofft. Als im November bekannt wurde, dass die Verantwortlichen des Musikschulvereins die erforderlichen Unterlagen noch nicht beigebracht haben und das erwünschte Zukunftskonzept zwischen der Unterföhringer Einrichtung und dem Verband der Musikschulen nicht so weit gediehen ist, entzündete sich eine kontroverse Debatte im Gremium über einen weiteren Ausgleich des Defizits der Einrichtung. Im Juni hat der Gemeinderat beschlossen, dass die Kommune bis September jeweils den Fehlbetrag des Vormonats bezahlt.

In der Pressekonferenz am Dienstag sagte Mecke, man hoffe sehr, dass der Gemeinderat das Defizit auch in Zukunft ausgleichen werde. Dabei war den Verantwortlichen der Musikschule daran gelegen, sich mit "Sachargumenten" gegen die "aus unserer Sicht grundlosen Anwürfe" zu stellen, wie Miriam Merz-Hildenbrand es ausdrückte. Neben der Betroffenheit, die man von Lehrkräften, Eltern und Kindern der Musikschule wahrgenommen habe, seien "Zuspruch und etliche Spenden an die Musikschule für uns ein ermutigender Vertrauensbeweis". Bis zum Dienstag sind laut Merz-Hildenbrand 2080 Euro eingegangen.

Dafür und für die bis dato geleistete Unterstützung durch die Gemeinde sei man sehr dankbar, sagte Mecke, der Leiter der Musikschule, Grünen-Gemeinderat und Dritter Bürgermeister ist. Er stellte die große Bedeutung des Instituts heraus. Seit 1989 habe die Musikschule 400 000 Stunden Unterricht für circa 4000 Schülerinnen und Schüler erteilt - mit beachtlichem Erfolg: So stellten die Unterföhringer regelmäßig bei Wettbewerben wie "Jugend musiziert"-Preisträger, zudem hätten unzählige Konzerte vor vollem Haus der Gemeinde "unvergessliche Stunden musikalischer Erbauung" beschert.

Gerade in den Monaten der Pandemie sei die Musikschule wichtiger Meilenstein im Alltag von Familien gewesen, sagte Mecke. Die beiden anwesenden Vertreter der Elternschaft, Alexia Maier und Gunter Winkler, sowie Chorleiter Mike Frey bestätigten das. Doch der "dunkle Schatten von Corona" lege sich seit fast zwei Jahren über die Erfolgsgeschichte. So sei von Mai 2020 der Fachbereich der musikalischen Früherziehung weggebrochen, den die Musikschule als Kooperationspartner der Arbeiterwohlfahrt in den Kindertagesstätten anbot. Was wiederum Einnahmeverluste in Höhe von etwa 25 000 Euro verursacht habe, berichtete Mecke. Bis heute könne in den Kitas nicht unterrichtet werden.

"Ohne Beanstandungen"

Die Musikschule habe sich der Herausforderung gestellt, ihre finanzielle Situation zu beleuchten, versicherte Mecke. Und man sei der Empfehlung des Gemeinderats "mit großer Freude" nachgekommen und habe um einen Beitritt zum Musikschul-Verband ersucht, der nun "in einem geordneten Beitrittsprozess" vonstatten gehe. Nach den Worten von Merz-Hildenbrand bemüht sich die Musikschule bereits seit 2013 darum, nun ist man laut Mecke sehr stolz und erleichtert, dass man sich in diesem strukturierten Beitrittsprozess einer umfassenden Prüfung durch den Verband ausgesetzt habe, und diese "ohne Beanstandungen" bestanden habe. Die Rückzahlungen von Sozialversicherungsbeiträgen seien aus Rücklagen der Musikschule entrichtet worden, ein Teil sollte aus den laufenden Einnahmen getilgt werden, doch dann habe das Corona-Drama begonnen. Im September habe man zudem die Gebühren erhöht, um die Einnahmesituation zu verbessern und das Defizit zu verringern, so Mecke. Bleibt abzuwarten, ob sich all die Anstrengungen für die Musikschule auszahlen werden.

In einer ersten Fassung hieß es, Johannes Mecke und Miriam Merz-Hildenbrand hätten ihren Rücktritt von ihren Vorstandsämtern erklärt und damit den Weg frei gemacht für einen Beitritt der Musikschule Unterföhring zum Verband Bayerischer Sing- und Musikschulen. Diese Darstellung war falsch.

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