TSV Unterhaching Aerobic und andere Leibesübungen

Die ehemalige Sportlehrerin Ursula Staudter gibt seit 50 Jahren Kurse für den TSV Unterhaching.

(Foto: Privat)

Ursula Staudter ist seit 50 Jahren als Übungsleiterin für die Damengymnastik und alle ihre modischen Erscheinungsformen zuständig. Auch heute noch steht sie fast täglich in der Turnhalle.

Von Iris Hilberth, Unterhaching

Wenn Ursula Staudter mal wieder auf dem Teppichboden kniete und ganze Armeen von Mensch-ärgere-dich-nicht-Figuren aufstellte, wusste ihr Mann Günter: Jetzt plant sie wieder eine Aufführung für den TSV Unterhaching. Diese Methode, Formationen sichtbar zu machen, bevor man die Damenriege durch die Halle dirigiert, ist eine Antwort auf die Frage, wie Ursula Staudter es immer wieder geschafft hat, bis zu 70 Gymnastinnen auf das Parkett zu bringen, die sich alle synchron bewegen.

Gymastik mit Bändern 1995.

(Foto: privat)

Ursula Staudter und der TSV Unterhaching gehören zusammen wie Turnvater Jahn und die Reckübung. Seit 50 Jahren ist Staudter Übungsleiterin im Sportverein. Und noch immer steht die 74-Jährige fast täglich in der Turnhalle und gibt in zahlreichen Gymnastikstunden den Takt an und die Übungen vor. Manche Teilnehmerinnen sind ihr lange treu geblieben. "Meine Älteste ist schon 95 Jahre alt, die nächste wird bald 90", sagt Staudter.

Dieses halbe Jahrhundert im Dienste des Sports hat sie geprägt. "Ohne geht es nicht", sagt sie. Funktionelle Gymnastik, Fitness-Gymnastik, Pilates, Tanz-Gymnastik, Wirbelsäulengymnastik und Mutter- Kind-Turnen. Erste Ideen für die Übungsstunden probt sie im Wohnzimmer, ihre Musikauswahl ist inzwischen riesig. Viele Moden sind in all den Jahren vorübergegangen, von der anfänglichen "Gymnastik nach modernen Rhythmen" über den Jazztanz und die Aerobic-Welle der Achtzigerjahre mit Stirnband und Stulpen wie Jane Fonda.

Aufführung zur Einweihung der Hachinga Halle 1973.

(Foto: privat)

Wenn Ursula Staudter heute in den alten Alben blättert mit Fotos und Zeitungsausschnitten von Auftritten beim TSV-Fasching und Aufführungen bei Sportgalas, dann weiß sie sofort wieder, was sie da damals einstudiert haben. "Ach ja, das war ,El Bimbo', 1975", erinnert sie sich, "und hier zu ,Schmidtchen Schleicher', das war ein Spaß!" Sie könnte da sofort wieder einsteigen, schließlich hat sie jede Formation in einem eigenen, selbst entwickelten Zeichensystem niedergeschrieben und archiviert.

Sportlehrerein an der Jahnschule

Ursula Staudter auf einem Bild aus dem Jahr 1972.

(Foto: Privat)

Staudter ist staatlich geprüfte Gymnastik- und Sportlehrerin. Sie machte ihre Ausbildung zu einer Zeit, als in den Zeugnissen noch das Fach "Leibesübungen" notiert wurde. Heute winkt Staudter ab, wenn sie an die Inhalte denkt, die damals vermittelt wurden. "Das meiste, was ich später umgesetzt und unterrichtet habe, habe ich mir selbst angeeignet." 1967 wurde die gebürtige Freisingerin an die Jahnschule nach Unterhaching versetzt. "Damals fing man an, Sport von Fachkräften unterrichten zu lassen", erzählt sie. Staudter war die einzige Sportlehrerin im Ort, und so kam der Vorstand des TSV bald auf die Idee, sie für den Verein zu engagieren, um fortan dort auch "Damengymnastik" anbieten zu können. Unterhaching wuchs Ende der Sechzigerjahre gewaltig, das ursprüngliche Sportangebot der Abteilungen Ballspiele, Turnen und Leichtathletik reichte nicht mehr aus.

Ursula Staudter begann ihre Übungsstunden in der mittlerweile abgerissenen alten Turnhalle am Friedensplatz. "Nach dem Krieg war das die einzig nicht zerstörte Sporthalle in ganz München", sagt ihr Mann, der Heimatpfleger Günter Staudter. Bald aber kamen die Hallen der Jahn- und der Fasanenschule hinzu, mit dem Neubaugebiet Grünau schließlich auch die Hachinga-Halle. Zur Eröffnung der Dreifachturnhalle ließ Ursula Staudter 1973 erstmals alle 70 Frauen ihrer Gymnastikgruppen gemeinsam auftreten. Mit den lindgrünen und rosafarbenen Trikots lagen sie voll im Trend, die Choreografie setzte einen Meilenstein und empfahl sie als Leiterin zahlreicher Lehrgänge beim Bayerischen Landessportverband.

Ursula Staudter im Jahr 2004.

(Foto: privat)

Marcel Nguyen beim Kinderturnen entdeckt

Wirklich berühmt gemacht aber hat sie nicht die Damengymnastik und auch nicht die Showtanzgruppe, die mit dem Ende des TSV-Faschings in den Neunzigerjahren aufgelöst wurde. Der eigentliche Star, den ihre Vereinsarbeit hervorbrachte, stammt aus ihrer Gruppe im Kinderturnen. Da tauchte Ende der Achtzigerjahre ein Junge mit seiner Mutter auf, der in seinem Bewegungsgeschick den anderen Kindern überlegen war. Die erfahrene Übungsleiterin erkannte das Talent des kleinen Marcel sofort. "Man sieht das allein daran, wie ein Kind an die Geräte geht", sagt sie. Sie empfahl ihn für die Leistungsgruppe. 2012 holte Marcel Nguyen zweimal Silber im Turnen bei Olympia. Und worüber sich Ursula Staudter heute noch freut: "Er hat mich sogar im Radio erwähnt."

Weltklasseturner Marcel Nguyen vom TSV Unterhaching.

(Foto: imago/Beautiful Sports)