bedeckt München 25°

Trachtenumzug:Das Dabeisein zählt

Florian Schelle fängt schon früh an, die Pferde auf den Festzug vorzubereiten. Es soll nichts schiefgehen mit Tausenden Menschen am Straßenrand.

(Foto: Claus Schunk)

Florian Schelles Pferde aus Oberhaching ziehen die Wagen bei den Festzügen

Mit Pferden, sagt Landwirt Florian Schelle, sei es wie mit Frauen: Sie kosten viel Geld. Aber wie das eben so sei, wenn man etwas liebe, dürfe man da halt nicht so genau hinschauen. Schelle lacht leise ins Telefon. Er ist 63 Jahre alt, Landwirt aus Oberhaching, betreibt in dem Ort Gästezimmer und eine Pferdezucht. Beim Einzug der Festwirte und beim Trachten- und Schützenumzug ziehen seine Pferde die Wagen - eine Aufgabe, die Schelle jedes Jahr wieder ein bisschen nervös macht. Was passiert, wenn ein Hund vor den Wagen läuft? Wenn ein Zuschauer etwas in die Menge wirft? "Da ist schon ein gewisser Druck da", meint Schelle, "aber die Tiere sind eigentlich gutmütige Riesen."

22 Pferde, braun und schwarz, 700 Kilo bis 1,1 Tonnen schwer, ziehen zum Start des Münchner Oktoberfests nächsten Samstag sechs Wagen auf denen bis zu 25 Menschen stehen - die Wirtsleute, deren Familien, Freunde und Geschäftspartner. Eine zu schwere Last sei das für die Tiere nicht - im Gegenteil: Man müsse eher aufpassen, dass der Wagen auch irgendwie wieder bremst, meint Schelle. Und dafür läuft pro Pferd mindestens ein Helfer nebenher.

Etwa vier Wochen vor dem Oktoberfest beginnt Florian Schelle damit, seine Pferde auf den besonderen Tag vorzubereiten. Dann spannt er die Tiere drei, vier Mal die Woche vor einen leeren Wagen und fährt mit ihnen durch den Wald. In der Zeit fängt er auch damit an, die Wagen für das festliche Ereignis herzurichten. Für sechs ist er insgesamt beim Einzug verantwortlich - zum Teil dekoriert seine Familie sie mit Hopfen und Blumen selbst. "Aber", sagt er, "wir sind halt Bauern und keine Gärtner." Deshalb gebe er diese Aufgabe gerne ab.

Seit dem Jahr 1984 ist Schelle mit seinem Pferden aus Oberhaching beim Oktoberfest dabei. Wegen des Geldes mache er das aber nicht, sagt er. Er bekomme bloß eine Aufwandsentschädigung. Mehr nicht. "Es geht für mich ums Dabeisein", sagt er. Am Tag des Einzugs steht er schon zeitig um 4 Uhr morgens auf, füttert und putzt die Tiere und fährt dann in einem Konvoi von zehn Autos und Anhängern in die Stadt. Der Umzug selbst dauert dann bloß eine Dreiviertelstunde. Und wenn alles gut gegangen ist, gibt es bei ihm zu Hause für alle Helfer passend zum Ereignis Schweinsbraten mit Kraut und Knödel.