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Tourismus:Urlaub im Umland

Altes Schloss Schleißheim

Der Landkreis kann mit einigen Sehenswürdigkeiten wie dem Alten Schloss Schleißheim aufwarten.

(Foto: Florian Peljak)

Im ersten Halbjahr 2017 kamen fast 600 000 Übernachtungsgäste in den Landkreis München - bei Weitem nicht nur Geschäftsreisende.

Von Martin Mühlfenzl

Auf den ersten Blick ist der Landkreis München ein reine Transit-Region. Auf insgesamt acht Autobahnen sind tagtäglich hunderttausende Pendler und Urlauber unterwegs - die meisten freilich auf dem Münchner Autobahnring. Nicht nur in der Urlaubszeit drängen auf der A 99 die Reiselustigen gen Süden, nach Italien, Kroatien oder Österreich.

Mehr als eine Million Menschen übernachtete im ersten Halbjahr

Zahlreiche Reisende nehmen mittlerweile aber auch Ausfahrten im Landkreis München, um anschließend ein paar Tage Urlaub in den 29 Gemeinden und Städten zu machen. Die Zahl der Übernachtungen im Landkreis München lag von Januar bis Juni dieses Jahres bei etwas mehr als einer Million - nahezu genauso viele Gäste nächtigten auch im selben Zeitraum des Vorjahres in den Hotels und Pensionen von Unterschleißheim bis Pullach.

Bisher gilt der Landkreis München - eine der wirtschaftlich am stärksten prosperierenden Regionen der Republik - kaum als touristisch interessantes Reiseziel. Nicht zuletzt deshalb haben sich der Landkreis München und seine Nachbarkreise Dachau, Erding, Fürstenfeldbruck, Ebersberg und Freising Anfang des Jahres in der Arbeitsgemeinschaft "Münchner Umland" zusammengeschlossen. Auf der Freizeitmesse Free stellten die Partner im Februar ihre gemeinsame Broschüre "Kleinode im Münchner Umland" vor, mit der sie Einheimische und Auswärtige von den Vorzügen der Region überzeugen wollen. Bezüglich der Übernachtungszahlen kann sich der touristische Verbund bereits sehen lassen: 2016 blieben mehr als fünf Millionen Gäste in den sechs Landkreisen über Nacht.

Das liegt freilich auch an der ökonomischen Stärke der Region. Der Flughafen München, die Messe in Riem, Branchenriesen wie die Allianz in Unterföhring oder Airbus in Taufkirchen und Ottobrunn, die Bavaria Filmstudios in Grünwald sind nur einige Beispiele für Firmen, die durch Geschäftsreisende die Übernachtungszahlen nach oben treiben.

Flughafen, Messe, große Firmen - der Landkreis zieht Geschäftsreisende an

Der Landkreis München aber hat mehr zu bieten als seine wirtschaftliche Potenz. Die barocke Schlossanlage Schleißheim - erbaut von den bayerischen Kurfürsten - ist eine weit über die Grenzen des Landkreises hinaus bekannte und bedeutende Sehenswürdigkeit - wie auch die Flugwerft Schleißheim. Die Klosterkirche in Schäftlarn ist ein Juwel des Rokoko. In Aying gibt es unterirdische Tunnelsysteme zu bestaunen. Die weit ausgedehnten Forste laden zum Spazieren und Wandern ein. Und zahlreiche Badeseen - wie etwa der Deininger Weiher oder Heimstettener See - sind beliebte Ausflugsziele im Sommer.

Von Januar bis Juni reisten Zahlen des Statistischen Landesamtes zufolge etwas mehr als 570 000 Übernachtungsgäste in den Landkreis München. Davon kamen nahezu 160 000 aus dem Ausland - die Auslandsübernachtungen machten damit 28,6 Prozent aller Übernachtungen aus. Dieser Wert liegt im Landkreis München deutlich über dem landesweiten Durchschnitt (19,3 Prozent). Die Verweildauer ausländischer Gäste lag im Schnitt bei 1,9 Tagen - deutsche Gäste bleiben durchschnittlich 1,8 Tage im Landkreis.

Die Kommunen reagieren auf die Nachfrage mit neuen Hotels

Damit sind Touristen und vor allem Geschäftsreisende freilich auch von ökonomischer Bedeutung - nicht nur für die Betreiber von Hotels und Pensionen, auch Dienstleister, Läden und Restaurants profitieren von den Reisenden, die sich über Nacht im Landkreis aufhalten.

Welche Bedeutung vor allem Geschäftsreisende im Wirtschaftswunderland Landkreis München haben, zeigt ein eindrucksvolles Projekt in Unterschleißheim: Für etwa 30 Millionen Euro wird derzeit das einstige Hotel Dolce in Unterschleißheim umgebaut und soll von 2018 an unter dem neuen Namen Infinity firmieren. Die Zahl der Betten wird sich von 255 auf 439 erhöhen, das Hotel bekommt ein eigenes Spa und zusätzliche Konferenzräume. Damit wird das Infintiy zu einem der größten Tagungs- und Konferenzhotels in ganz Süddeutschland.

© SZ vom 18.08.2017/gna
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