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Taufkirchen:Das Katzenklo soll zum Park werden

Die Umgestaltung des Grünzugs wird durch das Städtebauförderprogramm Soziale Stadt bezuschusst.

(Foto: Claus Schunk)

Die Pläne eines Landschaftsgärtners für den Eingangsbereich des Grünzugs im Ortsteil Am Wald gefallen den Taufkirchner Gemeinderäten. Allerdings fordern sie aus Kostengründen viele Abstriche

Ein Wasserbecken samt Trinkwasserspender, drumherum prächtige Blumenbeete und Mitmach-Hochbeete für Hobbygärtner, etwas weiter weg ein ruhiger Platz mit Pavillon: So hat sich Landschaftsarchitekt Andreas Rockinger den Eingangsbereich des Grünzugs im Ortsteil Am Wald am Durchgang zur Lindenpassage vorgestellt. Sehr schön, befanden die Gemeinderäte nach seiner Präsentation - aber mit 170 000 Euro auch sehr teuer. Sie beauftragten Rockinger daher einstimmig, seine Pläne zu überarbeiten und Einsparmöglichkeiten zu finden. Auf einen Pavillon werde man wohl ebenso verzichten müssen wie auf Trinkwasser, prognostizierte Bürgermeister Ullrich Sander (parteifrei). Und bei der Bepflanzung solle der Architekten vor allem darauf achten, dass die Unterhaltskosten möglichst gering bleiben.

Dabei muss die Gemeinde bei der geplanten Aufhübschung des Grünzugs, den Rockinger "Park am Wald" getauft hat, nur 40 Prozent der Kosten selbst aufbringen - die übrigen 60 Prozent fließen als Zuschuss aus dem Städtebauförderprogramm Soziale Stadt. Und dennoch lehnte der Gemeinderat den Vorschlag für eine Umgestaltung des Eingangsbereichs ab - auch, weil es sich dabei bloß um einen ersten Schritt handelt. So sollen im Weiteren an der Spielwiese im Nordteil des Parks eine Sandfläche als Boulebahn gebaut und Sitzbänke aufgestellt werden. Zudem will man sich die Spielplätze vornehmen sowie Aufenthaltsmöglichkeiten für alle Altersklassen schaffen. All diese Ideen stammten größtenteils von Bürgern, sagte Rockinger, der unter anderem auf einen Beteiligungstag im Herbst verwies. Bei den Gesamtkosten rechne er als "grobe Hausnummer" mit 350 000 bis 385 000 Euro, so der Landschaftsarchitekt.

Gut 150 000 Euro wären dabei auf den Platz am Durchgang zur Lindenpassage entfallen, der aktuell alles andere als ansehnlich ist und wegen des dortigen Sandkastens im Volksmund "Katzenklo" heißt, wie Rosemarie Weber (SPD) sagte. Sie nannte die Umgestaltungspläne "schön, aber ein bisserl teuer". Zumal die geplante Verbesserung der Beleuchtung noch außen vor sei. Und das, sagte Sander, hätten viele Bürger als wichtigstes Anliegen genannt, um "Angsträume" zu beseitigen. Kritik an den Plänen des Architekten äußerte Hildegard Riedmaier. "Ich frage mich, ob wir da nicht etwas verschlimmern", sagte die CSU-Fraktionschefin, da Beete und Wasserbecken zu hohen Unterhaltskosten führen würden. Ähnlich äußerte sich Richard Schmidhammer (Freie Wähler), der über die Mitmach-Beete sagte: "Das wird nicht funktionieren." Und ein Pavillon an der Stelle würde vor allem Jugendliche anziehen, was den "ohnehin schon belasteten Anwohnern" kaum gefallen dürfte, so Schmidhammer.

Derweil fragte sein Fraktionskollege Peter Hofbauer, ob sich die Arbeiten auch um ein halbes Jahr verschieben ließen. Dies sei wohl möglich, sagte Bauamtsleiter Stefan Beer. Jedoch würden sich dann auch die übrigen Vorhaben im Park verzögern. Nach derzeitigem Stand könnte die Umgestaltung des Eingangsbereichs Ende des Jahres beginnen, sagte Andreas Rockinger. Im Frühjahr wolle man im Rahmen eines Workshops mit Jugendlichen über die Renovierung des Reifen-Spielplatzes sprechen. Und im Sommer 2021 sei eine weitere Mitmach-Veranstaltung geplant, in der es um das Wäldchen im südlichen Parkteil gehen soll. Bei allen Plänen gab Bürgermeister Sander mit Blick auf die Gemeindefinanzen zu bedenken: "Corona hat uns schon gewaltig Probleme bereitet - und wird uns auch noch Probleme bereiten." Die Aufhübschung des Parks sei daher "nicht nur eine Frage des Wollens, sondern auch eine Frage des Könnens".

© SZ vom 04.06.2020

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