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SZ-Serie: Lichtblicke, Folge 11:Himmlische Erscheinung

Früher hatte Anja Kausch eine Stromrechnung zwischen 300 und 400 Euro. Mit LED-Lampen ist die Beleuchtung günstiger.

(Foto: Claus Schunk)

Anja Kausch hat ihr Haus in Sauerlach in eine funkelnde, glänzende Weihnachtsklause verwandelt. Die vielen Lämpchen und beleuchteten Rentiere hat die 54-Jährige vor allem in Kalifornien gekauft.

Von Michael Morosow, Sauerlach

Wer sich nächtens auf der Landstraße dem Anwesen von Anja Kausch und Petro Konstantin in Sauerlach nähert, ist versucht, die Feuerwehr zu alarmieren. "Haus in Flammen, auch ein Baum und der Gartenzaun brennen schon", würde dann die Meldung wohl lauten. Aus der Nähe betrachtet erweist sich das Flammeninferno dann aber als eine eher himmlische Erscheinung und es zeigt sich, dass nicht der Rote Hahn auf dem Dach steht, sondern Rudolph, das rotnasige Rentier, im Garten.

Rudolph und zwei seiner Artgenossen strahlen dabei bis über beide Lauscher - wie auch ihre Schlitten hell beleuchtet mit LED-Lichtern. Wie viele Lämpchen für die adventliche Lichtinstallation eingesetzt sind, kann Anja Kausch nicht genau sagen. Aber ein paar Hundert kommen sicher zusammen. Es ist eine rundum funkelnde, glänzende Weihnachtsklause entstanden, eingerahmt von Zäunen aus leuchtenden Tannengirlanden und Eiszapfen-Lichterketten. Mit einem bunt beleuchteten Christbaum im Garten und mit flammengelben Hauskonturen.

Seit 26 Jahren bereits wohnt die am Mittwoch 54 Jahre alt gewordene selbständige kaufmännische Dozentin in Sauerlach, inzwischen ist der weihnachtliche Lichterschmuck an und um ihrem Haus zur Tradition geworden. "Wir machen das hauptsächlich für uns selbst, aber wir freuen uns natürlich, wenn es auch unseren Nachbarn gefällt", sagt Anja Kausch, eine gebürtige Flensburgerin, aufgewachsen in Walpertskirchen im Landkreis Erding. "Mei is des wieder schön geworden", hört sie alle Jahre wieder. "Die sollten erst mal zu mir reinkommen", sagt sie und lacht. Vier Tage habe sie allein mit der Ausschmückung der Räume verbracht. Muss ja alles festlich aussehen und bis zum 6. Januar halten.

Die Rentiere mögen es eher warm

Anja Kausch mag zwar nicht so weihnachtsverrückt sein wie der Brite Andy Park, der das Fest seit 1993 an jedem Tag feiert mit Truthahn und Geschenken, aber einen Spleen für das Hochfest der Geburt des Herrn hat sie in jedem Fall, oder wie soll man das nennen, wenn sie 30 verschiedene "Weihnachtsklamotten" angesammelt hat und jeden Tag ein anderes Outfit aus dem Schrank holt. Die Lichterketten hat sie allesamt nach und nach in Kalifornien gekauft, wo sie zeitweise gelebt hat und öfters ihren Urlaub verbringt. Zuerst eine, dann zwei, dann drei, und irgendwann stand dann auch das erste Rentier samt Schlitten vor der Tür. Die Freude darüber war ihr in den ersten Jahren auch viel Geld wert, "man gönnt sich ja sonst nichts", circa 300 bis 400 Euro Stromkosten seien jedes Mal zusammengekommen, erinnert sie sich.

Inzwischen aber verwendet sie LED-Lämpchen, die kaum ins Geld gehen. In Deutschland, so sagt sie, gebe es keine Rentiere, die ihr gefielen, und außerdem seien die Preise dafür in den USA mit circa 20 Dollar pro Stück deutlich niedriger. Inzwischen aber hat sich herausgestellt, dass die Rentiere in Kalifornien, wo es selbst im Dezember 20 Grad warm ist, eine höhere Lebenserwartung haben als im winterlichen Sauerlach. "Kälte und Nässe mögen sie nicht", weiß Anja Kausch inzwischen.

Anja Kausch und Petro Konstantin begeistern sich seit vielen Jahren für Weihnachtsschmuck.

(Foto: Claus Schunk)

So hat sich schon einmal eines der drei Rentiere bereits kalte Füße zugezogen. "Dem fehlt dann mal ein Haxn", sagt die Dozentin und meint damit, dass die Lämpchen an einem Bein nicht mehr brennen und ausgewechselt werden müssen.

Vom Spleen seiner Lebensgefährtin hat sich offenbar auch Petro Konstantin anstecken lassen, zuletzt verpasste er einem der drei Rentiere die ihm zustehende rote Nase, indem er sein Nasenspitzenlämpchen mit rotem Nagellack überzog. Der weihnachtliche Lichterzauber in Haus und Garten beginnt täglich um 16.30 Uhr und endet um 23 Uhr, wenn der Stecker gezogen wird, weil eh schon die meisten im Bett sind und die Nacht zu ihrem Recht auf Dunkelheit kommen soll.

Es sei jedes Mal wieder eine helle Freude für sie, wenn sie in der Adventszeit nach Hause komme und schon von weitem die bunten Lichter sehe in Haus und Garten, sagt sie. "Dann kommt ein heimeliges Gefühl bei ihr auf, sagt die 54-Jährige und gesteht. "Ich bin ein Weihnachtsfan." Das hätte sie nicht sagen müssen. Das erkennt jeder, der in den Abendstunden an ihrem Haus vorbeikommt.

© SZ vom 12.12.2020/belo
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