Infrastruktur:Glasfaser bis in die kleinste Einöde

Infrastruktur: Im Sauerlacher Ortsteil Altkirchen lebt es sich gut - nur mit der Anbindung an die Außenwelt ist es so eine Sache.

Im Sauerlacher Ortsteil Altkirchen lebt es sich gut - nur mit der Anbindung an die Außenwelt ist es so eine Sache.

(Foto: Claus Schunk)

Die Gemeinde Sauerlach will nun doch alle Ortschaften ans Breitbandnetz anbinden lassen. Wann diese allerdings schnelles Internet erhalten, ist weiter offen.

Von Martin Mühlfenzl, Sauerlach

Wenn es in Altkirchen dunkel wird, droht die Verbindung zur Außenwelt gekappt zu werden. Dann ist es kaum mehr möglich, aus dem Weiler im Westen Sauerlachs herauszutelefonieren, geschweige denn über das Internet mit der Welt hinter den Wäldern Kontakt aufzunehmen. "Da kommt nur noch ein Knistern, hohe Töne", sagte Andrea Killer am Dienstagabend im Gemeinderat. Die Einwohnerin aus dem kleinen Sauerlacher Gemeindeteil mit gerade einmal gut 300 Bewohnern hat mit ihrer Familie einen forst- und landwirtschaftlichen Betrieb, und wenn sich die Kommunikationsmöglichkeiten in Altenkirchen in Kürze verbessern sollten, dürfte das auch ihrem Plädoyer für "Gleichbehandlung" zu verdanken sein. "Denn Internet gehört zur Daseinsvorsorge wie Wasser oder Strom", so Andrea Killer.

Der Ausbau der Breitbandversorgung in Sauerlach und den Gemeindeteilen Lochhofen und Arget durch die Deutsche Glasfaser läuft bereits seit zwei Jahren. Ursprünglich hatte das Unternehmen vorgehabt, auch entlegene Ortschaften wie Altkirchen, Klein- und Großeichenhausen sowie Gumpertshausen an die Breitbandversorgung anzuschließen; wegen der erwarteten hohen Kosten ließ man davon aber ab. Auch die Deutsche Telekom hat die kleinen Sauerlacher Gemeindeteile außen vor gelassen.

Die Gemeinde versuchte in der Folge zunächst an Gelder aus einem Förderprogramm des Freistaats und später an Subventionen des Bundes zu kommen - beide Versuche aber blieben erfolglos. Dass der Gemeinderat über den Schwenk bei den Förderprogrammen Anfang 2022 nicht informiert wurde, kritisiert die CSU im Gemeinderat bis heute. "Weil dadurch auch sehr viel Zeit verloren gegangen ist, obwohl jeder weiß, wie schlecht die Versorgungslage in den Ortsteilen ist", so CSU-Gemeinderat Michael Hohenleitner zur SZ.

Anfang des Jahres nahm die Gemeinde dann eine Ausschreibung für den Ausbau vor - und die Deutsche Telekom gab als einziges Unternehmen ein Angebot ab, das allerdings bei manchen Gemeinderäten angesichts der aktuellen Haushaltslage der Gemeinde Zweifel an dem Projekt hervorrief: Etwa 1,8 Millionen Euro Eigenanteil sollte die Gemeinde Sauerlach demnach für den Anschluss der kleinen Orte ans Glasfasernetz leisten - ohne staatliche Förderung. Bei einer Beratung des Gemeinderats im November sprachen sich daher mehrere Gemeinderäte gegen den Anschluss von Altenkirchen und den umliegenden Ortsteilen aus, weil ansonsten andere Projekte der Gemeinde zurückgestellt werden müssten.

"Wenn man nichts investiert, ist man abgehängt"

Doch wie hoch der Leidensdruck ist, wurde am Dienstagabend deutlich. Dutzende Bewohner und Gewerbetreibende aus den betroffenen Ortschaften verfolgten die Sitzung des Gemeinderats, unter ihnen auch Peter Messner. Er sei wie nahezu alle anderen Betriebe - vom landwirtschaftlichen Hof bis hin zur Anbieterin von Ferienwohnungen - auf schnelles und stabiles Internet angewiesen, sagt der Kaminkehrermeister aus Altkirchen. "Meine Frau betreibt die Homepage und ich selbst halte auch Vorträge bei der Innung und muss mich darauf vorbereiten. Ohne Internet geht das nicht." Seine Nachbarin Andrea Killer ergänzt: "Wenn man nichts investiert, ist man abgehängt." Alle Ausgaben, die von der Gemeinde getätigt würden, kämen über die Gewerbesteuer auch wieder rein.

Bürgermeisterin Barbara Bogner (Unabhängige Bürgervereinigung) weiß nach eigenen Worten um die Situation in den betroffenen Ortsteilen. Allerdings nicht, ob die Gemeinde bei einer der nächsten Runden der Förderprogramme von Bund und Freistaat berücksichtigt wird. Vor dem Hintergrund der hohen Kosten von nahezu zwei Millionen Euro wurde am Dienstagabend im Gemeinderat kurz darüber diskutiert, ob tatsächlich alle Haushalte in den Ortsteilen, auch in entlegenen Einöden und Weilern, berücksichtigt werden sollen. Bauamtsleiterin Jeanette Schaffert zufolge handelt es sich um maximal zwölf Anschlüsse, durch einen Verzicht auf diese würde der Netzausbau nicht günstiger.

Der Gemeinderat sprach sich am Ende einstimmig dafür aus, alle Haushalte in Altkirchen, Klein- und Großeichenhausen sowie Gumpertshausen an das Glasfasernetz anzuschließen. Die Gemeinde wird nun Nachverhandlungen mit der Telekom führen und voraussichtlich im Frühjahr 2024 erneut Anträge auf eine Förderung des Breitbandausbaus stellen. Wann der Ausbau erfolgt, ist ungewiss.

Dass es auch schneller geht, zeigt sich am Beispiel der Nachbarn in Straßlach-Dingharting: Dort sind seit 2019 alle 13 Gemeindeteile mit Breitband versorgt.

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