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Ristorante Cleopatra:Eine Sünde wert

Im Ristorante Cleopatra kann man königlich speisen: Wer dieses Restaurant aufsucht, will nicht nur gesättigt werden, sondern genießen. Auch wenn er dafür etwas tiefer in die Tasche greifen muss.

Dieser Text ist leider veraltet, das Restaurant ist inzwischen im Genovevaweg 31 / Ecke Willibaldstrasse, 80689 München unter Ristorante Cleo zu finden.

Während dem 25-jährigen Bestehen des Restaurants hat sich weder die Ausstattung, noch die Qualität von Küche und Service geändert.

(Foto: region.mue)

Das Ristorante Cleopatra feiert sein 25-jähriges Bestehen, sozusagen die Silberhochzeit der schönen Königin mit ihren treuen Kunden. 25 Jahre, Julius, das ist Treue! Eigentlich existiert das Restaurant ja schon etwa zwei Jahre länger, aber am Anfang, in der Verlobungszeit, kriselte es zwischen Cleopatra und ihren Gästen, weil es neben einigen Hochs viele Tiefs gab. Aber Wirt Federico Baiocco schaffte es, Harmonie in die Beziehung zu bringen und seine Cleopatra zu einem der Lieblinge der Münchner amici der italienischen Küche zu machen.

In unmittelbarer Nachbarschaft erkochte sich in den neunziger Jahren Werner Böswirth seinen exzellenten Ruf. Vergangenen November ist Böswirth in die Landsberger Straße zurückgekehrt, als Chefkoch in der Cleopatra, ein Grund für das Kostprobenteam, das Restaurant nach zehn Jahren wieder unter die Lupe zu nehmen.

Es hat sich nicht viel geändert, nicht an der Ausstattung - buntes Glas, Hieroglyphen -, noch an der Qualität von Küche und Service. Dass jetzt ein neuer, hoch gelobter Chefkoch waltet, ist selbst für Stammgäste kaum zu merken, was dafür spricht, dass der Wirt eine gute Hand bei der Auswahl seines Personals hat. Der Patron scheint sein Ristorante nie zu verlassen. Er gehört zum Ambiente wie das Relief der sagenhaft schönen Ägypterin, allerdings ist er viel mehr in Bewegung. Nicht die kleinste Kleinigkeit entgeht seinen Augen. Das betrifft weniger die in ruhiger Professionalität wirkenden Kellner als vielmehr das Wohl der Gäste, denen er unentwegt und unaufdringlich mit Rat und Tat zur Seite steht.

Viel wird in letzter Zeit darüber geredet und geschrieben, dass die Leute als erstes bei Restaurantbesuchen sparen. In der Cleopatra ist davon nichts zu merken. Sie ist nach wie vor gut besucht, obwohl die Preise nicht niedrig sind. Aber das, was hier geboten wird, ist es wert, einmal tiefer in die Tasche zu greifen. Wer dieses Restaurant aufsucht, will nicht nur gesättigt werden, sondern will genießen, eine Zeitlang Massenfraß und Eurokurs vergessen.

Das Genießen geht los mit einem kleinen, aber feinen Gruß des Hauses, zum Beispiel mit einem Tässchen kräftiger Tomatensuppe. Gäbe es bei den Vorspeisen Medaillen, stünden ganz oben auf dem Stockerl die Tagliolini mit weißen Frühlingstrüffeln, feste Nudeln mit viel, viel Trüffelscheiben (kleine, aber ausreichende Portion 9,90). Auf den folgenden Plätzen drängelten sich alle anderen Teilnehmer: Zuppa di pesce, diverse Fischstücke ohne jede Gräte und Muscheln in kräftigem Fischsud (10,50); Fischcarpaccio, hauchdünne Scheiben in zitroniger Marinade mit Rucola (9,90) und die köstliche Ziegenkäseterrine, begleitet von sehr kurz gegrillten Gemüsescheiben (11,90).

Auch bei den Hauptgerichten gab es ausschließlich Sieger. Dem Schwertfisch, zwei saftige Scheiben, gab die Olivenkruste einen ganz besonderen Wohlgeschmack (18,80). Dazu passte bestens der offene Trebbiano, der echte Schoppen zu 4,50 Euro. Der in Wein geschmorte, butterweiche Lamm-Ossobuco (18,80) war ein Gedicht, eine Bezeichnung, die auch die gefüllte Kalbsrolle mit Morcheln und Gnocchi verdiente (21,50).

Witzig las sich "Zickenkitz" auf der Speisekarte, aber das Fleisch des Zickleins war überhaupt nicht zickig, sondern so gekonnt geschmort, dass es auf der Zunge zerging (24,90). Ziegenkitz wird hierzulande recht selten angeboten - weil es wenig Ziegenzüchter gibt und vielleicht auch, weil viele Köche nicht damit umgehen können und das empfindliche Fleisch regelrecht austrocknen.

Wer sich bei den Desserts nicht entscheiden kann, sollte eine Mischung bestellen (pro Person 6 Euro). Ob Rhabarbertörtchen, Tiramisù oder Schokoladenterrine, alle schmeckten hervorragend und waren angenehm zurückhaltend gesüßt. Jede Sünde wert waren die mit üppiger Creme gefüllten Cannoli.

Auch wenn es kaum zu merken ist und nicht an die große Glocke gehängt wird, dass Werner Böswirth der Küchenchef ist: Die Cleopatra ist noch einen Tick besser geworden, und das ist vielleicht doch sein Verdienst.

Ristorante Cleopatra, Landsberger Straße 317, 80687 München, Telefon 089-564610, www.cleopatra-muenchen.de, Öffnungszeiten: täglich von 11.30 bis 14.30 Uhr und von 18 bis 23 Uhr, Reservierung empfohlen