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Einstein:Orient am St.-Jakobs-Platz

Garantiert koscher: Das Lokal Einstein am Jakobsplatz.

(Foto: Alessandra Schellnegger)

So frisch und würzig wie auf dem Mahane Yehuda Markt in Jerusalem sind die koscheren Speisen im "Einstein" zwar nicht: Dennoch liegt ein Hauch von Orient in der Luft.

Dass eine Münchner Lokalität solche Türen braucht, ist betrüblich und gibt zu denken über die angespannten Zeiten, in denen wir offenbar leben. Na, immerhin sind sie architektonisch gelungen, die riesigen Panzerglaspforten, die den Zugang zum jüdischen Gemeindezentrum am St.-Jakobs-Platz sowie zum koscheren Restaurant Einstein bilden.

Und anders, als man es von amerikanischen Flughäfen hört, ist die Sicherheitskontrolle hier kein bisschen erniedrigend. Sie besteht aus einem höflichen Pförtner, der sich erkundigt, ob man eine Reservierung habe. Keine? Auch gut, einfach im Foyer links rum.

Der Gastraum des Einstein ist einladend hell, dominiert von klarem Design mit hellem Holz, riesigen ebenerdigen Fenstern und überaus großzügigen, die Privatsphäre garantierenden Tischabständen. Hier also wird "koscher" gekocht. Um diese aus dem jüdischen Glauben tradierte Küchenkultur vollends zu durchdringen, braucht es wahrscheinlich ein Thora-Studium.

Koscher lässt sich etwa mit "rein" oder "erlaubt" übersetzen. Zu den Grundregeln jüdischer Küche gehört es, Milchprodukte und Fleischgerichte sorgfältig zu trennen. Manche koschere Restaurants betreiben aus diesem Grund zwei separate Küchen. Im Einstein wird Milch, Sahne und Käse einfach weggelassen.

Dank des Küchenchefs ist das jedoch keine schmerzliche Einschränkung. Wir vermissten nichts, Saucen und Dips waren geschmackvoll und cremig, und wer braucht schon Käse nach solch üppigen Vor- und Hauptgerichten. Allerdings machten uns die genossenen Speisen unterschiedlich viel Freude, was nicht an den Geboten koscheren Kochens lag.

Zu empfehlen sind die Vorspeisen, die als kleiner oder großer Teller zu acht beziehungsweise 14 Euro angeboten werden. Ein Satz Schälchen mit Falafel, Auberginencreme, Eiersalat und einer außerordentlich gelungenen Tomatenkonfitüre sowie der obligaten Kichererbsenpaste ließ sofort orientalisches Flair aufkommen.

Wenig spektakulär war das Tabouleh, leider, schließlich lässt sich kaum ein Gericht leichter mit ein paar Kräutern beleben als der im gesamten Orient beliebte Hirsesalat. Die Falafel, frittierte Bällchen aus Bohnen, Kichererbsen und Kräutern, waren im Einstein solide.