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Gewerbe:Pullach - Die Chemie stimmt

Das Firmengelände von United Initiators im Süden von Pullach besteht seit 1911. Jetzt soll der Betrieb dort mit Einverständnis der Gemeinde erweitert werden

(Foto: Claus Schunk)

Die Pullacher Gemeinderäte wollen United Initiators bei der Erweiterung keine Steine in den Weg legen.

Von Martin Mühlfenzl, Pullach

Seit 1911 werden im Süden Pullachs auf dem sogenannten Werksgelände an der Dr.-Gustav-Adolph-Straße chemische Substanzen hergestellt und gelagert. Gustav Adolph und Albert Pietzsch entwickelten dort ihr Verfahren zur elektrochemischen Produktion von Wasserstoffperoxid. Und geht es nach Kai Eckloff, dem Geschäftsführer von United Initiators, soll dort auch noch sehr lange mit chemischen Stoffen gearbeitet werden. "Wir haben schon vor, langfristig hier zu bleiben und haben nicht vor, uns von Pullach zu entfernen", sagte Eckloff in der Sitzung des Gemeinderats am Dienstagabend.

Hierfür seien aber einschneidende Veränderungen auf dem etwas mehr als 100 000 Quadratmeter großen Areal notwendig - und eine Änderung des Bebauungsplans durch den Pullacher Gemeinderat. Dieser nahm die Vorstellung einer Überplanung des Gebiets durch das Stadtplanungs-Büro Dragomir wohlwollend zur Kenntnis, schließlich würde auch die Gemeinde gleich mehrfach von einer Umgestaltung des Werksgeländes profitieren.

Zusätzliche Lagerflächen

United Initiators plant im südlichen Bereich des Werksviertels zusätzliche Lagerflächen für teils hochsensible, chemische Stoffe, zudem sollen eine weitere Lagerhalle und ein sogenanntes OP-Lager entstehen. Das Büro Dragomir schlägt vor, die Bauräume auf dem Gelände zu verdichten und die Gebäude so anzuordnen, dass sie in ihren Höhen von innen nach außen abflachen. Die Lagerflächen für die Geothermie sollen erhalten bleiben.

Die Wünsche von United Initiators mit seinen etwa 350 Mitarbeitern in Höllriegelskreuth werden also vorbehaltlich der Zustimmung des Gemeinderats erfüllt. "Ich bin der Meinung, wir sollten Ihnen so weit wie möglich entgegen kommen", sagte FDP-Gemeinderat Alexander Betz an Geschäftsführer Eckloff gerichtet.

Werden die Pläne des Büros Dragomir realisiert, springt für die Gemeinde selbst ein neuer Wertstoffhof heraus, der auf dem bestehenden Parkplatz realisiert werden und über die Wolfratshauser und Dr.-Gustav-Adolph-Straße angefahren werden könnte. Dadurch würde auf dem Areal selbst kein zusätzlicher Verkehr entstehen, sagte Planerin Bettina Gerlach. Grünen-Gemeinderat Peter Bekk betonte, er könne sich in der Gemeinde keinen besseren Standort vorstellen.

Bekk, der selbst Chemiker ist, erkundigte sich auch, was mit den Werkswohnungen werden soll, die von besonderer Relevanz seien. Denn nur wenn ausreichend Wohnungen zur Verfügung stünden, könne auch die dringend benötigte Werksfeuerwehr auf dem Areal aufrecht erhalten werden. Die Wohnungen könnten laut Planerin Gerlach westlich der Wolfratshauser Straße direkt am Einkaufszentrum AEZ neu gebaut werden; zudem könnten dort auch dringend benötigte Räume für den Isartaler Tisch entstehen. Eckloff sagte mit Blick auf den Erhalt der Werksfeuerwehr, es werde sich in Zukunft nichts ändern, die Feuerwehr bleibe bestehen. Zudem würden auch künftig weitreichende Sicherheitsmaßnahmen auf dem gesamten Firmengelände bestehen.

Ökologischer Ausgleich

Mit den Neubauten auf dem Werksgelände werden auch ökologische Ausgleichsmaßnahmen verbunden sein. Im südlichen Bereich sollen etwa eineinhalb Hektar Wald gerodet werden. "Das müssen wir uns bewusst machen", sagte Bürgermeisterin Susanna Tausendfreund (Grüne). "Aber es wird auch ein Ausgleich stattfinden." Seit März 2020 wird außerdem ein zusätzliches Artenschutzgutachten erstellt, dabei geht es unter anderem um die Lebensräume für Vögel, Fledermäuse, Haselmäuse und Zauneidechsen. Die Haselmauspopulation etwa soll mit sogenannten Niströhren umgesiedelt werden, Fledermauskästen werden aufgehängt und zahlreiche neue Biotope vor allem direkt am Waldrand angelegt. Tausendfreund und die Gemeinderäte begrüßten, dass ökologische Aspekte in den Planungen derart großen Raum einnehmen.

© SZ vom 24.07.2020/sab

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