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SZ-Serie "In den Startlöchern":Dreifache Qual

Triathlon  Pullach Lukas Michels

Bald will der Pullacher Lukas Michels als Profi agieren.

(Foto: privat)

Triathlon ist brutal, dennoch will Lukas Michels Profi werden

Unendliche 25 Meter im Wasser. Nach der Hälfte der Bahn ist die Kraft am Ende, die anderen Schwimmer ziehen vorbei. Scheinbar mühelos gehen sie in die nächste Bahn. Noch mal 100 Meter.

"Jetzt 50 locker", ruft Trainer Bernhard König. 50 locker heißt: weiterkraulen, das heißt Anstrengung, wenn man kein trainierter Schwimmer ist; noch zwei Bahnen. Kurze Pause.

Bei den Schwimmern handelt es sich um die Triathleten der Wasserfreunde Pullach. Der Triathlon besteht aus 1,5 Kilometer Schwimmen, 40 Kilometer Radfahren und 10 Kilometer Laufen - olympische Distanz. Triathlon geht an die Substanz, bei guten Athleten ist fast jeder Muskel im Körper trainiert. Trainer König ist ein ruhiger Mann, keiner, der seine Athleten durchs Becken peitscht. "Wir sind hier, um fit zu bleiben", sagt er. Die meisten seiner Leute machen Triathlon als Hobby. "Meine Motivation ist das Ergebnis", sagt Kai Troppman. Mit 17 ist er der jüngste Triathlet der Wasserfreunde. Es gehe darum, Bestleistungen immer weiter zu steigern. "Triathlon ist abwechslungsreich", sagt Dominik Schmid, 27, Physiotherapeut. Allgemeines Nicken.

"Vorzeigeathlet" nennen ihn die anderen

Zurück ins Wasser. Wieder 300 Meter. Diesmal abwechselnd jede Bahn mit nur einem Arm. So werden beide besser trainiert. Das Schwimmen, sagt König, sei die schwächste Disziplin der meisten Triathleten. "Die kommen vom Laufen oder Radfahren." Die meisten hätten deshalb einen schwachen Beinschlag.

Lukas Michels, 21, ist der Star der Wasserfreunde. Er trainiert öfter als der Großteil der anderen, die sich zwei Mal die Woche treffen. Zwei bis drei Einheiten Schwimmen, vier bis fünf Mal Laufen. Radfahren ebenfalls. "Vorzeigeathlet", nennen ihn die anderen. Meistens, sagt Michels, trainiere er morgens eine kurze Runde und am Nachmittag länger. "Am Wochenende dann die langen Touren auf dem Rad. 100 Kilometer und mehr in dreieinhalb Stunden", sagt er. 18 Stunden kämen so jede Woche zusammen. "Wichtig ist, dass man möglichst kraftsparend trainiert", sagt Michels.

Um so viel Zeit in einen Sport investieren zu können, brauche man den Rückhalt aus der Familie, sagt der Sportler. Auch sein Vater schwimmt bei den Wasserfreunden. Während des Trainings kommt seine Schwester ins Bad. "Das Schwimmen hat Familientradition", sagt der 21-Jährige. Anders geht es nicht.

Doch trotz all des Trainings, man könne nie in allen drei Disziplinen gleich gut sein, sagt Michels. "Es ist schwer, sich auf alles zu konzentrieren." Und die Wettkämpfe hätten so manche Überraschung zu bieten: Mal ist das Wasser kälter als gewohnt. Dann ist es auf der Laufstrecke zu heiß. Auf den 40 Kilometern Radfahren ist der letzte Hügel steiler als erwartet.

Wer nicht in allen Disziplinen gut ist, kann es nie ganz nach oben schaffen. "Auf dem Rad sind die meisten Minuten herauszuholen", sagt Bernhard König. Trotzdem dürfe man beim Schwimmen nicht unachtsam sein. "Das rächt sich." So ging es auch Lukas Michels beim letzten Wettkampf am Tegernsee. Knapp sei er am ersten Platz vorbeigeschrammt - wegen des Schwimmens. "Bitter", sagt der Trainer. "Ärgerlich", sagt der Athlet.

Bald wieder Triathlon ein Breitensport sein

Lukas Michels will weiter nach oben. "Mein Studium lässt das gerade zu. Ich will sehen, was geht." Er strebe eine Profikarriere an, obwohl es schwierig sei, mit Triathlon Geld zu verdienen. Noch sei es eine Nischensportart. "Da ist nicht so viel Geld drin." Aber bei jedem Wettkampf steige die Zahl der Athleten. Immer mehr Sponsoren interessierten sich. Bald schon wird Triathlon ein Breitensport sein. Noch aber starten Profis und Amateure zusammen. Bisher gibt es nur wenige richtige Profis. Zu deren Zeiten sei gar kein großer Unterschied: Für 1,5 Kilometer Schwimmen braucht er 22 Minuten. Eine Stunde für 40 Kilometer Radfahren und 40 Minuten für die 10-Kilometer-Laufstrecke. "Je nach Strecke."

"Wieder 50 locker", ruft der Trainer. Kurze Pause. Dann geht es in die letzten 300 Meter. Wieder sind die Athleten im Becken. Ihnen ist die Anstrengung kaum anzumerken. Für sie sind die endlosen 25 Meter kein Problem.