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Ottobrunn:Zweifel am Standort Höhenkirchen

Geht gar nicht: Der Standort am Ortsrand verteuert das Schulprojekt und stößt jetzt auf offenen Widerstand.

(Foto: Claus Schunk)

Ottobrunns Bürgermeister Loderer will die neue Realschule in einer anderen Gemeinde ansiedeln, falls sich der Zweckverband mit seiner Forderung nach einer Campus-Lösung nicht durchsetzt. In Hohenbrunn gibt es Interesse.

Es sind harte Worte, die Ottobrunns Bürgermeister Thomas Loderer (CSU) wählt. "Unverantwortlich" sei die Haltung des Gemeinderats in Höhenkirchen-Siegertsbrunn. Das dortige Gremium renne sehenden Auges in eine absolute "Fehlentwicklung", die sich klar "gegen die Interessen der Schüler" richte und korrigiert werden müsse. Und dann schiebt Loderer in der Sitzung des Ottobrunner Gemeinderats am Mittwochabend noch hinterher: "Jeder, der ein bisschen was von Städtebau versteht, weiß, wie grottenfalsch diese Entscheidung ist."

Mit dieser Attacke nimmt Loderer die Pläne des Gemeinderats in Höhenirchen-Siegertsbrunn ins Visier, eine Realschule nicht in der Nähe des Gymnasiums am Bahnhof, sondern am Ortsausgang an der Brunnthaler Straße ansiedeln zu wollen. Mehr noch, Loderer fordert, die Standortsuche neu aufzurollen, falls der Gemeinderat das Vorhaben nicht kassiert. "Wenn der Gemeinderat davon nicht abrückt, sollten wir uns grundsätzlich Gedanken machen über den Realschulstandort im südöstlichen Landkreis", sagt der Rathauschef.

Damit hat der Streit über die Ansiedlung der Realschule in Höhenkirchen-Siegertsbrunn eine neue Dimension erreicht und geht weit über die dortigen Gemeindegrenzen hinaus. Ihren Anfang nahm die neu entfachte Kontroverse am Montag, als in der Sitzung des Zweckverbands Staatliche weiterführende Schulen im südöstlichen Landkreis die Mehrheit der Mitglieder den Höhenkirchner Gemeinderat aufforderte, die Campuslösung - also Gymnasium und Realschule in unmittelbarer Nähe - noch einmal zu prüfen. Diese wäre laut Landrat Christoph Göbel (CSU) um fast 25 Millionen Euro günstiger als der Bau an der Brunnthaler Straße. Göbel regte deshalb am Montag an, diesen Kostenvorteil noch einmal in die Überlegungen einfließen zu lassen. Die Forderung nach einer Abkehr vom Standort Höhenkirchen-Siegertsbrunn, wie sie Thomas Loderer ins Spiel bringt, falls diese nicht geschehe, teilt Göbel indes nicht.

Konwitschny bringt Bürgerentscheid ins Spiel

Fakt ist: Der südöstliche Landkreis benötigt zwingend eine neue Realschule, insbesondere um die Schule in Neubiberg zu entlasten. Diese ist kurz vor der Kapazitätsgrenze angelangt, und die Prognosen bescheinigen ihr weiteres Wachstum, falls die Schullandschaft nicht weiterentwickelt wird. Derzeit besuchen die Neubiberger Einrichtung etwa 1000 Schüler, bis ins Jahr 2035 werden es laut Schulbedarfsplan noch einmal 150 Kinder und Jugendliche mehr sein - und die Vorhersagen des Plans sind in der Regel vorsichtig angesetzt. Hinzu kommt, dass zwei weitere Projekte ins Stocken geraten sind: Der Bau der Realschule in Haar-Gronsdorf, bei der ein benötigter Grundstücksankauf noch nicht realisiert ist, sowie der Schule im Oberhachinger Ortsteil Deisenhofen, die einige Anwohner an diesem Standort verhindern wollen.

Mit Blick auf die Debatte, die mittlerweile weit über Höhenkirchen-Siegertsbrunn hinaus geht, sagt Ottobrunns Bürgermeister Thomas Loderer: "Es geht um zu viel. Denn es werden ja Strukturen geschaffen, die jahrzehntelang bestehen. Und wir als Zweckverband haben eine Verantwortung, dass die Schüler die bestmögliche Ausstattung bekommen." Schon bei Inbetriebnahme des Höhenkirchner Gymnasiums im Jahr 2013 sei der Schulfamilie versprochen worden, dass sie zu einem späteren Zeitpunkt "Top-Sportanlagen" bekomme, sagt Loderer. Und dies sei mit dem Schulcampus am Gymnasium, anders als am auserkorenen Standort, jetzt möglich. "Auch deshalb ist die Entscheidung grundlegend falsch", betont Loderer.

Unterdessen hat bei Höhenkirchen-Siegertsbrunns Bürgermeisterin Mindy Konwitschny (SPD) ein leichter Sinneswandel eingesetzt. Bisher hatte sie es ausgeschlossen, sich noch einmal dem Thema Schulcampus zuzuwenden. Sollte diese Option vom Gemeinderat nun doch gezogen werden, sagt die Rathauschefin, könne es zu einem Bürgerentscheid kommen, um zügig und transparent eine Lösung herbeizuführen. Und Konwitschny wird grundlegend: Es sei ein Fehler gewesen, nicht von Beginn an einen Realschulneubau etwa in der Nachbargemeinde Hohenbrunn in Erwägung zu ziehen. Den Ball greift Pauline Miller, Gemeinderätin der Fraktion ÜWG-Freie Wähler/Bürgerforum in Hohenbrunn auf, und hat eine Anfrage an Bürgermeister Stefan Straßmair (CSU) formuliert, die eigene Gemeinde als möglichen Standort für eine Realschule zu prüfen.

Welcher Standort es am Ende sein wird, dem Neubau einer Realschule werden alle sieben Gemeinderäte der Zweckverbands-Kommunen und der Kreistag zustimmen müssen. Aus Ottobrunner Sicht scheint dies für den aktuell favorisierten Standort in Höhenkirchen-Siegertsbrunn ausgeschlossen zu sein.

© SZ vom 29.05.2020/belo

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