Oberschleißheim:Geschäftsleute wollen Bahnhof im Ort

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Gewerbegebiet Oberschleißheim an der Mittenheimer Straße

Das Ladenzentrum mit dem Hit-Markt an der Mittenheimer Straße liegt direkt am S-Bahnhof.

(Foto: Florian Peljak)

88 Prozent der Mitglieder des Gewerbeverbands Oberschleißheim lehnen eine Verlegung der S-Bahn-Station ab.

Von Klaus Bachhuber, Oberschleißheim

Die Gewerbetreibenden in Oberschleißheim lehnen die Pläne des Rathauses für die Tieferlegung der Bahn kategorisch ab. In einer Umfrage des Gewerbeverbandes haben sich 88 Prozent der Mitglieder für eine kostengünstigere Alternative ohne Bahnhofsverlegung ausgesprochen. Die Pläne der Gemeinde unterstützen gerade acht Prozent der Gewerbebetriebe. Auch bei den Diskussionen um ein neues Gewerbegebiet setzt der Gewerbeverband klare Präferenzen auf eine Entwicklung entlang der Dachauer Straße und nicht südlich des Uni-Campus an der Sonnenstraße, was im Rathaus präferiert zu werden scheint.

Unmittelbar nach der Vorstellung der beiden Zukunftsprojekte im Gemeinderat hatte der Gewerbeverband, der aktuell fast 90 Mitglieder vertritt, zu einer Umfrage aufgerufen, weil das Gewerbe "zu zwei wichtigen Themen, welche die Zukunft unseres Ortes für die kommenden Jahrzehnte prägen werden, nicht schweigen darf und eindeutig Position beziehen muss", wie es seinerzeit in der Umfrage hieß. Nun bilanziert der Vorsitzende Walter Klar ein "überwältigendes Votum". Speziell mit der geplanten Trog-Lösung der Bahn inklusive Verlegung des Bahnhofs können die Gewerbetreibenden gar nichts anfangen. Der bestehende S-Bahnhof liegt unmittelbar am Beginn des Gewerbegebiets an der Mittenheimer Straße, auch das anschließende Gewerbegebiet am Bruckmannring ist fußläufig erreichbar. Eines der Ladenzentren des Ortes, das Raiffeisengebäude an der Kreuzung der Feierabend- mit der Professor-Otto-Hupp-Straße mit dem Hit-Einkaufsmarkt gegenüber, hat sich erst wegen des Bahnhofs hier entwickelt.

"Was ist das für ein ortsplanerischer Unsinn!"

"Der Gewerbeverband hat die Pläne nicht kommentiert, das hatte im Vorfeld in einer spontanen Reaktion bereits Vorstandsmitglied Wolf-Dieter Waag getan und die Verlegung des Bahnhofs unter anderem "einen Faustschlag gegen alle Pendler, die schön brav die Bahn statt dem Kfz benutzen", genannt. "Was ist das für ein ortsplanerischer Unsinn", hatte sich Waag ereifert, "nur für die möglicherweise in Zukunft mal ankommenden Studenten der Tiermedizinischen Fakultät einen Bahnhof zu verlegen, der für die am dichtesten bewohnten Bereiche und für das Gewerbe am Ort sehr günstig steht?" Die Umfrage stützt nun diese Lesart.

In der Frage einer neuen Gewerbegebietsausweisung hat sich der Gemeinderat noch nicht festgelegt. Vorgestellt wurden diverse Standortalternativen, wobei in den Debattenbeiträgen eine Präferenz herauszuhörten war für ein Gebiet weitab vom bebauten Ort, an der südlichen Sonnenstraße, noch jenseits der Einkaufsmärkte, die dort bisher das Ortsende bilden. Unter den Gewerbetreibenden wird dieser Standort nur von 13 Prozent favorisiert, weitere 13 Prozent sehen mehrere Alternativen gleichwertig. Mit 46 Prozent aber haben fast die Hälfte der Befragten eine Gewerbeentwicklung entlang der Dachauer Straße favorisiert, südlich der Straße, nach einem grünen Puffer zur bestehenden Bebauung an der St.-Hubertus-Straße. Der Gewerbeverband werde das Ergebnis seiner Umfrage nun "ausführlich mit seinen Mitgliedern, den Gemeinderäten und engagierten Bürgern diskutieren und darauf achten, dass die Entscheidungen nicht zu Lasten von bereits bewährten Strukturen und ansässigen Gewerbebetrieben gehen", kündigt Klar an.

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