Finanzen:Auch die Erdwärme geht ins Geld

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Weil die Gemeindewerke zusätzlich 7,5 Millionen Euro benötigen, muss Oberhaching neue Schulden machen. Erstmals ist ein Nachtragshaushalt nötig.

Von Iris Hilberth, Oberhaching

Die Gemeinde Oberhaching braucht Geld. Denn die Gemeindewerke haben einen erhöhten Kapitalbedarf festgestellt, den der Kämmerer nicht einfach so aus der Portokasse decken kann. Es geht immerhin um 7,5 Millionen Euro, die für den Erwerb von Beteilungen benötigt werden. "Das können wir nur durch eine Kreditaufnahme finanzieren", sagte Paul Fröhlich, der dem Haupt- und Finanzausschuss in seiner jüngsten Sitzung einen Nachtragshaushalt vorlegte. Dieser gab dem Kämmerer sein einstimmiges Votum für das zusätzliche Schuldenmachen. Das letzte Wort zum überarbeiteten Zahlenwerk hat aber an diesem Mittwoch der Gemeinderat.

Verschiedene wirtschaftliche Entwicklungen, die teilweise auch auf weltwirtschaftliche Einflüsse zurückzuführen sind, seien Grund für die zusätzliche Finanzspritze für die Gemeindewerke. Anderen Kommunen, etwa Holzkirchen, gehe es aktuell ähnlich, berichtete Bürgermeister Stefan Schelle (CSU). So muss in der Geothermieanlage Taufkirchen, an der Oberhaching beteiligt ist, im Zeitraum von April bis September der Thermalkreis neu gebaut werden. In dieser Zeit ist die Wärmeversorgung der Gemeindewerke durch die Redundanzanlage gesichert, und die bezieht Öl. Geplant waren ursprünglich 1,9 Millionen Liter zu einem Bezugspreis von 71 Cent je Liter. Doch für diesen Preis wird es nicht mehr zu haben sein. Vielmehr wird mit Mehrkosten von 825 000 Euro gerechnet. Darüber hinaus haben sich die Gemeindewerke im Dezember 2021 verpflichtet, durch die Versorgung mit Öl entsprechende CO₂-Zertifikate zu erwerben. Diese Kosten waren im Wirtschaftsplan bislang nicht berücksichtig und belaufen sich auf 446 000 Euro.

Teureres Öl und teurerer Strom schlagen auch bei der Geothermie zu Buche

Mit Mehrkosten von 2,7 Millionen Euro schlägt zudem die Beschaffung von Strommengen zu Buche. Da die Großhandelspreise an den Energiemärken drastisch gestiegen sind und die Gemeindewerke etwa zehn Prozent der Gesamtstrommengen über Großhandelspreise kurzfristig beschaffen, ist auch hier eine deutliche finanzielle Lücke zu schließen. Als weiteren Posten, der zusätzliche Kosten verursacht, hat die Verwaltung einen erhöhten Beratungsaufwand für die Errichtung einer ORC-Anlage zur Stromgewinnung in der Geo-Energie Taufkirchen notiert. Hier dauern die Vertragsverhandlungen an. Zudem geht es um eine weitere anteilsmäßige Beteiligung an der geplanten Kapitalerhöhung der Geoenergie Taufkirchen zum Umbau des Thermalwasserkreislaufes. Auch die Fertigstellung der Außenanlagen der Energiezentrale und die Fernwärme-Nachverdichtung, die über Bankdarlehen finanziert werden, könnten teurer werden.

Bereits im Mai hatte der Gemeinderat beschlossen, den Gemeindewerken die zusätzlichen Millionen zu bewilligen und einen Nachtragshaushalt aufzustellen. "Das machen wir zum ersten Mal", stellte Anja Wille (CSU) fest. Ob denn ein Nachtrag zum Nachtrag zu befürchten sei, wollte Claudie Schmidt-Utzmann (FDP) wissen. "Ich hoffe nicht", sagte der Kämmerer. "Das heißt nicht, dass wir nicht aufs Geld schauen, wir geben nur den Rahmen vor", betonte Bürgermeister Schelle. Jede einzelne Finanzierung müsse dann noch einmal in die Gremien, stellte er klar.

Den Verwaltungshaushalt tangiert der Nachtrag nicht. Dessen Volumen bleibt unverändert bei 57 Millionen Euro. Der Vermögenshaushalt erhöht sich durch die Kreditaufnahme auf knapp 23,3 Millionen Euro. Zu welchem Zeitpunkt die Kreditaufnahmen tatsächlich erforderlich sein werden, lasse sich noch nicht sagen und hänge von der Anforderung der Gemeindewerke ab, erläuterte der Kämmerer die Vorgehensweise.

Die Schulden der Gemeinde wachsen damit zum Ende des Jahres auf voraussichtlich etwa 56,54 Millionen Euro an. Dies würde eine Pro-Kopf-Verschuldung von etwa 4146 Euro bedeuten. Der Landesdurchschnitt lag bei Gemeinden der Oberhachinger Größenordnung Ende 2020 bei 699 Euro pro Einwohner. Oberhachings Rücklagen betrugen Ende 2021 etwa 4,14 Millionen Euro.

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