Mitten in Oberhaching:Ihren Führerschein, bitte!

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Schuhe binden, Nähmaschine bedienen, Müll trennen - ohne Prüfung und amtliches Dokument geht heute nichts mehr.

Kolumne von Iris Hilberth, Oberhaching

In den Ferien ist Zeit, den Führerschein zu machen. Nur welchen? Allein schon wenn man sich bei der Fahrschule anmeldet, muss man sich entscheiden zwischen A und B, Motorrad oder Auto oder gar D1E, Bus mit Anhänger. Aber so eine Fahrerlaubnis, die die individuelle Mobilität nach dem Fahrradführerschein in der vierten Klasse ein weiteres Mal erhöhen kann, ist längst nicht die einzige Prüfung, die bei Bestehen die Bedienungskompetenz wichtiger Dinge attestiert. Führerscheine sind nicht mehr wegzudenken aus dem Leben.

Nehmen wir zum Beispiel den Füllerführerschein. Zweitklässer müssen diese Prüfung heutzutage ablegen, bevor sie eigenständig Wörter oder gar ganze Sätze in ihr Heft schreiben dürfen. Einfach mal losklecksen geht nicht. Wer ist nicht schon mal im Schreibwarenladen beim Kauf von Tintenpatronen gefragt worden: Haben Sie denn einen Füllerführerschein? Und sollte man für sein Kind Schuhe mit Schnürsenkeln statt mit dem obligatorischen Klettverschluss auswählen - ja die gibt es - muss man an der Kasse garantiert eine Kopie des Schuhbindeführerscheins vorlegen. Im Kindergarten St. Georg in Dinkelsbühl macht man den schon vor der Einschulung.

Später warten weitere, nicht zu unterschätzende Prüfungen, an deren Ende dann an einer Grundschule in Köln der Toilettenführerschein oder im schleswig-holsteinischen Trappenkamp der Mülltrennungsführerschein stehen. Auch der Putzführerschein will bestanden sein, sollte man auf die Idee kommen, in Lüneburg Schulpferd Mikado zu kämmen. In Vaterstetten wurde mal beschlossen, einen Kompostführerschein einzufordern, sollte jemand auf die Biotonne verzichten wollen und meinen, er kann das Kompostieren zu Hause erledigen.

In Oberhaching bietet sich jetzt die Möglichkeit, im Ferienprogramm gleich zwei Führerscheine zu erwerben. Ans Herz legt die Gemeinde Kindern ab neun Jahren den Nähmaschinen-Führerschein. Denn nichts ist peinlicher als eine schlecht sitzende Hose und die vorwurfsvolle Bemerkung: Wo der wohl seinen Nähmaschinenführerschein gemacht hat! Auch bei Einstellungsgesprächen wird gerne mal nach diesem Papier gefragt. Das gilt auch für den Taschenmesserführerschein, der ebenfalls in Oberhaching angeboten wird. Schließlich weiß man seit Hubert Aiwanger, dass jeder anständige Mann und jede anständige Frau ein Messer in der Tasche haben sollte. Aber niemals ohne Führerschein!

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