München Ein ganz besonderer Jahrgang

Zum zehnten Mal hat das Lokalressort der "Süddeutschen Zeitung" den Tassilo-Kulturpreis für Künstler und Kulturschaffende ausgeschrieben. Jetzt hat eine Jury die insgesamt zwölf Auszeichnungen vergeben

Von Udo Watter

Mag sein, dass Redundanz nicht zu den Kronen der Kommunikationstheorie gehört, aber es war klar, dass dieser Satz im Laufe der Jurysitzung mehrfach fallen würde: "Eigentlich würde jeder einen Preis verdienen." Ob nun SZ-Redakteurin Sabine Reithmaier dies über die Kandidaten für den Tassilo-Kulturpreis sagte oder der als Juror erfahrene Bezirksheimatpfleger Norbert Göttler ("Jeder ist geeignet. Aber irgendeine Lösung muss man ja finden") - trotz des Redundanzverdachts kann man diese Aussage wohl gar nicht oft genug widerholen. Sie stimmt einfach.

Zum zehnten Mal vergibt das Lokalressort der Süddeutschen Zeitung den Tassilo-Preis an Künstler und Kulturschaffende aus der Region München, und passend zum Jubiläum war das Angebot diesmal noch vielfältiger als sonst. Denn erstmals standen auch Kandidaten aus dem Stadtgebiet zur Auswahl, bislang waren mit dem im Jahr 2000 erstmals vergebenen Preis nur Künstler aus den Landkreisen rund um München prämiert worden.

Das machte die Kür natürlich nicht einfacher für die siebenköpfige Jury, die im 26. Stock in der Panorama-Lounge des SZ-Hochhauses tagte: neben Reithmaier und Göttler die BR-Kulturchefin Anke Mai, die früheren Tassilo-Gewinner Axel Tangerding, Leiter des Meta-Theaters in Moosach, Agnes Jänsch, Künstlerin aus Dachau, und Martin Schmitt, Jazzpianist aus Hechendorf sowie SZ-Redakteur Rudolf Neumaier. Von den 118 in den SZ-Lokalausgaben vorgestellten Kandidaten waren nach einer Vorauswahl noch rund 60 übrig geblieben: Dabei ging es um junge Künstler, Kulturschaffende, die in ihren Landkreisen wirken, Veranstalter, Protagonisten, die für ihr Lebenswerk ausgezeichnet werden oder sich für den Tassilo-Sozialpreis eigneten.

Wer weltberühmt ist, hat keine Chance, die Auszeichnung zu erhalten, die nominell inspiriert ist vom kunstsinnigen bayerischen Herzog Tassilo III. Junge Filmemacher, wilde Bigbands, originelle Installationskünstlerinnen, Initiatoren ungewöhnlicher Festivals - das ist es, was die Jurymitglieder begeistert. Wenn die Projekte dann noch so entzückende Namen wie "Gesellschaft unterm Apfelbaum" tragen oder als Frauenkollektiv "Wir sind Paul" firmieren, erleichtert das die Entscheidung ein wenig. Unterstützung boten die anwesenden Kulturredakteure, etwa wenn die Jury vor solch essenziellen Fragen wie "Klohäuschen oder Wandelhalle?" stand. Gewonnen haben in diesem Fall übrigens beide Kulturprojekte, das an den Münchner Großmarkthallen wie das in Bad Tölz. Dass die Diskutanten mitunter Präferenzen äußerten, weil sie die Kandidaten schon auf der Bühne oder bei anderen Anlässen erlebt hatten, erwies sich als hilfreich. "Befangenheit gibt's am Landgericht, hier nicht", sagte Neumaier . So kristallisierten sich im diskursiven Aussiebe-Verfahren peu à peu die Preisträger heraus. Und man war sich am Ende einig: Bei dieser zehnten Auflage waren nicht nur die gekürten Kandidaten, sondern auch die nicht prämierte Konkurrenz ein ganz besonderer Jahrgang.

Die Jury: (von links) Videokünstlerin Agnes Jänsch, Axel Tangerding vom Meta-Theater Moosach, SZ-Redakteurin Sabine Reithmaier, Anke Mai, Leiterin des Programmbereichs Kultur im BR, SZ-Redakteur Rudi Neumaier, Jazzpianist Martin Schmitt und Bezirksheimatpfleger Norbert Göttler.

(Foto: Natalie Neomi Isser)

Die Tassilo-Preisträger: Bigband Dachau (Lkr. Dachau), Movie Jam Studios (Lkr. München), Anja Uhlig (München), Thomas Breitenfellner (Lkr. Fürstenfeldbruck), Elena Carr (Lkr. Starnberg), Florian Hüttner (Lkr. Bad Tölz-Wolfratshausen), Kollektiv "Wir sind Paul" (Lkr. Dachau), Maximilian Leinekugel (Lkr. Ebersberg), Annette Reindel (Lkr. Starnberg), Barbara Reimold (Lkr. Bad Tölz-Wolfratshausen), Hedwig Rost und Jörg Baesecke (Lkr. München), Thomas Goerge (Lkr. Freising). Wer welche Auszeichnung erhalten hat, wird erst bei der Preisverleihung am 14. April im Technikum, München, Grafinger Straße, bekannt gegeben.