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Mitten in Grünwald:Fußballer brechen den Kontakt ab

Der Gesundheitsamt im Landkreis würde auch die gesamte Mannschaft des FC Bayern in Quarantäne schicken. Aber die Promi-Kicker sind alle längst weg

Kolumne von Lars Brunckhorst

Ach, Grünwald, du dauerst uns: Vorbei die Zeiten, als ein Rudolph Moshammer, ein Blacky Fuchsberger oder eine Carola Höhn dem Straßendorf zwischen Großstadt und Alpenrand ein wenig Glamour schenkten. Heute verstecken sich nur noch wenig schillernde Autovermieter und Schiffscontainerbetrüger hinter mannshohen Mauern und Thujenhecken. Selbst millionenschwere Fußballer haben dem einstigen Prominentenvorort den Rücken gekehrt: Franck Ribéry, Arjen Robben, Rafinha - alle weg!

Auch Serge Gnabry, der junge Rechtsaußen der neuen FC-Bayern-Generation, wohnt anderslautenden Gerüchten zum Trotz nicht in Grünwald. Zum Glück, wird man sich im Landratsamt gedacht haben. So lag die Verantwortung, ob der FC Bayern am Mittwoch gegen Atletico Madrid spielen durfte, bei den Kollegen vom Münchner Gesundheitsreferat: Diese mussten die Kontaktnachverfolgung übernehmen, nachdem der 25-Jährige am Dienstag positiv auf Corona getestet worden war. Aber auch die Mitarbeiter der Stadt hatten nicht viel zu tun. Gnabry hatte angeblich wochenlang keine engen Kontakte. Wahrscheinlich daddelte er nur an der Spielekonsole. Ein Reihenschnelltest reichte deshalb, dann durften die Bayern in der Fröttmaninger Arena ihre Gäste aus Spanien 4:0 abschießen.

Wen das nun wundert, weil seine Kinder selbst nach zwei negativen Tests zwei Wochen lang nicht in die Schule dürfen, nur weil ein Lehrer oder Klassenkamerad sich mit dem Coronavirus angesteckt hat, dem sei gesagt: Fußballer haben einfach nicht so engen Kontakt zueinander wie Schüler. Training, Tackling, Umkleiden? Alles nicht so gefährlich wie Mathe bei Frau Meier. Die Spieler duschten sogar getrennt, heißt es aus den Vereinen. Aber der Sohnemann duscht ja überhaupt nicht mit Frau Meier! Egal.

Wenigstens gibt es Herrn Schmid und das Gesundheitsamt München-Land. Diese würden gemäß der Allgemeinverfügung der Staatsregierung "alle Kontaktpersonen" zur Isolation in Quarantäne senden, heißt es aus dem Landratsamt - "unabhängig von persönlichen Voraussetzungen". Also auch eine ganze Promi-Mannschaft. Ausnahmen würden nur für "Betriebe der kritischen Infrastruktur" gemacht. Schade nur, dass keiner vom FC Bayern mehr im Landkreis zuhause ist. Selbst Thomas Müller ist aus Straßlach-Dingharting weggezogen.

© SZ vom 23.10.2020

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