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Meine Woche:Restart auf dem Court

(Foto: Privat)

Tennislehrer Sany Langer bietet Schnupperkurs an

Von Christina Hertel, Kirchheim

Vor etwa 40 Jahren hat Sany Langer wohl so manche Träume zum Platzen gebracht. Damals in den Achtzigerjahren, als die Welt einen rothaarigen Jungen aus Leimen feierte, fing Langer als Tennislehrer an. "Viele Eltern dachten, sie haben auch einen kleinen Boris Becker zu Hause", sagt Langer. Er habe dann erklären müssen, dass Ehrgeiz Talent nicht ersetzen, aber den Spaß verderben kann. Zwölf Jahre lang führte Langer eine Tennisschule in Aschheim, wo 120 Kinder in der Woche trainierten, wo er an manchen Tagen die erste Stunde um 6 Uhr morgens und die letzte um 23 Uhr nachts gab. Wahrscheinlich war Tennis nie populärer. Und vielleicht kommt dieser Boom nun ja zumindest ein Stück weit zurück: Beim Tennis trennt die Spieler ein Netz. Näher als 1,50 Meter dürften sie sich gegenseitig in den seltensten Fällen kommen. Eigentlich der perfekte Sport in Zeiten, in denen ein Virus die Menschen zum Abstand halten zwingt.

Doch daran, dass Tennis ein optimaler Corona-Sport ist, habe er gar nicht gedacht, als er vor kurzem ein neues Angebot beim Kirchheimer Tennisclub entwickelte, sagt Langer. Er ist dort seit zwölf Jahren Vorsitzender. Tennis ist für ihn, seitdem er die eigene Schule aufgab und einen Handel für Bettfedern eröffnete, nur noch ein Hobby - jedoch eines für das er möglichst viele Menschen begeistern möchte. Deshalb bietet der 61-Jährige für Anfänger und für Menschen, die schon länger keinen Schläger mehr in der Hand hielten, in seinem Verein vergünstigte Schnuppertrainings an. Alle 16 Plätze waren schnell ausgebucht, nächste Woche geht es los. Einen solchen Zulauf habe der Verein, in dem 110 Menschen Tennis spielen, schon lange nicht mehr erfahren, meint Langer. Die Mitgliederzahlen seien dort zwar auch dann nicht eingebrochen, als die Zeitungen Boris Becker nicht mehr für seine Tenniserfolge feierten, sondern für seine Frauengeschichten verlachten, jedoch änderten sich auch in Kirchheim die Zeiten: Dass die Frauen Prosecco schlürfend ihren Männern beim Spielen zusehen und Familien ganze Wochenenden auf dem Platz verbringen, komme nur noch selten vor. "Vielleicht ein Viertel der Mitglieder pflegt ein aktives Clubleben", sagt Langer. Doch gerade dass Tennis so ein geselliger Sport sei, habe ihm schon immer gefallen. Er hoffe deshalb, dass möglichst viele der 16 Neuen dabei bleiben.

Das Training möchte Langer an einem Tag selbst abhalten und nächstes Jahr wieder mehr Zeit in sein Hobby stecken. Dann geht Langer in den Ruhestand. Die Tennisschule, sagt er, habe er damals ja keineswegs aufgegeben, weil es ihm keinen Spaß gemacht hätte. "Irgendwann muss man sich eben fragen, ob man das ein ganzes Leben lang schafft."

© SZ vom 15.06.2020

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