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Mallertshofer Holz:Parkplatz gesperrt

Spaziergänger am Uferweg am Mallertshofer See, Unterschleißheim

Spaziergänger sind willkommen, solange sie auf den Wegen bleiben und keinen Müll hinterlassen. Die Anreise mit dem Auto via Oberschleißheim ist inzwischen nicht mehr so einfach, wer den See erreichen will, muss andere Parkplätze nutzen, etwa in Eching.

(Foto: Florian Peljak)

Kraftfahrzeuge aller Art können am Naturschutzgebiet nicht mehr abgestellt werden. Die Gemeinde Oberschleißheim hat zudem die oft überfüllten Mülleimer abgebaut, um das Areal vor rücksichtslosen Spaziergängern und Hundehaltern zu schützen.

Von Sabine Wejsada, Oberschleißheim

Auf der in München produzierten Online-Plattform "gassi-guide" werden der Mallertshofer See und das gleichnamige Holz zwischen Garching, Ober- und Unterschleißheim als empfehlenswertes Outdoor-Erlebnis für Hunde und deren ihre Besitzer empfohlen. Das Naturschutzgebiet biete Zwei- und Vierbeinern zahlreiche Wege, die in jeder Jahreszeit viel Auslauf ermöglichten, heißt es da. Und an warmen Tagen könnten sich Fellnase und Mensch auch gleich noch im Mallertshofer See abkühlen. Das 600 Hektar große Naturschutzgebiet im Norden des Landkreises lockt deshalb nicht nur Spaziergänger samt Anhang aus der unmittelbaren Umgebung an. Es kommen auch viele Erholungssuchende mit ihren Hunden aus München und von weiter her. In den vergangenen Jahren hat es sich wohl herumgesprochen, dass das Mallertshofer Holz mit seinen Heiden und dem Gewässer ein Hotspot für Hundefreunde ist. Doch das gefällt nicht allen. Wie andernorts kommt es zu Konflikten über die Erholungsnutzung in der unter Schutz gestellten Natur.

So ist unlängst der Parkplatz am Mallertshofer Holz für Kraftfahrzeuge aller Art gesperrt worden - und soll auf Betreiben der Bayerischen Staatsforsten weiterhin zurückgebaut werden, wie es aus dem zuständigen Oberschleißheimer Rathaus heißt. Hintergrund sind nach Angaben der Gemeinde illegale Müllablagerungen und missbräuchliche Nutzungen, die in den vergangenen Jahren in diesem sensiblen Naturbereich beobachtet wurden. Die Schließung der Parkplätze ist laut Rathaus auf Betreiben der Staatsforsten geschehen, weil die starke Nutzung durch Erholungssuchende "klar dem Zweck des Naturschutzgebietes widerspricht".

Offenbar hätten allein die Existenz eines Parkplatzes und das Vorhandensein der Mülleimer auf manche Zeitgenossen einladend gewirkt, berichtet Doris Rohe, die Referentin des Oberschleißheimer Bürgermeisters Markus Böck (CSU). Das Gelände sei vermüllt worden, Unbekannte hätten dort sogar schrottreife Autos entsorgt. Abfall und Unrat gab es ihren Worten nach doch nicht nur am Parkplatz, auch die Wege und Trampelpfade mussten in der Vergangenheit regelmäßig davon befreit werden. Für den zuständigen Bauhof der Gemeinde Oberschleißheim sei der Entsorgungsaufwand immer recht hoch gewesen, da das Gebiet, Rohe nennt es eine Exklave, weit von der normalen Entsorgungsroute entfernt liegt.

Die nun abgebauten Mülleimer waren wohl ohnehin nur geduldet. Laut Rohe standen die Bayerischen Staatsforsten als Grundeigentümer und zuständige Revierförsterin Maria Reuther diesen immer kritisch gegenüber. Noch dazu weil sich die Hoffnung des Oberschleißheimer Rathauses, mit den Behältern den Streumüll auf Wegen und Pfaden zu reduzieren nur bedingt erfüllte. Dass Unbekümmerte ihren Unrat einfach fallen lassen, darüber ärgern sich übrigens auch die regelkonformen Gassigeher.

Auch wenn viele Hundebesitzer das Mallertshofer Holz und den See als beliebten Ort zum ungetrübten Auslauf und im Sommer zum Baden nutzen, ist dies nach den Verordnungen zum Naturschutzgebiet nicht vorgesehen. Hunde dürfen demnach nicht frei herumlaufen, weil sie dadurch Vögel, Rehe und andere Tiere aufscheuchen, die dann permanentem Stress ausgesetzt sind, wie Rohe erläutert. Zur Brutzeit flüchten die Elternvögel und lassen die Jungvögel ungeschützt im Nest zurück. Die Kothaufen der Hunde, die nicht entsorgt werden, sind ein zusätzliches Problem: Der Nährstoffeintrag ist nicht unerheblich und kann die Artenzusammensetzung gerade auf den mageren Heideflächen verändern.

Etwas anders verhält es sich beim Mallertshofer See und dem direkt angrenzende Bereich: Beides ist Teil des Landschaftsschutzgebiet Münchner Norden. Dieses stellt einen schwächeren Schutzstatus als das Naturschutzgebiet dar, aber auch hier darf der Charakter der Lebensräume für Pflanzen und Tiere nicht nachteilig verändert werden. Immerhin seien auch in diesem Bereich wertvolle Heidereste vorhanden, heißt es aus dem Oberschleißheimer Rathaus. Die Heideflächen und Lohwälder nördlich von München gehören zu den wertvollsten Naturschätzen Bayerns und sind seit 2001 als Fauna-Flora-Habitat-Gebiet der EU gemeldet und somit gesetzlich geschützt.

Uferweg am Mallertshofer See, Unterschleißheim

Die Versuchung ist groß, die Hunde hier einfach laufen zu lassen. Doch gestattet ist es nicht.

(Foto: Florian Peljak)

Wer sich im Holz aufhält, muss auf den Wegen bleiben. Daran aber hätten sich viele Spaziergänger nicht gehalten. In der Folge seien zahlreiche Trampelpfade entstanden - was wiederum den seltenen Arten in dem Bereich schadet. Ein Bad im Mallertshofer See ist für Mensch und Tier allerdings nicht grundsätzlich verboten, da es sich jedoch um keinen ausgewiesenen Badesee handelt, erfolgt die Abkühlung nach Angaben der Gemeindeverwaltung in Oberschleißheim "ausschließlich auf eigene Gefahr".

Das Mallertshofer Holz war bis ins 20. Jahrhundert hinein Agrarland; bis 1880 wurde das Gebiet von den Bewohnern eines mittelalterlichen Bauernhofes bewirtschaftet. Von dem ist heute nichts mehr übrig. Einzig die dortige denkmalgeschützte Kapelle St. Martin besteht noch. In den Siebzigerjahren wurde die Landwirtschaft eingeschränkt, weil die dortigen Kiesvorkommen abgebaut wurden. Nach Abschluss der Ausbeutung wurde nur die nördliche Hälfte der entstandenen Kiesgrube mit Altlasten unklarer Herkunft verfüllt - und der See entstand. Die Natur wurde überwiegend sich selbst überlassen. 1995 erfolgte die Ausweisung des Mallertshofer Holzes als Naturschutzgebiet.

Dieses ist gekennzeichnet durch eine kleinräumige Verzahnung von geschlossenen und lichten Kiefernwäldern, Heidewiesen und offenen Kiesflächen, die von großen Schafweiden und landwirtschaftlichen Fluren umgeben sind. In dem abwechslungsreichen Gebiet finden seltene Tier- und Pflanzenarten ihren Lebensraum. Zweck der Ausweisung ist es, den landschaftsgeschichtlich bedeutsamen und naturnahen Rest der Heidelandschaft zu erhalten und zu entwickeln, wie der Heideflächenverein Münchner Norden konstatiert. Dieser hat in Zusammenarbeit mit den Naturschutzbehörden und der TU Weihenstephan Pflegekonzepte erarbeitet. Auf den Kirchengründen im Umfeld der Kastner Grube hat der Verein 25 Hektar Heidewiesen angelegt, die Teil des Biotopverbundes sind. In den geschlossenen Forstbereichen soll sich wieder ein naturnaher, strukturreicher Laubmischwald entwickeln können. Die offenen Bereiche, in denen sich Kiefernwald und Heidewiesen verbinden, werden freigehalten.

Einem Besuch von Mallertshofer Holz und See steht trotz all dieser Bemühungen, die Heidelandschaft zu retten und deren Bestand zu erhalten, nichts im Wege. Solange sich Hund und Herrchen oder Frauchen an die Regeln halten - auf den Wegen bleiben und ihre Hinterlassenschaften wieder brav mitnehmen.

© SZ vom 07.01.2021/hilb
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