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Banken:Scharfe Kritik an Filialschließungen

Annette Ganssmüller-Maluche hält für einen großen Fehler, was in der Sparkassen-Zentrale am Sendlinger Tor beschlossen worden ist.

(Foto: Claus Schunk)

Die SPD fordert nach der Entscheidung der Kreissparkasse eine Erklärung vom Landrat und einen runden Tisch.

Die SPD im Landkreis kritisiert mit scharfen Worten, dass die Kreissparkasse München Starnberg Ebersberg sechs Filialen im Landkreis schließt und sich aus mehreren Gemeinden weitgehend zurückzieht. Die Sozialdemokraten fordern einen runden Tisch im Landratsamt und verlangen eine Erklärung von Landrat Christoph Göbel (CSU), der auch Verwaltungsratsvorsitzender der Sparkasse ist. Der Kreisvorsitzende und Fraktionschef im Kreistag, Florian Schardt, pocht darauf, kreativ über alternative Lösungen nachzudenken. So wäre es eine Idee, Bankdienstleistungen in Kiosken oder Supermärkten anzubieten, gemeinsame Filialen mit der Volksbank einzurichten oder einen Sparkassenbus loszuschicken.

Die Entscheidung der Regionalbank, in Aschheim, Aying, Neuried, Putzbrunn und Schäftlarn keine Filialen mehr zu betreiben, hat bei SPD-Politikern im Landkreis München einer Mitteilung zufolge "Wut und Unverständnis ausgelöst". "Die Leute sind zurecht stinksauer", sagt Florian Schardt. Neurieds Bürgermeister Harald Zipfel wirft der Bank Wortbruch vor: "Als Martinsried dichtgemacht wurde, hieße es noch, Neuried bleibe als Standort erhalten, um die wohnortnahe Versorgung sicherzustellen. Davon will man heute offenbar nichts mehr wissen." Putzbrunns Bürgermeister Edwin Klostermeier wirft der Bank schlechten Stil vor, wenn "der Öffentlichkeit in wenigen Zeilen mitgeteilt" werde, "dass man künftig eben in den Nachbarort fahren muss". Ältere Menschen nutzten Online-Banking nicht. Man dürfe nicht alles der Effizienz opfern. "Die Sparkassen haben als kommunale Unternehmen schon auch einen Versorgungsauftrag."

Florian Schardt sorgt sich um "die wohnortnahe Daseinsvorsorge", die so wie lebendige Ortskerne im digitalen Zeitalter erhalten bleiben müsse. Die Post ziehe sich zurück und der Einzelhandel habe immer mehr zu kämpfen. "Die Kreissparkasse sollte dabei mit Ideen auffallen, statt sich heimlich, still und leise aus dem Staub zu machen." Der SPD-Fraktionschef fragt sich auch, warum Landrat Göbel als Vorsitzender des Verwaltungsrats eine massive Reduzierung der Filialen in seinem Landkreis nicht habe verhindern können. Die stellvertretende Landrätin Annette Ganssmüller-Maluche - selbst Mitglied im Verwaltungsrat - sagt, sie habe es schon abgelehnt, wegen geringer Einsparungen Kontogebühren für Vereine einzuführen oder Briefkästen in Filialen abzuschaffen. Jetzt Schließungen: Der hier beschrittene Weg sei grundlegend falsch, sagt Ganssmüller-Maluche. Die Sitzungen des Verwaltungsrats seien nicht-öffentlich. Sie dürfe daraus nicht berichten. "Ich kann nur soviel sagen, ich bin über die Entscheidungen tief enttäuscht. Wir schneiden den Ast ab, auf dem wir als Kreissparkasse sitzen und entfernen uns immer mehr vom eigentlichen Bankgedanken."

© SZ vom 25.03.2021 / SZ/hilb
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