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Kommunalwahl in Pullach:Die grüne Enklave hält

Susanna Tausendfreund verteidigt in Pullach das einzige grün regierte Rathaus im Landkreis gegen ihre Bauamtsmitarbeiterin Christine Eisenmann von der CSU, die auch von WIP und FDP unterstützt wurde

Sicherheitsabstand einhalten, hieß es bei der Auszählung im Bürgerhaus Pullach. Stimmenmäßig standen Susanna Tausendfreund (Grüne, links im Bild) und Christine Eisenmann (CSU) weniger weit auseinander.

(Foto: Claus Schunk)

Als das Ergebnis der Auszählung bekannt wird, stehen eine stolze Verliererin und eine sichtlich erleichterte Siegerin im Foyer des Bürgerhauses und werfen sich aus der Entfernung einen Handgruß zu. Die Unterlegene, Christine Eisenmann von der CSU, hat mit einem bemerkenswert starken Wählervotum die amtierende Bürgermeisterin Susanna Tausendfreund (Grüne) bis zuletzt um ihre Wiederwahl zittern lassen, zumal nachdem der erste der drei Stimmbezirke, wenn auch nur mit drei Stimmen Vorsprung, an die CSU-Frau gegangen war.

Am Ende verteidigte Tausendfreund mit 2596 Stimmen (53,3 Prozent) den Bürgermeistersessel gegen ihre Angestellte in der Bautechnikabteilung, die mit einem Ergebnis von 2276 Stimmen (46,7 Prozent) aufhorchen ließ. Im ersten Wahlgang vor zwei Wochen hatte die Amtsinhaberin noch einen deutlicheren Vorsprung, rangierte mit 1972 Stimmen und 42,8 Prozent noch klar vor Christine Eisenmann mit 1060 Stimmen und 23,0 Prozent.

Mit ihrer Wiederwahl bleibt Susanna Tausendfreund die einzige Grünen-Bürgermeisterin im Landkreis, alle Versuche grüner Kandidaten in anderen Landkreisgemeinden waren erfolglos geblieben. "Das war ein bisschen ein Krimi", sagte die 56 Jahre alte Gemeindechefin, die bei ihrer Wahl vor sechs Jahren gegen den damaligen CSU-Kandidaten Andreas Most noch viel deutlicher mit 70 Prozent gewonnen hatte.

Dieses Mal aber hatten die Vorzeichen wesentlich ungünstiger für sie gestanden, nachdem die Wählergruppe Wir in Pullach (WIP) und die Pullacher FDP, deren beide Kandidaten im ersten Wahlgang klar gescheitert waren, eine Wahlempfehlung für die Herausforderin von der CSU gegeben hatten, während sich hinter Tausendfreund neben dem eigenen Ortsverband nur die SPD gestellt hatte, und das nicht einmal offiziell. "Ich bin erleichtert und super glücklich und bedanke mich für das Vertrauen", sagte die studierte Rechtsanwältin. Nach den beiden Wahlempfehlungen sei es dann nämlich doch noch wirklich knapp geworden.

Auch die 53-jährige Christine Eisenmann musste sich nach Bekanntgabe des Wahlergebnisses erst noch ein wenig sortieren, wusste zuerst nicht so genau, ob sie sich jetzt über ihr durchaus achtenswertes Ergebnis freuen oder über ihre knappe Niederlage grämen sollte. "Beides eigentlich, lautet ihre Antwort. Natürlich sei sie stolz auf ihr Ergebnis, sagte CSU-Kandidatin Eisenmann. "Auf der anderen Seite wäre ich gerne Bürgermeisterin geworden in dem schönen Pullach." Dass sie es der Amtsinhaberin schwer gemacht habe, freue sie dann aber doch.

"Ich bin totaler Newcomer und habe bei Null angefangen, dafür ist das Ergebnis wirklich gut", merkte die CSU-Frau noch an. Es sei ihr auch "von allen Seiten" dafür gratuliert worden. "Aber", sagte Christine Eisenmann, "ich bin halt die Verliererin." Sie und Tausendfreund hätten einen fairen Wahlkampf geführt, betonte die Herausforderin noch.

Hin- und hergerissen zeigte sich auch der Fraktionsvorsitzende der CSU, Andreas Most. Natürlich sei es ein achtbares Ergebnis geworden und habe die CSU-Kandidatin eine "tolle Aufholjagd" hingelegt. Aber es habe halt leider nicht gereicht, sagte Most.

© SZ vom 30.03.2020

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