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Kommunalwahl in Oberhaching:Vierkampf ums gallische Dorf

Oberhaching, Eröffnung der Ausstellung 'Oberhaching leuchtet' mit den 'Lichtmalern Oberhaching'

Wer wird Platzhirsch im Rathaus? Ein Bild aus der Ausstellung "Oberhaching leuchtet" im vergangenen Jahr.

(Foto: Angelika Bardehle)

Stefan Schelle möchte, dass Oberhaching so bleibt, wie es ist - und er noch weitere sechs Jahre Bürgermeister. Seine Herausforderer finden, der CSU-Amtsinhaber mache es ganz gut, doch ein wenig Veränderung könne der Gemeinde nicht schaden.

Wenn Bürgermeister Stefan Schelle leidenschaftlich Oberhachings moderate Ortsentwicklung verteidigt, wenn er deutlich machen will, warum die Gestaltungssatzung für Bauherren in seiner Gemeinde so streng sein muss, wie sie ist, dann bemüht der CSU-Politiker gerne mal die wohl berühmtesten Gallier unserer Zeit. Eine Trabantenstadt wurde in Oberhaching genauso erfolgreich bekämpft wie bei Asterix. Und so soll es auch bleiben. Wie auch Schelle Bürgermeister bleiben will, was als wahrscheinlich gilt.

Mit dem eher trägen Majestix hat der Häuptling am oberen Hachinger Bach allerdings wenig gemein, ihm werden eher die Eigenschaften des Comic-Titelhelden wie Scharfsinn und Einfallsreichtum nachgesagt; und er selbst attestiert sich einen "gewissen Hang zur Anarchie", gepaart mit einer guten Portion Humor und Gelassenheit. Wie auch immer: Schelle tritt zum vierten Mal zur Bürgermeisterwahl an und will fortsetzen, was er seit Amtsantritt 2002 verfolgt: seinen Oberhachinger Weg mit maßvollem Bauen, mit gelebter Gemeinschaft durch ein reges Vereinsleben und vielen Ehrenamtlichen, mit einem guten Bildungsangebot durch sämtliche Schulen am Ort und eine eigene Energieversorgung aufgrund umfangreicher Investitionen in die Geothermie. Das sind die Themen, die mehr oder weniger auch seine Mitbewerber um den Chefsessel im Rathaus auf ihrer Agenda haben.

Nur in Nuancen, im Detail unterscheiden sich die Vorhaben der verschiedenen Parteien und Gruppierungen, die um die Gunst der Wähler buhlen. Denn irgendwie mögen sie doch alle ihr kleines gallisches Dorf im Hachinger Tal so, wie es ist. Viele Entscheidungen im Gemeinderat fallen einstimmig aus, zumindest bei den großen Themen wie der Geothermie, den Grundstückskäufen, dem Schulcampus mit Realschule und Fachoberschule, dem Haushalt oder eben der Erneuerung der Ortsgestaltungssatzung. Schelle weiß, wie er Dinge einfängt, und wenn er sich auch mal gegen seine CSU stellt und die SPD den Antrag zur klimafreundlichen Gemeinde durchbringen lässt. Gerangelt wird höchstens mal über ein Tempolimit auf den Verbindungsstraßen der Ortsteile oder über einen neuen Kunstrasenplatz für den Fußballverein. Selbst mancher führende Kreispolitiker der Konkurrenz sagt hinter vorgehaltener Hand: Der macht's schon gut, der Schelle Stefan.

Gleich drei Herausforderer

Gleichwohl ist es nicht so, dass man ihm kampflos das Feld überlässt. Gleich drei Herausforderer stellen sich zur Wahl. Margit Markl von der SPD geht schon zum zweiten Mal ins Rennen, wohlwissend, wie schwer der Gegner ist. Und sie sagt auch: Alles ist nicht gut in Oberhaching. Ein wichtiges Anliegen sind ihr die Senioren, die dringend eine Begegnungsstätte bräuchten, und eine Tagespflege. Oder die Bahnhofstraße: "Dort mit dem Rad zu fahren, erfordert wirklich Mut." Auch der Straßenbelag des Kirchplatzes gehört ihrer Meinung nach dringend barrierefrei umgebaut.

Markl ist geborene Oberhachingerin, es kennen und schätzen sie am Ort viele Menschen, aber sie weiß auch, dass ihre Partei trotz prominenter Namen auf der Liste wie dem ehemaligen Unterhachinger Bürgermeister Erwin Knapek und dem TSV-Vorsitzenden Bernd Schubert eben mit einem Imageproblem zu kämpfen hat. "Die Leute sagen: Ihr seid toll, aber es steht halt SPD drauf", muss Markl feststellen.

Im aktuellen Gemeinderat ist die SPD zweitstärkste Kraft hinter einer dominanten CSU. Doch haben die Grünen bei den jüngsten Wahlen auf Landes- und Europaebene auch in Oberhaching kräftig zugelegt. Der Ortsverband selbst hat einen Zuwachs erfahren, den die Alt-Grünen vor ein paar Jahren so nicht für möglich gehalten haben. Sie gehen mit einer Liste ins Rennen, auf der auffallend viele Frauen um die 40 und Akademikerinnen mit kleinen Kindern auf den vorderen Plätzen stehen. Sie sind alle noch nicht lange in der Partei, aber wild entschlossen, sich im neuen Gemeinderat für Klimapolitik, bezahlbaren Wohnraum, sozialen Zusammenhalt und die Verkehrswende einzusetzen.

"Wir wollen etwas bewegen und nicht nur Kuchen für den Kindergarten backen", sagt Listenführerin Nina Hartmann. Eine Frauenbeauftragte und einen Ehrenamtskoordinator wünschen sie sich. Auf eine Bürgermeisterkandidatur haben sie verzichtet. "Aber wir hatten schon überlegt, ob wir uns das nicht in Teilzeit vorstellen können, als Job-Sharing-Modell", sagt Hartmann. "Vielleicht nächstes Mal."

Wahl 2014

Bürgermeister Stefan Schelle (CSU) mit 58,1 Prozent wiedergewählt

Gemeinderat 24 Sitze

CSU 10 Sitze

SPD 5 Sitze

Grüne 2 Sitze

WGO 3 Sitze

Freie Bürger 1 Sitz

BVO/IGAO 1 Sitz

VfWO 2 Sitze

Wahlergebnis

CSU 40,6 Prozent

SPD 20,6 Prozent

Grüne 11,2 Prozent

WGO 11,2 Prozent

Freie Bürger 4,7 Prozent

BVO/IGAO 4,6 Prozent

VFWO 7,2 Prozent

Erst kürzlich wiederbelebt

Ganz offiziell als "neue Generation Oberhaching" sieht sich die FDP mit Kandidaten zumeist um die 50. Der Ortsverband ist kürzlich erst wiederbelebt worden und gibt in diesem Wahlkampf mehr Gas als alle anderen. Die Straßen sind voll mit gelb-magentafarbenen Plakaten, das Gesicht von Bürgermeisterkandidat Axel Schmidt omnipräsent, auch auf Facebook. Er sagt, das müsse so sein, weil man neu in den Gemeinderat wolle. Für ihn selbst trifft das allerdings nicht zu, er kandidiert nur auf Rang neun, weil er beruflich so eingespannt sei. Die FDP findet, es brauche einen "frischen Blick", und würde vor allem gerne die strenge Ortsbausatzung lockern und den Hebesatz für die Gewerbesteuer noch unter den von Grünwald senken.

Daneben fällt im Gemeinderat die Vielzahl der Gruppierungen auf. Die stärkste Gruppe der Freien ist bisher die Wählergemeinschaft (WGO) mit dem Zweiten Bürgermeister Johannes Ertl, der wieder antritt. Auf Position eins ist deren neuer, junger Vorsitzender Simon Sainer gerückt. Auf der Liste kandidiert auch die derzeit einzige Gemeinderätin der BVO/IGAO, Elvira Oberstein aus der Altgemeinde Oberbiberg. Während die Vereinigung der Freien Wähler (VFWO) nicht mehr zur Wahl steht, nehmen die Freien Bürger noch mal den Kampf auf und stellen in Dirk Schneider einen Bürgermeisterkandidaten.

© SZ vom 15.02.2020/belo
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