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Kommunalwahl in Grasbrunn:Markworts Minderheitenmeinung

Wie allein ist Helmut Markwort in der FDP wirklich mit seinem Blick auf Thüringen und die AfD? Der Landtagsabgeordnete beim Besuch in Grasbrunn.

(Foto: Claus Schunk)

Der FDP-Abgeordnete verteidigt vor Parteifreunden in Grasbrunn die Thüringen-Wahl - und erntet dafür Applaus

Seit der Wahl ihres Mitglieds Thomas Kemmerich mit AfD-Stimmen zum Ministerpräsidenten von Thüringen schüttet die FDP öffentlich kübelweise Asche auf ihr Haupt. Parteichef Christian Lindner entschuldigte sich zuletzt am Donnerstag im Bundestag für den "Schaden", und auch Liberale wie Wolfgang Kubicki, die Kemmerich anfangs beglückwünschten, rudern inzwischen zurück. Einer aber bleibt standhaft - oder stur, je nach Sichtweise: Helmut Markwort, früherer Chefredakteur und Herausgeber des Nachrichtenmagazins Focus und seit anderthalb Jahren Landtagsabgeordneter.

Bei einem Wahlkampfauftritt am Freitagabend in Grasbrunn machte der 82-Jährige deutlich, dass er zu seiner "Minderheitenmeinung" in der FDP stehe und von seinem Lob zur umstrittenen Wahl von Thüringen nichts zurückzunehmen gedenke. "Es war eine demokratische Wahl nach den Regeln der Demokratie und der Verfassung Thüringens", sagte Markwort vor etwa 25 Parteifreunden und Sympathisanten im Grasbrunner Hof. Und wenn Oliver Knapp, der Vorsitzende des kürzlich reaktivierten Ortsverbands, auch eine Gegenposition formulierte, so zeigte die Reaktion der Anwesenden, dass Markwort mitnichten eine Minderheitenmeinung in der Partei vertritt: Zweimal beklatschten sie die Worte ihres Stimmkreis-Abgeordneten.

Niemand habe mit der AfD kooperiert, sagte dieser. "Wenn mich jemand in geheimer Wahl wählt, dann ist das keine Kooperation." Ein "merkwürdiges Verständnis von Demokratie" attestierte Markwort dagegen - unter Applaus - der Kanzlerin, die noch am selben Tag von einem Staatsbesuch im Ausland aus gefordert hatte, die Entscheidung rückgängig zu machen. Seiner Meinung nach hätte Kemmerich dagegen weitermachen sollen statt "unter Druck" seinen Rücktritt anzukündigen.

Er jedenfalls habe Kemmerich gratuliert, weil er sich gefreut habe, dass "eine SED-Regierung abgewählt wurde, die die Verbrechen der DDR verharmlost", so Markwort. Kein Zwischenruf, dass es sich um eine Regierung von Linken, SPD und Grünen handelte und der von Markwort als "Kommunist" geschmähte Ex-Ministerpräsident Bodo Ramelow auch in breiten bürgerlichen Kreisen als wählbar gilt. Und auch hier kein Machtwort dazu, dass Markwort im Landtag für sein Hoch auf die Wahl Kemmerichs demonstrativ von der AfD-Fraktion beklatscht wurde.

Wie wenig hilfreich man im Ortsverband die Ereignisse von Thüringen im aktuellen Kommunalwahlkampf findet, sprach dagegen FDP-Ortsvorsitzender Knapp unumwunden aus. Vorher habe man zwei Sitze im Grasbrunner Gemeinderat als Ziel gehabt, nun wäre man schon mit einem zufrieden. Dafür bräuchte die FDP am 15. März etwa fünf Prozent. Im Ortsvorstand habe man jedenfalls eine "glasklare Meinung" zu Thüringen, so Knapp: "Die Wahl war völlig in Ordnung, aber Kemmerich hätte sie nach einer kurzen Denkpause ablehnen sollen."

Wie wenig hilfreich der Auftritt Markworts im Landtag und sein Beharren in Grasbrunn für den Wahlkampf sind, dazu sagten Knapp und Spitzenkandidat Sven Blaukat nichts. Markwort jedenfalls riet den Parteifreunden, an den Infoständen zwar zu Thüringen Position zu beziehen, ansonsten aber den Wählern zu erklären, dass es bei der Kommunalwahl um lokale Persönlichkeiten und örtliche Themen gehe. Und was das betreffe, spüre er bei seinen Besuchen in vielen Gemeinden "Aufbruchstimmung".

© SZ vom 17.02.2020
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