Keferloher Montag:"Corona muss uns endlich loslassen"

Keferloher Montag: Stammtisch als kleiner Ersatz für den Keferloher Montag: Hans Loidl, Klaus Rieger, Hannes Bußjäger, Josef Hornburger, Albert Ostler junior, Albert Ostler senior, Otto Bußjäger und Grasbrunns Bürgermeister Klaus Korneder (von rechts).

Stammtisch als kleiner Ersatz für den Keferloher Montag: Hans Loidl, Klaus Rieger, Hannes Bußjäger, Josef Hornburger, Albert Ostler junior, Albert Ostler senior, Otto Bußjäger und Grasbrunns Bürgermeister Klaus Korneder (von rechts).

(Foto: privat)

Zum zweiten Mal in Folge musste das Fest abgesagt werden. Organisator Hannes Bußjäger hofft auf 2022.

Interview von Stefan Galler, Grasbrunn

Einst war der Keferloher Montag die größte Menschenansammlung im Königreich Bayern und das größte Bierfest im ganzen Land. Die Veranstaltung ist sogar älter als das Münchner Oktoberfest: Schon 955 wurde sie als Markt erstmals abgehalten, nach einer längeren Durststrecke mit wenig öffentlicher Resonanz belebte der Verein "Freunde des Keferloher Montag" das Fest als politische Veranstaltung neu. An diesem Montag hätte das Event eigentlich stattfinden sollen, doch wegen Corona entschied sich der neue Vorsitzende Hannes Bußjäger schon im Frühjahr zu einer Absage - der zweiten nach 2020.

SZ: Herr Bußjäger, wir nehmen an, diese Absage ist Ihnen nicht leicht gefallen?

Hannes Bußjäger: Ich bin jetzt seit anderthalb Jahren Vorstand und habe noch keinen Keferloher Montag verantwortet, das ist schon sehr schade. Letztes Jahr hatten wir ja bis zum Juli gewartet, bis wir endgültig abgesagt haben. Heuer haben wir das früher entschieden, auch weil uns keine offizielle Stelle zusagen konnte, dass die Veranstaltung wirklich stattfinden kann. Alleine die Planungen kosten ja ein Heidengeld. Ich wollte auch nicht in die Position kommen, die Veranstaltung nur deshalb durchzuziehen, weil Bundestagswahl ist.

Dabei hatte der Keferloher Montag doch in den letzten Jahren einige sehr prominente Redner zu Gast. Zu Angela Merkel kamen rund 6000 Besucher, zu Markus Söder immerhin 2000. Und auch Olaf Scholz, Horst Seehofer, Edmund Stoiber Guido Westerwelle und Karl-Theodor zu Guttenberg standen schon auf der Gästeliste...

Schon unter meinem Vorgänger Albert Ostler war in den letzten paar Jahren der klare Kurs, den Keferloher Montag wieder weniger als politische Veranstaltung zu organisieren, sondern zurückzukommen auf den Ursprung: Also ein echtes Landwirtschaftsfest aufzuziehen, auf dem die Bürger sehen, wie alles funktioniert, denn das wissen die wenigsten. Und hier kann man viel Positives vermitteln. Wir hätten auch dieses Jahr wieder ein Stierschätzen gemacht, wollten historisches Pflügen mit Dampfpflug zeigen, einen Getreide- und Kartoffeltag ins Programm nehmen. Der Marktgedanke sollte im Mittelpunkt stehen.

Aber ganz ohne Politik geht es vermutlich auch nicht. Oder wollen Sie in Zukunft nur noch auf die Karte Landwirtschaft setzen?

Ich bräuchte die politischen Reden eigentlich nicht, ehrlich gesagt bin ich kein parteipolitischer Mensch. Ich sitze zwar im Grasbrunner Gemeinderat, weil ich meine Meinung sagen will, dafür sind die Freien Wähler die ideale Partei. Grundsätzlich ist mir meine Rolle als Kommandant der Freiwilligen Feuerwehr Grasbrunn aber noch wichtiger, weil ich da das Gefühl habe, direkt helfen zu können. Beim Keferloher Montag werden wir vermutlich schon deshalb nicht ohne Festredner auskommen, weil die Politiker auch Besucher anziehen. Mit einem Kabarettisten locke ich am Montag niemanden aus dem Büro raus. Ein guter Besuch ist aber unerlässlich, damit sich der ganze Aufwand auch für den Wirt rechnet. Und da muss man sagen, dass wir mit Theo Heupgen wirklich absolut Glück haben. Er steht voll hinter dem Keferloher Montag.

Wie steht es denn aktuell um die traditionsreiche Gaststätte Gut Keferloh, auch vor dem Hintergrund von Corona?

Die Wirtschaft kommt über die Runden, der Biergarten hat jeden Tag geöffnet, von Mittwoch bis Sonntag sogar schon ab 12 Uhr. Aber klar ist auch, ich weiß das von unserem eigenen Hotel: Man hat immer Angst vor den neuen Zahlen und dass wieder alles zugemacht werden muss.

Wie haben Sie denn den eigentlichen Festtag am Montag verbracht? Im Vorjahr hat sich der Verein ja zumindest intern getroffen.

Wir haben uns auch diesmal wieder auf dem Gut Keferloh zusammengesetzt, Theo hat uns Weißwürste spendiert. Grasbrunns Bürgermeister Klaus Korneder war auch dabei. Aber wir haben es bewusst klein gehalten. Und von den Politikern, die unserem Verein angehören, sind einige mitten im Wahlkampf, andere noch im Urlaub.

Und 2022 soll es dann wieder einen echten Keferloher Montag geben. Oder haben Sie daran Zweifel?

Wir schauen nach vorne und denken positiv. Corona muss uns endlich loslassen. Aber wir sind guter Dinge, dass wir im Februar in die Planungen einsteigen können.

Wäre denn ein Hygienekonzept mit Kontrollen am Eingang auf einem so großen Gelände überhaupt vorstellbar?

Eingangskontrollen und ein umzäunter Festbereich sind für mich als freiheitsliebender Mensch undenkbar. Das wäre eine Gefängnisatmosphäre, die nicht zu einem Volksfest passt. Auch personell wäre der Aufwand nicht zu stemmen. Da bräuchte man ja ein paar Dutzend Leute, um einige tausend Besucher zu kontrollieren.

© SZ vom 07.09.2021/sab
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