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Julian Nida-Rümelin:Der Selbstbewusste

Warum der Philosophie-Professor Julian Nida-Rümelin nicht mehr davon träumt, OB von München zu werden, sich aber ein Comeback in der Bundespolitik durchaus vorstellen kann.

Wenn der Philosophie-Professor Julian Nida-Rümelin im September in München einen großen Philosophen-Kongress eröffnen wird, könnte er gut und gerne am eigenen Beispiel in das Thema einführen. Denn die 400 Philosophen, die für fünf Tage in München zusammenkommen werden, beschäftigen sich mit der "Welt der Gründe". Kurz gesagt, geht es dabei darum, dass es für alles Gründe und Gegengründe gibt. Und ob diese Gründe logisch sind oder nicht, ob sie rational sind oder auf mentalen Prozessen beruhen, ob sie objektiv oder subjektiv sind - das ist ein höchst komplexes Feld.

"Es läuft wunderbar": Julian Nida-Rümelin fühlt sich momentan sehr wohl in seinem Beruf als Philosophie-Professor. Dass er eines Tages aber noch einmal in die Politik geht, will er nicht ausschließen.

(Foto: Stephan Rumpf)

So komplex wie die Gründe, Gegengründe und Hintergründe, die mit der Frage zusammenhängen, in welchem Maß der Philosoph Nida-Rümelin ein denkbarer Nachfolger von Münchens Oberbürgermeister Christian Ude gewesen wäre und warum er es jetzt nicht mehr ist. Nida-Rümelin hat sich kurz vor Weihnachten aus dem Rennen der möglichen Kandidaten genommen, und er hat dies in dieser Woche noch einmal bekräftigt.

Aber hat er damit eigentlich überhaupt nein gesagt? Für Julian Nida-Rümelin ist eine OB-Kandidatur immer nur "eine Option" gewesen. Und insofern hat er jetzt auch nicht nein gesagt, ganz einfach, weil er vorher auch nicht definitiv ja gesagt hat. Sondern er hat aus seiner Sicht die Gründe nebeneinander gelegt, die für und gegen eine Kandidatur sprechen.

Und weil Julian Nida-Rümelin ein Mann ist, dem es weder an Selbstbewusstsein noch an der Fähigkeit gebricht, sich selbst ins rechte Licht zu rücken, legt er Wert auf die Feststellung, dass ein Grund ganz bestimmt nichts mit seinem Rückzug zu tun hat. Dass er sich nämlich keine Chancen mehr ausgerechnet habe. Das sei "eine massive Fehleinschätzung". "Wenn morgen SPD-Parteitag wäre und Reiter, Reissl und ich anträten, würde ich vermutlich gewinnen, das schätze nicht nur ich so ein", sagt Nida-Rümelin. Und unterstreicht es mit einer Geste, die ausdrückt, dass der Sieg eher deutlich ausfallen würde.

Ude will "Schwergewicht" als Nachfolger

Wer sich in der Münchner SPD zu Nida-Rümelin umhört, bekommt, wie man heute so sagt, ein durchaus positives Feedback. Gewiss, die politische Ochsentour war nie sein Ding, um ein Mandat hat er sich nie bemüht. Aber er hat durchaus Parteifunktionen übernommen, war Vorsitzender eines Kreisverbandes und für mehrere Jahre auch stellvertretender Münchner SPD-Chef. Und dass einer, der von Berufs wegen schwer verständliche Bücher schreibt, die Titel tragen wie Kritik des Konsequentialismus oder Strukturelle Rationalität, bei Veranstaltungen so anschaulich und allgemeinverständlich formulieren kann, dass es jeder versteht, das hat den Genossen an der Basis schon immer gefallen.

Warum also der Rückzug? Wo doch Christian Ude selber ausdrücklich ein "Schwergewicht" als Nachfolger gefordert hat? Julian Nida-Rümelin hat, wie er selber sagt, seine Bereitschaft immer an Bedingungen geknüpft. Die wichtigste davon war, dass eine zweite Amtszeit möglich sein müsse. Er wäre bei der Wahl 2014 fast 60, im Jahr 2020 dürfte er kein zweites Mal mehr antreten, weil er die Altersgrenze von 65 Jahren überschritten hätte.

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