Jazz: Charles Lloyd im Gespräch:"Ich habe jede Nacht an sie gedacht"

Lloyd: Ich habe mit ecm einen Vertrag, der ist eine Seite lang. Darin steht, du bist bei uns und wir sind mit dir, bis einer beschließt, sich zu trennen. Das entspricht mir. Seit 1989 sind sie fair zu mir. Nach den ersten Erfolgen kam einmal eine US-Firma mit einem enormen Angebot. Finanziell und mit dem Versprechen, mir alles einfacher zu machen. Ich ging zu Manfred (Eicher, Chef von ecm) und sagte ihm, ich würde vielleicht das amerikanische System probieren. Er meinte: "Wir bauen doch gerade erst etwas auf, warum willst du das aufgeben? Wir wissen, wie es geht. Wir wissen, wer du bist. Wir machen Zauberei zusammen. Willst du das zerstören?" Die Amerikaner kamen mit einem 42-Seiten-Vertrag, den ich gar nicht lesen sollte. Ich tat es trotzdem in einem Nebenzimmer. Was da drin stand, war Sklaverei. Also rief ich Manfred an und fragte, ob ich bleiben kann. Er sagte: Natürlich. Also, diesen Fehler werde ich nie wieder machen. Es ist vielleicht klein und langsam, was wir machen, aber es ist ehrlich und integer. Und ironischerweise ist die Plantage inzwischen ja geschlossen.

SZ: Sie arbeiten bevorzugt im Quartett...

Lloyd: ...das scheint so, aber schon das ist ein viel größeres Orchester. Ich arbeite mit sympathischen Seelen, es hängt vom Kontext ab... (er holt sein Laptop und spielt neue, sehr getragene Mikis-Theodorakis-Stücke vor, mit seinem Saxophon, Orchester und der Sängerin Maria Farantouri)... das ist das nächste Projekt.

SZ: Sie lieben also Sänger?

Lloyd: Ja, als Kind wollte ich einer werden. Aber ich hatte nicht die Stimme dafür. Also wurde das Saxophon meine Stimme.

SZ: Warum haben Sie dann so selten mit Sängern gearbeitet?

Lloyd: Weil es so lange gedauert hat, bis ich Maria Farantouri traf.

SZ: Interessiert Sie der aktuelle Jazz?

Lloyd: Nun, wir arbeiten jeden Abend selbst daran. Ich bin altmodisch, ich kann dazu sonst nichts sagen. Karrieren. Kennen Sie deren drei Stufen? Anfangs verreißen dich alle, alles Mist; dann zertrampeln sie dich und sagen, das wird nie was. Schließlich sagen alle: Wir haben schon immer gewusst, dass er ein Großer ist.

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