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Hohenbrunn:Mörderisch ambitioniert

Kann mittlerweile vom Schreiben leben: Bestseller-Autorin Inge Löhnig.

(Foto: Claus Schunk)

Wenn Krimiautorin Inge Löhnig etwas anpackt, dann richtig - der Erfolg gibt der Bestsellerverfasserin Recht.

Auf ihren Büchern klebt mittlerweile ein orangefarbenes Etikett, in ihrem Arbeitszimmer hängt ein orangefarbenes Plakat: Spiegel-Bestseller, Platz 17. Inge Löhnig aus Hohenbrunn ist als Krimiautorin erfolgreich. Ihre Romane rund um den Kommissar Konstantin Dühnfort und seine Partnerin Gina Angelucci verkaufen sich inzwischen so gut, dass die gelernte Grafikerin vom Schreiben leben kann. Dabei hat Löhnig erst relativ spät damit angefangen - als 2008 ihr erster Roman erschien, war sie schon Anfang 50. Aber weil ihr Lebensmotto "wenn, dann richtig" heißen könnte, gab es für sie auch bei ihrem Hobby nur einen Weg: reinhängen - und zwar mit ganzer Kraft.

Zwischen Liebesroman im Schulheft und Bestseller lag viel Lernen

Löhnig mag sie nicht, diese "Klimper-Klimper-Frauen", die meinen, mit einem hübschen Augenaufschlag kämen sie überall hin. Löhnig ist nicht so. Sie war schon immer ehrgeizig - und anspruchsvoll. "Das kann ich auch und das kann ich besser", dachte sie sich, als sie einen Krimi las, der von den Kritikern zwar gelobt wurde, aber ihre eigenen Erwartungen nicht erfüllen konnte. Also begann sie selbst mit einem eigenen Kriminalroman.

Den Traum vom eigenen Buch hatte Löhnig schon lange im Hinterkopf. Mit 17 kritzelte sie mal mit Kuli einen Liebesroman in ein Schulheft. Aber bis auf dieses Experiment war Löhnig immer diejenige, die Wörter verschlang und nicht die, die sie ausspuckte. Doch nun wollte sie es versuchen. Ein Jahr und um die 200 Seiten später kam die bittere Erkenntnis: So einfach ist das mit dem Schreiben doch nicht. Löhnig hatte zwischen allen möglichen Handlungssträngen und Figurenkonstellationen den Überblick verloren. Aufgeben wollte sie trotzdem nicht. Sie besuchte einen Workshop für Autoren, kaufte sich Handbücher. Und gelangte bald zu Erkenntnis Numero zwei: Auch Schreiben ist ein Handwerk, das man erlernen muss.

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Zusammengefaltet in einem Ordner hat sie ihn noch - den Entwurf zu ihrem ersten Kriminalroman "Der Sünde Sold". Wenn sie das Papier auseinanderklappt, ist es mehrere Meter lang. An den kleinen Löchern sieht man, wo es an der Wand hing. Mit Bleistift hat Löhnig die Handlung eingetragen, die einzelnen Handlungsstränge sind farbig markiert. "Langsam hat sich so das Wollknäuel in meinem Kopf entwirrt", sagt sie. So systematisch geht Löhnig bei ihren Büchern immer noch vor, auch wenn sie derzeit schon ihren 15. Roman verfasst. Bevor sie mit dem Schreiben beginnt, weiß sie stets, wie die Geschichte ausgehen und was in den Kapiteln passieren soll. Einfach so darauf los - das hat sie inzwischen gelernt - funktioniert bei einem Krimi nicht.

Details recherchiert die Autorin genau

Löhnig will aber nicht nur möglichst spannende Fälle erzählen, sie sollen auch möglichst realistisch sein. Und dafür ist Recherche notwendig. "Wenn ich am Anfang irgendwo anrief und mich als Krimiautorin vorstellte, habe ich mich wie eine Hochstaplerin gefühlt", sagt Löhnig. Etwa, als sie für ihren ersten Fall einen Autohändler aus Ottobrunn fragte, ob man von Reifenspuren auf einen Fahrzeugtyp schließen kann. Inzwischen sind solche Anrufe selbstverständlich geworden, ob bei Pressestellen oder Psychologen. Bei Details, was die Polizeiarbeit betrifft, fragt sie bei einem Münchner Kommissar nach, den sie vor Jahren durch Zufall kennenlernte.

Ihr neuester Dühnfort-Krimi erscheint voraussichtlich nächstes Jahr im Mai. Und gerade steckt Löhnig mitten in der Schreibphase. Das heißt: jeden Morgen um sechs Uhr aufstehen und sich mit einer Tasse grünem Tee hinter den Laptop klemmen. Zwei Drittel hat sie inzwischen geschafft. Auch ein Kapitel, das bereits im Februar viel Aufmerksamkeit erregt hatte, ist inzwischen fertig: Da hatte Löhnig unter ihren Lesern eine Rolle versteigert - für Dühnfort-Fans die Chance, einmal in einem Krimi vorzukommen.

Tatsächlich war die Beteiligung groß, insgesamt kamen 2000 Euro zusammen. Den Betrag spendete Löhnig für die Flüchtlingsarbeit. Der Meistbietende, ein Zahnarzt aus Gauting, ersteigerte die Rolle für seine Frau. "Sie ist eine Zeugin. Und Dühnfort ist ganz begeistert von ihrer riesigen Kaffeemaschine", erzählt Löhnig. Sie hat die Dame in ihrem Zuhause getroffen und sich davon inspirieren lassen. Auch bei Löhnigs anderen Figuren gibt es reale Vorbilder. Dühnfort etwa hat seine Kaffeeleidenschaft und seinen Hang zum Genuss von ihrem Ehemann. "Ich beobachte gerne Menschen und dann fließen alle möglichen Facetten mit ein." Authentizität ist ihr wichtig, und dabei will sie nicht immer nur die gleichen Klischees nacherzählen. Und so ist Dühnfort im Gegensatz zu den verschrobenen, beziehungsgestörten und ständig schlecht gelaunten Tatortkommissaren erschreckend normal. "Er soll auch eine Art Kontrapunkt zu all dem Schrecklichen, was in den Büchern passiert, sein."

Die Nebenrolle im nächsten Krimi versteigerte Löhnig für einen guten Zweck

Wenn Löhnig über ihre Charaktere spricht, merkt man, dass sie jeden im Laufe der Zeit lieb gewonnen hat - und sich etwas bei ihnen gedacht hat. "Was mich besonders interessiert, ist nicht, wer eine Tat begangen hat, sondern warum." Was passiert mit Kindern, die von ihren Eltern nie Anerkennung bekamen? Was mit Eltern, deren Kindern zu Mördern werden? Und obwohl ihre Dühnfort-Reihe in München spielt, will sie keine typischen Regional-Krimis mit Schenkelklopfer-Witzen schreiben. Ihr ist Ernsthaftigkeit wichtig.

Dabei ist sie nicht verbissen. Löhnig ist eine Frau, die viel lacht, gerne Cappuccino trinkt und Kekse isst. Aber sie ist auch ehrgeizig. Bevor sie anfing, Lesungen zu geben, nahm sie Sprechtraining. Vor einem solchen Auftritt bereitet sie sich immer noch an die 40 Stunden vor, sucht die passenden Stellen heraus, sitzt stundenlang im Wohnzimmer und liest laut vor. "Vielleicht bin ich einfach so erzogen, aber wenn, dann will ich es richtig machen."