Firmenansiedlung in Haar:Eine Manufaktur wie ein Blitz

Firmenansiedlung in Haar: In der Nanotechnologie wird mit Elementen in der Größe eines Millionstel Millimeters gearbeitet; also auf der Ebene von Molekülen und Atomen. Das Bildungsministerium schickt einen Nano-Truck auf Tour, um diese Technologie Schülern nahezubringen.

In der Nanotechnologie wird mit Elementen in der Größe eines Millionstel Millimeters gearbeitet; also auf der Ebene von Molekülen und Atomen. Das Bildungsministerium schickt einen Nano-Truck auf Tour, um diese Technologie Schülern nahezubringen.

(Foto: Photographie Peter Hinz-Rosin)

Das Nanotechnologie-Unternehmen Attocube plant für 300 Mitarbeiter einen neuen Firmensitz am Bahnhof.

Von Bernhard Lohr, Haar

Es war ein intensiver Flirt, von Anfang an. Und schnell folgte die Verlobung. Mittlerweile sind die Eheringe so gut wie ausgetauscht. Mit der Gemeinde Haar und der Attocube AG haben offenkundig zwei zueinander gefunden, die wie füreinander gemacht sind.

Diesen Eindruck vermittelten Bürgermeisterin Gabriele Müller (SPD) und der Gründer und damalige Geschäftsführer des Hightech-Unternehmens, Dirk Haft, bereits im vergangenen Jahr, als beide die Pläne für eine Firmenansiedlung in der Gemeinde im Gemeinderat vorstellten. Nun trat Haft wieder im Gemeinderat auf. Die Botschaft war klar: Attocube kommt.

Das Unternehmen ist in einer Zukunftsbranche tätig. Die Forscher entwickeln hochsensible Geräte im Bereich der Nanotechnologie, wo es um Millionstel-Teile eines Millimeters geht und Moleküle und Atome den Maßstab bilden. In diesen Dimensionen bauen die Mitarbeiter Antriebe, Rastersonden-Mikroskope und Produkte im Bereich Sensorik.

Das Unternehmen tauscht die Königinstraße in München mit Haar

Noch residiert dieses Unternehmen mit derzeit gut 80 Mitarbeitern an der Königinstraße am Englischen Garten in München. Von dieser noblen Adresse geht es in einen Neubau direkt auf der Nordseite des Haarer Bahnhofs, wo die Gemeinde mit dem sogenannten "Haarer Dreieck" ein Gewerbegrundstück anbietet. Wie die Gemeinde mitteilt, ist man mit der Firma Wittenstein in "aussichtsreichen Verhandlungen" über den Grundstückskauf. In der Wittenstein AG steht ein starkes Mutterunternehmen mit knapp 2000 Beschäftigten weltweit hinter Attocube. Attocube-Gründer Dirk Haft stieg zuletzt in den Vorstand des Unternehmens aus Igersheim in Nordosten von Baden-Württemberg auf. Er ist dort für Innovationen zuständig. Geschäftsführer bei Attocube ist jetzt Martin Zech.

Haft war jedenfalls auch jetzt wieder im Gemeinderat, als dieser einstimmig beschloss, für das künftige Firmengrundstück östlich des Marieluise-Fleißer-Wegs einen vorhabenbezogenen Bebauungsplan aufzustellen. Er ist mit dem Projekt eng verbunden, den Firmensitz nach Haar zu verlegen, auch weil er selbst in Gronsdorf lebt. Man habe viele Grundstücke im Münchner Umland geprüft und dieses in Haar als besten Standort ausgemacht, sagte er vor einem Jahr.

Und auch dieses Mal machte er deutlich, dass unter anderem die unmittelbare Nähe zur S-Bahn ein wichtiges Kriterium ist. Eine zentrale Lage, im Grünen, so wie am Königsplatz, das wird geschätzt. Man habe Mitarbeiter, die vieles auch aus Überzeugung machten, sagte Dirk Haft, und sich bewusst mit dem Fahrrad oder öffentlichen Verkehrsmitteln fortbewegten. 42 Fahrradstellplätze sind am Firmensitz vorgesehen. Selbstredend zeigte sich Haft sicher, dass die vorgesehenen 83 Parkplätze für Autos, von denen 32 in einer Tiefgarage liegen, ausreichen werden.

Ein öffentliches Cafe soll es in der Manufaktur auch geben

Planer Stefan Sinning von Henn-Architekten stellte im Gemeinderat das Gebäude vor, das architektonisch mit viel Glas über drei Geschosse am Haarer Bahnhof ein Zeichen setzen soll. Die Manufaktur, von der dabei immer die Rede ist, wird im Grundriss wie ein Blitz angeordnet sein und Bereiche für Forschung und Produktion enthalten. Der Bau solle mit viel Glas hell und licht werden und für Transparenz stehen, sagte Sinning. Auch ein öffentliches Café werde es auf Wunsch der Gemeinde geben. Das Dach wird mit Ausnahme einer Dachterrasse begrünt und der Niedrigenergiehaus-Standard KfW-55 erfüllt. Die Baumallee westlich des Marieluise-Fleißer-Wegs soll erhalten bleiben.

Der Bau einer neuen Firmenzentrale ist an sich schon ein Zeichen. Dass diese bei einem Mitarbeiterstamm von gut 80 Personen für 300 Mitarbeiter ausgelegt ist, zeigt - zuletzt war von anfänglichen Untervermietungen die Rede -, was man sich noch alles bei dem Unternehmen erwartet, das erst in den vergangenen Jahren aus dem Umfeld der Universitäten in den Industriebereich vorgedrungen ist.

Attocube hat einen Namen in Harvard, in Yale, in Oxford und arbeitet mit Siemens und Toshiba zusammen. Man zählt nach eigenen Angaben 1500 Kunden in 60 Ländern auf allen Kontinenten. Im Geschäftsjahr 2014/15 erwirtschaftete die Attocube AG bei einem Umsatz von 11,6 Millionen Euro einen Bilanzgewinn von knapp vier Millionen Euro und sah sich laut Geschäftsbericht auf einem stabilen Wachstumspfad.

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