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Grünwald:Männerträume hinter Glas

20, 30 Autos - kein Problem: Es gibt Leute, die haben zehn Ferraris geleast.

(Foto: Claus Schunk)

Im Showroom blitzen die Boliden. Die Grünwalder Ail-Leasing versorgt ihre betuchte Kundschaft seit 32 Jahren mit sündhaft teuren Luxusautos und setzt damit jährlich 160 Millionen Euro um.

Peter Schiessl ist entzückt, dass sein Showroom aufgefallen ist. Er hat ja schon immer geahnt, dass die Anmietung des verglasten Rundbaus vor gut fünf Jahren genau das Richtige war.

Denn schließlich fahren auf der Südlichen Münchner Straße laut offiziellen Zählungen rund 30 000 Autos täglich vorbei, deren Fahrer einen Blick auf die glänzenden Karossen hinter Glas werfen können. Klar, das seien auch oft dieselben, sagt der Vorstand (CSO) der Firma Ail-Leasing mit leichtem Bedauern. Aber immerhin.

Nicht dass die Firma Ail-Leasing große Werbung nötig hätte. Mit 160 Millionen Euro Jahresumsatz steht sie ohnehin gut da. Und ist eine der sehr wenigen privat geführten Leasing Gesellschaften in Deutschland überhaupt und ganz sicher die größte all dieser. "Die meisten machen höchstens ein Drittel von unserem Umsatz", versichert Schiessl. Alle anderen Leasingfirmen seien in Händen von Autobanken oder Versicherungen.

Die wunderschönen Autos sollten nicht nur in der Garage stehen

Erfolg war also auch vor dem runden, gläsernen Showroom schon da, gleich nach der Gründung 1984 durch die beiden Freunde Peter Schiessl, heute 58, und Darius Ahrabian. Ahrabian ist immer noch Mitgesellschafter. Aber es tat Schiessl eben doch sehr leid, als seine wunderschönen Autos noch ausschließlich in der Tiefgarage standen.

Es wäre auch wirklich schade, wenn der Porsche GT2 mit Käfig und Leistungssteigerung in Schwarz mit ebensolchen Sitzen, der schwarze Ferrari 365 GT/B, der nur 365 mal gebaut wurde, der Porsche Turbo S 2014 in Anthrazit mit schwarzen Ledersitzen, der Porsche 991 Black Edition oder der anthrazitgraue "Flügeltürer" Mercedes Benz SLS AMG Coupe GT "Final Edition" ihr Dasein unter der Erde fristen müssten. Vor allem Letzterer ist der Eyecatcher hinter dem Glas, wie er so elegant seine Flügel ausbreitet. 490 000 Euro ist er wert, so steht es auf dem Zettel. Leasen kann man ihn mit einer Anzahlung von 98 000 Euro und einer Schlussrate von 228 000 Euro sowie einer monatlichen Leasingrate von 5563 Euro. Er kommt somit für den typischen Hauptkunden von Ail-Leasing in Frage: den erfolgreichen männlichen Unternehmer. Der übrigens bei weitem nicht immer aus Grünwald stammt, versichert Schiessl.

Auf einen edlen Benz etwa, hinter dem sich Unternehmenschef Peter Schiessl postiert.

(Foto: Claus Schunk)

Die Kunden kommen aus ganz Deutschland, der Standort Grünwald hat wie bei so vielen Unternehmen einen ganz simplen Grund: "Die Gemeinde ist natürlich sexy mit der Gewerbesteuer", sagt Schiessl. "Damit kann man im Vergleich zu München schnell mal 200 000 oder 300 000 Euro im Jahr sparen."

7000 Kunden sind mit geleasten Autos unterwegs

Wie viele Kunden hat Ail-Leasing? "7000 lebend" sagt Schiessl und meint mit "lebend" nicht die Menschen, sondern die Verträge, also in anderen Worten aktive Kunden, die gerade mit einem geleasten Auto unterwegs sind. Rechne man auch die noch mit, die momentan pausieren, aus welchen Gründen auch immer, seien es an die 10 000. Dabei müsse man sich unter den 7000 lebenden Verträgen auch mehr oder weniger 7000 Autos vorstellen. "Wir haben kaum Flotten", sagt Schiessl. Also nur sehr wenige Kunden, die mit einem Vertrag gleich einen halben Fuhrpark mieten.

Etwa 50 Prozent der Autos besorgt Ail-Leasing. Die andere Hälfte wird von den Kunden selbst gefunden. "Es gibt Kunden, die möchten ein Auto, das 50 000 Euro kostet, haben aber das Geld nicht. Die haben vielleicht genug für eine Leasing Rate, aber nicht die Summe für einen Kauf." Dann wenden sie sich an Ail, die den Wagen kauft und ihn an denjenigen vermietet. "Das ist ja Teil unseres Geschäfts", sagt Schiessl.

Die vergleichsweise weniger Betuchten und die Sammler

Neben diesen vergleichsweise weniger betuchten Kunden gibt es auch noch die Sammler. "Wir haben Leute, die haben zehn Ferraris geleast", sagt Schiessl. Auch die aber fahren nicht alle in Grünwald herum sondern in Hamburg, Berlin, "aber auch in Augsburg, wo man es nicht so erwartet", verrät Schiessl. Zu den zehn Ferraris gehört dann übrigens auch ein gewisser Service. Zum einen stellt Ail gerne ein paar der Fahrzeuge auf seinen Flächen ab - nein, nicht im Showroom, auch nicht in der Tiefgarage ein paar Hausnummern weiter, sondern an geheim gehaltenen Orten. Und wenn der Sammler die nächste Woche lieber mit einem anderen der Ferraris ausfahren möchte, wird ihm dieser auch gebracht und der andere abgeholt.

Wer bei Renata Ferlant am Empfang von Ail-Leasing an der Südlichen Münchner Straße erscheint, steht in der Regel auf noble, teure Fahrzeuge.

(Foto: Claus Schunk)

Zehn Ferraris sind aber nun nicht das höchste. Rund zehn Kunden habe er, die an die 30 Autos gleichzeitig geleast haben. Privat, versteht sich. 20, zehn oder fünf Autos gleichzeitig, das ist nun gar nichts Besonderes mehr. "Da gibt's ganz viele", sagt Schiessl. Nicht zu vergessen sind bei den Auto-Sammlern natürlich die Oldtimer. Auch hier hat Ail alles, was das autoaffine Herz begehrt, und organisiert auch selbst einmal im Jahr eine Oldtimer-Ausfahrt,die Espresso-Rallye: Maserati, Porsche, Jaguar, Alfa Romeo. Die teuersten sind bis zu zehn Millionen Euro wert. Sollte ein Sammler nicht genug für Anzahlung, Leasingrate und Restwert flüssig haben, kann Ail auch mit der Finanzierung helfen.

Der typische Kunde: männlich

Ja, bestätigt Schiessl, der typische Kunde ist männlich. Der typische autoaffine Mann liebt auffallende Autos mit beeindruckender Performance. Kleinere Fahrzeuge, etwa ein Range Rover Evoque TD4 im Wert von 62 900 Euro, Anzahlung 12 580 Euro, Leasingrate 714 Euro, würden eher als Zweitwagen für die Ehefrau genommen. Ganz kleine Autos muss Schiessl auf seiner Homepage regelrecht selbst suchen, etwa den Toyota IQ, gebraucht, mit einem Wert von 10 900 Euro, Anzahlung 2000 Euro, Leasingrate 124 Euro, Restwert 5400 Euro. Das, sagt Schiessl, sind normalerweise die Autos für Söhne und Töchter.

Nun möchte man aber von dem seit Jahr und Tag autoaffinen Chief Security Officer dieser Firma - war schon im Alter von 21 Seniorverkäufer bei Mercedes, fuhr 15 Jahre lang Porsche Langstreckenrennen und 24-Stunden-Rennen, hat zu Hause eine Hebebühne und einige Oldtimer, etwa eine Corvette, an denen er gerne herumschraubt - aber noch wissen, was es denn genau ist, das Männer an kostspieligen Autos so reizt. "Man will gesehen werden", gibt er gerne zu. "Ein teures Auto dokumentiert Erfolg. Und die neidischen Blicke machen durchaus Spaß." Der Mann trage ja auch sonst keinen Schmuck, außer eben einer Rolex. Da schmücke er sich schon mal gerne mit einem Auto.

"Das alles hier braucht kein Mensch", gibt Schiessl mit einem Blick durch den Showroom zu. "Aber es ist doch toll, wenn es Leuten gefällt."

© SZ vom 29.08.2016/belo
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