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Grüne: Rücktritt von Hanna Sammüller:Generationswechsel dringend nötig

Als Parteichefin hat Sammüller nicht nur gelernt, ihre Meinung zu sagen, sondern auch, ihre eigene Auffassung hintanzustellen, um die Partei nicht zu zerreißen. Es gibt deshalb Momente, in denen sie ihre Mitbewohnerin beneidet: Katharina Schulze, die 25-jährige Chefin der Grünen Jugend. "Die Katha darf mehr fordern. Das verzeiht man der Grünen Jugend nicht nur, das erwartet man."

Zum Beispiel beim Thema Olympia. Es war die Jugend, die bei den Grünen zuerst gegen die Münchner Bewerbung für die Winterspiele 2018 war und 2007 gefordert hatte, die Bewerbung im Kommunalwahlprogramm abzulehnen. Über den Antrag wurde nie abgestimmt, "damals wurden wir belächelt", sagt Schulze.

Doch inzwischen ist auch der Landesverband gegen Olympia in Bayern, und Sammüller hatte gehofft, dass auch die Basis in München der olympiabegeisterten Stadtratsfraktion die Unterstützung entzieht. Es kam zu einer Kampfabstimmung, die Olympiagegner verloren und Sammüller muss seither versuchen, die Spaltung der Partei zu begrenzen.

Deshalb war sie froh, dass jetzt ein anderes großes Thema aufgekommen ist: die Atompolitik. "Da gibt es keine Spaltung, keine unterschiedlichen Ansichten", sagt Sammüller. Sie weiß, wie wichtig das für die Partei nach dem ungelösten Streit über Olympia ist. Auch für die Jungen hat das grüne Kernthema schlechthin nicht an Bedeutung verloren, im Gegenteil.

"Das ist unsere Zukunft! Die Fakten liegen auf dem Tisch: 100 Prozent erneuerbare Energien sind machbar. Warum gibt es dann immer solche bescheuerten Kompromisse?", empört sich Katharina Schulze. Gemeinsam arbeiten die Grünen an Plakaten und Parolen für die Menschenkette am 9.Oktober, ganz wie früher, bei einer "atompolitischen Bastelstunde".

Diese harmonischen Momente zwischen Alt-Grünen und dem Nachwuchs können aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass die Jungen immer lauter einen Generationenwechsel fordern. Sammüller gehört zu den Vorkämpfern, auch wenn sie schon vor ihrem Rückzug jedem, der es hören wollte, sagte, dass sie sich damit nicht selbst in ein Mandat hieven will. Bei ihr steht die Doktorarbeit an erster Stelle, dann der Berufseinstieg als Juristin. "Ich würde als Politikerin immer die Option haben wollen, in einen Beruf zurückzukehren", sagt sie.

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