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Grüne Gans:Retro in der Puppenstube

Chefin Inge Stollberg in der Grünen Gans.

(Foto: Catherina Hess)

Die Grüne Gans ist eigen, bisweilen altmodisch. Doch gerade, weil die Wirtsleute Inge und Julius Stollberg die neue Sterneküche verschmähten, wurde ihr Restaurant jetzt ausgezeichnet.

Retro-Küche liegt im Trend, selbst Johann Lafer hat den Toast Hawaii für das 21. Jahrhundert adaptiert, Clemens Wilmenrod zu Ehren. Bis Mitte der sechziger Jahre hatte der Schauspieler Wilmenrod in der Rolle des ersten deutschen Fernsehkochs der neuen Ess-Welle neuen Schwung verliehen.

Und von einer Wirtschaftswunder-Karriere im feinen Restaurant träumten damals viele, auch eine junge kaufmännische Angestellte, die in der Promibar "Grüne Gans" nahe dem Viktualienmarkt hinter der Theke und in der Küche jobbte. Im Jahr 1966 erfüllte sich die kaufmännische Angestellte Inge Stollberg ihren Traum und übernahm zusammen mit ihrem Mann Julius die Grüne Gans am Einlaß 4.

Und mit Wunder hat diese Geschichte auch zu tun, weil die beiden das Restaurant bis heute leiten, sie in der Küche, er im Weinkeller und im Büro. Selbst Kellner Dieter - der Name steht auf dem weißen Schild, das er am Revers seines Butler-Gewandes trägt - gehört seit Jahren sozusagen zum Inventar.

Einige Stufen führen von der Straße aus hinab in einen Raum, den die Wirte als Puppenstube bezeichnen, und der Platz für 23 Gäste bietet. Der Name Grüne Gans soll von einem Prager Puppentheater stammen. Im Restaurant mit seiner alten Mahagoni-Vertäfelung, mit der Fotogalerie der Gäste-Prominenz vergangener Jahrzehnte an den Wänden, taucht man in frühere Zeiten ein.

Die weiß gedeckten Tische allerdings stehen so dicht, dass man das Lokal nie ausgebucht erleben möchte, was der Kostproben-Crew nicht passiert ist. Gäste traten nur sehr vereinzelt auf. Die Grüne Gans präsentiert sich als gehobenes Restaurant, das Gedeck kostet 1,80 Euro pro Person.

Die wohltuend kleine und irritierend gleichbleibende Speisenkarte bietet ein dreigängiges Menü für 48 Euro, für jeden Gang stehen vier bis sechs Gerichte zur Wahl, die man auch einzeln bestellen kann (Menü ohne Dessert 37,50). Nun befinden sich die Wirtsleute Stollberg derzeit im Glück, weil der "Gault Millau 2010" dem Lokal 14 Punkte verliehen hat.