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Großes Theater:Mit Kater und Courage

Magisches Spektakel: Die Schauspieler des Unterföhringer Projekts "Junges Bürgerhaus" bringen in der modernen Inszenierung von "Der satanarchäolügenialkohöllische Wunschpunsch" ein sozialkritisches Märchen auf die Bühne.

(Foto: Catherina Hess)

Bei der Inszenierung von Michael Endes "Der satanarchäolügenialkohöllische Wunschpunsch" in Unterföhring bleiben keine Wünsche offen. Die Schauspieler des Theaterprojekts "Junges Bürgerhaus" zeigen eine moderne und sozialkritische Adaption des Stückes

Das mit den Wünschen ist so eine Sache. Einerseits soll man es nicht übertreiben, sonst bleibt ja nichts mehr, wofür man sich anstrengen müsste, weil alles so kommt, wie beim Universum oder anderen höheren Mächten bestellt. Auf der anderen Seite macht aber doch nichts mehr Spaß als sich auszudenken, wie es wohl wäre, wenn all die Träume in Erfüllung gingen, das Leben nur eine reine Freude wäre und alle einfach wunschlos glücklich wären bis ans Ende ihrer Tage.

Dass ein magisches Gebräu, wenn es denn in die falschen Hände gerät, genau diese schöne Vorstellung ins Gegenteil verkehren könnte, da aus guten Wünschen Flüche werden, die die Welt ins Unglück stürzen, ist kaum zu glauben - und muss in jedem Fall verhindert werden.

Dass dies gelingen kann, ist in Michael Endes "Der satanarchäolügenialkohöllische Wunschpunsch" nachzulesen, in dem sich der Hohe Rat der Tiere aufmacht, die maß- und uferlosen Menschen zu stoppen, und so verhindert, dass sie alles zerstören. Wie aktuell das im 1989 erschienenen Buch beschriebene Ungemach ist, haben am Samstagabend elf junge Unterföhringer im fast ausverkauften Bürgerhaus auf die Bühne gebracht - zeitgemäß, sozialkritisch, couragiert und vor allem regional verortet.

Mit viel Tempo und Witz überzeugt die junge Truppe.

(Foto: Catherina Hess)

Am Ende siegt das Gute über das Böse

Ähnlichkeiten mit lebenden Personen und Unterföhringer Gegebenheiten sind gewollt und geben dem Stück einen Dreh, der es absolut sehenswert macht - genauso wie die jungen Protagonisten, die seit mehr als zwei Jahren im von der Kommune bezahlten Projekt "Junges Bürgerhaus" die Schauspielkunst mit all ihren Facetten lernen und sich ausprobieren können.

Unter der Regie von Theaterpädagogin Anschi Prott haben die Darsteller mit dem Wunschpunsch ein modernes Märchen erarbeitet, an dessen Ende das Gute über das Böse siegt - und die Welt zum Glück gerettet ist. Genau wie Unterföhring, das in der Inszenierung "Paradieso" heißt, ein Ort, wo nur Wohlstandsbürger leben, die nicht mehr wissen, wie gut es ihnen geht.

Die jungen Schauspieler, zwischen 16 und 28 Jahre alt, haben die zahlreichen Herausforderungen der Wunschpunsch-Geschichte hervorragend gemeistert, sturm- und drangvoll die Bühne erobert und sich stimmgewaltig zu Wort gemeldet, ohne auch nur das geringste Blättchen vor den Mund zu nehmen. Allen voran Tobias Volner, 21, in der Rolle des Katers Maurizio die Mauro, der als Spion den in die Unterwelt abgetauchten früheren Bauamtsleiter Irrwitzer (Michael Gammel) überwachen soll, ist schlichtweg eine Schau.

Er tanzt, er singt, er jammert und jubiliert, als hätte er nie etwas anderes getan als auf einer großen Bühne zu stehen. Das Publikum liebt ihn dafür und es gibt Szenenapplaus. Volner hat bereits beim ersten Projekt von Prott im Herbst 2017 die Hauptrolle gespielt im Stück "Der Kanzler - Er macht mehr" und auch da schon überzeugt. Im Wunschpunsch begeistert er noch mehr.

Tempo und Traute sind das Privileg der Jugend

Seine Kolleginnen und Kollegen stehen Volner kaum nach: Jaroslaw Sawitsch alias Rabe Jakob Krakel, der Irrwitzers unheiliges Pendant, ausspionieren soll, ist der Inbegriff des bösen Buben mit Herz; Luis Staiger, der eine Doppelrolle als Maledictus Made und Sankt Silvester übernommen hat, erweist sich als Comedy-Talent, seine zwei Begleiter, die Gehilfen Stöckli (Lara Kastner) und Pöckli (Lukas Friedrich), sind viel mehr als bemerkenswerte Nebengeräusche mit Sinn für Humor.

Ebenso wie Nadja Becker, die als Geldhexe Tyrannja Vamperl und beste Freundin des irrwitzigen Irrwitzers, nicht nur eine flotte Sohle aufs Parkett legt, den Wunschpunsch mixt und trinkt und beim Verwünschen so schnell reimt, dass einem fast schwindlig wird. Tempo und Traute sind das Privileg der Jugend und das Verdienst von Regisseurin Anschi Prott, der es gelungen ist, dem jungen Ensemble jede Scheu zu nehmen und ihm den Mut zu geben, den es für die moderne Wunschpunsch-Adaption mit Unterföhringer Anleihen braucht.

Vor allem der Lokalkolorit des Stücks verzückt die Zuschauer. Prott und ihre Protagonisten lockt der tosende Applaus immer wieder auf die Bühne. Dazu gesellt sich schließlich der echte Bürgermeister, der die vielen Anspielungen mit Humor nimmt. Dass der Star des Abends, Kater Maurizio, ihn mit einem Wunsch belegt, ist nur konsequent: Punsch aller Pünsche, den Fortbestand des Jungen Bürgerhauses man sich wünsche. Sieht gut aus.

Eine weitere Aufführung von "Der satanarchäolügenialkohöllische Wunschpunsch" ist am Freitag, 25. Januar, 18 Uhr, im Bürgerhaus Unterföhring.